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Es zeigt sich ein neues Bedürfnis nach starken Männern und nationaler Größe

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PUTIN RUSSLAND
Reuters
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Die Popularität Putins in Russland ist aus meiner Sicht nur zu verstehen, wenn man die 1990er Jahre in den Blick nimmt. Nach dem Ende der Sowjetunion herrschten eine Zeit der tiefen Verunsicherung, materiellen Not und Chaos. Nur einigen wenigen gelang es, aus dieser Situation immensen Profit zu ziehen.

Die Vorstellung, es genüge, die im westlichen Europa in Jahrhunderten gewachsenen Kernelemente einer bürgerlich-parlamentarischen Demokratie und einer freien Marktwirtschaft in nur wenigen Jahren in Russland zu implementieren, sollte sich als fatale Illusion erweisen.

Das Image eines "starken Mannes"

Auch gilt es zu berücksichtigen, dass die SowjetbürgerInnen, selbst dann wenn sie dem Staatssozialismus und der Einparteienherrschaft kritisch gegenüberstanden, das Gefühl hatten, einer Weltmacht anzugehören, die als einzige den mächtigen USA Paroli bieten konnte.

Davon konnte man sich z. B. überzeugen, wenn man in die stolzen Gesichter der ZuschauerInnen bei den Militärparaden am 9. Mai, dem "Tag des Sieges", sah, auch wenn sich auf der Tribüne auf dem Roten Platz nur eine Altherren-Riege fand.

Mehr zum Thema: Angstmache, Hetze, Gehirnwäsche: Warum Putin trotz allem so geliebt wird

Den Untergang der Sowjetunion und die nachfolgende Un-Ordnung empfanden viele als eine kollektive Demütigung. Die aus meiner Perspektive mitunter lächerlich wirkenden Selbstinszenierungen Putins dienen dem Image eines "starken Mannes", der wieder Ordnung schafft und dem Land die alte Größe und Stärke zurückgibt.

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Dass in Deutschland 50 % der Bevölkerung ebenso begeistert von Putin sein sollen, halte ich für maßlos übertrieben. Das mag bei Pegida und der AfD so sein, eine Mehrheit der Deutschen steht der Ausschaltung der demokratischen Opposition und der Unterbindung kritischer Stimmen in Russland nach meiner Wahrnehmung eher ablehnend gegenüber.

Eine bedenkliche Entwicklung

Allerdings ist sehr bedenklich, dass Parteien wie die AfD in Deutschland, der Front National in Frankreich und andere rechtsnationalistische Gruppierungen in Europa (und in der Türkei) derzeit einen so großen Zulauf haben. Dies gilt umso mehr auch für Donald Trump.

Hier zeigt sich ein (neues) Bedürfnis nach "starken Männern" und "nationaler Größe" - und damit eben nicht nur in Russland. Es ist noch sehr viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Errungenschaften einer pluralistischen und offenen Gesellschaftsordnung mit einer kritischen Öffentlichkeit zu verteidigen.

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Für die einen er der Politiker, der tatsächlich anpackt und der nur das beste für sein Volk im Sinn hat. Für die anderen ist er einer der größten Kriegstreiber und autoritärer Präsident, der politische Gegner einfach verschwinden lässt.

Die Rede ist natürlich von Wladimir Putin.

Kaum ein Politiker polarisiert in Deutschland so sehr, wie der russische Präsident.

In einer Themenwoche mit Politikern, russischen Bürgern und Exil-Russen wollen wir - die Huffington Post Deutschland - die Frage klären, warum Putin die Menschen so emotional bewegt.

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