BLOG

Wir brauchen endlich ein Zuwanderungsgesetz

17/09/2015 12:47 CEST | Aktualisiert 17/09/2016 11:12 CEST
dpa

Die neue Willkommenskultur, die sich gebildet hat, ist äußerst erfreulich. Gelebte Humanität und kurzfristige Hilfen werden aber nicht ausreichen, das Elend der Menschen nachhaltig zu lindern, die sich zur Flucht aus ihrer Heimat entschlossen haben.

Die neuartigen Grenzkontrollen, aus der praktischen Not heraus geboren, machen deutlich, dass es ist dringend geboten ist, endlich ein Zuwanderungsgesetz zu beschließen, das reguläre Einwanderung ermöglicht.

Dies schließt die CDU inzwischen auch nicht mehr grundsätzlich aus. Aber es wird auf Details ankommen.

Die Große Koalition hat schon eine beachtliche Menge an Maßnahmen auf den Weg gebracht. Aber es wird immer deutlicher, dass für Menschen aus Ländern, die für sicher erklärt werden, endlich andere Möglichkeiten der Migration als der Asylantrag gefunden werden müssen.

Denn auch wirtschaftliches Elend und Korruption sind legitime und ernst zu nehmende Auswanderungsgründe.

Richtig ist, dass sich die EU kurzfristig auf eine vernünftige Verteilung von Flüchtlingen und Asylberechtigten und auf eine tragfähige Mittelmeerpolitik einigen will. Richtig ist, dass Menschen, denen in der Heimat Schaden und Tod drohen, etwa im Irak, rascher als Asylberechtigte anerkannt und in Wohnungen angesiedelt werden. Da die Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, ist hier in der Tat in allererster Linie hier der Bund gefragt.

Wir können es nicht als Integration verkaufen, wenn wir Akademiker dazu verdammen, Hilfsarbeiter zu sein

Vor Ort geht es um den Erwerb qualifikationsadäquater Deutschkenntnisse und um die Anerkennung von Abschlüssen. Wir können es nicht als Integration verkaufen, wenn wir Akademiker und andere Fachkräfte faktisch dazu verdammen, Hilfsarbeiter zu sein.

Dass anerkannte Asylbewerber sofort erwerbstätig werden können, versteht sich von selbst. Wobei allerdings darauf geachtet werden muss, dass den Zugewanderten genug Zeit bleibt, um Deutsch zu lernen und sich gegebenenfalls weiter zu qualifizieren. Dies gilt für Ältere wie für viele Junge.

Asylberechtigte gehören auf ökonomisch starke Gemeinden verteilt

Kurzfristig ist auch politische Führungsstärke im Hinblick auf die Verteilung der zu uns geflüchteten Menschen gefragt. Es ist langfristig nicht sinnvoll, Flüchtlinge in Gemeinden und Stadtteilen anzusiedeln, in denen jetzt schon nur schwer Arbeit zu finden ist. Asylberechtigte gehören auf ökonomisch und gesellschaftlich starke Gemeinden und Stadtteile verteilt, wo auch das bürgerschaftliche Engagement auch groß ist.

Und es sei nochmals betont: Wenn wir mit einem Zuwanderungsgesetz auch die arbeitsmarktbedingte Zuwanderung endlich im Interesse der Ankommenden und im eigenen Interesse vernünftig lösen, werden die Probleme kleiner werden.

Die Große Koalition ist im Prinzip ideal aufgestellt, um nicht nur Mitmenschlichkeit zu garantieren, sondern auch ein Zuwanderungsgesetz zügig zu verabschieden. Die Diskussion der Details, die sicherlich vielfach kontrovers sein dürften, sollte - trotz der enormen aktuellen Belastungen - zügig begonnen werden.

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Lesenswert:

#auchichbindeutschland: Sie sind in Deutschland geboren oder aufgewachsen, werden aber nicht als "Deutsche" gesehen

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft