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Wie die Generation Y die Arbeitswelt verändern wird

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Die embrace-Studie „Karriere trifft Sinn" mit überraschenden Ergebnissen

Früher konnten Unternehmen ihren Angestellten weitgehend die Arbeitsbedingungen diktieren - doch diese Zeiten sind vorbei. Durch den Fachkräftemangel und die dramatische demographische Entwicklung verschiebt sich das Machtverhältnis klar zu Gunsten der Generation Y. Die Manager von morgen sind jetzt am Zug - und in Zukunft werden sie sich ihre Arbeitgeber immer öfter aussuchen können. Der Kampf um die besten Köpfe, er hat längst begonnen. Hier läuft ein Wettbewerb, der sich zuspitzen und die Arbeitswelt nachhaltig verändern wird.

Wir von embrace haben uns deshalb gefragt, wie junge Fachkräfte genau über Arbeit und Karriere denken. Welche Interessen verfolgen sie konkret und welche Prioritäten setzen sie dabei? Wie und wo finden sie Lebenstiefe in ihrem beruflichen Tun? Dazu haben wir im Rahmen der embrace-Studie „Karriere trifft Sinn" 3.633 karriereorientierte Studenten zwölf verschiedener Fachrichtungen in ganz Deutschland aus unserem Karrierenetzwerk careerloft befragt. Das Ergebnis: Mit der Generation Y kündigt sich ein radikaler Wertewandel an! Er betrifft sowohl die Wertvorstellungen der zukünftigen Fachkräfte als auch das Verhältnis von Arbeit und Freizeit.

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Familie, Freizeit und Flexibilität

Im Hinblick auf die Work-Life-Balance sprechen die Ergebnisse der „Karriere trifft Sinn"-Studie eine deutliche Sprache: 95 Prozent der zukünftigen Fachkräfte ist es wichtig, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. 82 Prozent möchten die Arbeitszeit der persönlichen Situation anpassen können und 71 Prozent wollen außerhalb der Arbeitszeiten nichts mehr von der Arbeit wissen. Über die Hälfte der Befragten, nämlich 57 Prozent, wünscht sich sogar explizit die freie Einteilung ihrer Arbeitszeit.

Im Klartext heißt das: Eine ganze Generation verabschiedet sich von ständiger Verfügbarkeit und fremdbestimmter Arbeit. Hier findet ein Paradigmenwechsel auf dem Arbeitsmarkt statt. Bei Vertragsverhandlungen wird es zukünftig nicht nur um Geld, sondern vor allem um sehr gute Arbeitsbedingungen gehen. Unternehmen, die mehr Urlaub, ein Sabbatical und Home-Office-Zeiten anbieten können, gewinnen an Attraktivität für junge Top-Talente.

Hinter der Karriere alles andere zurückzustellen - das kommt für die Generation Y nicht in Frage. „Sie will nicht 50 bis 60 Stunden arbeiten und ständig für den Job erreichbar sein. Die First Mover der Unternehmen arbeiten bereits sehr stark an dieser Thematik, denn dieser Trend betrifft nicht ‚nur' die Berufseinsteiger, sondern in erheblichem Maße auch diejenigen, die bereits seit Jahren im Arbeitsprozess stehen", sagt Prof. Dr. Christoph Beck von der Hochschule Koblenz, der die „Karriere trifft Sinn"-Studie wissenschaftlich begleitet hat. Die Interessen der Generation Y fallen demnach auch bei den älteren Fachkräften im Job auf einen fruchtbaren Boden.

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Ethik und Moral sind wichtiger als das Gehalt

Vorbei sind also die Zeiten, in denen das Gehalt die wichtigste Entscheidungsgrundlage für oder gegen einen Arbeitsplatz war. Klar, auch die jungen Top-Talente wollen gut bezahlt werden, noch wichtiger sind ihnen allerdings Ethik und Moral. So ist es für 85 Prozent der Studenten wichtig, sich ethisch zu verhalten und alle Menschen gleich und gerecht zu behandeln. Über drei Viertel der Befragten, genau 78 Prozent, wollen für die Gesellschaft einen Mehrwert erbringen. Dahingegen ist es lediglich für 73 Prozent der Talente wichtig, viel Geld zu verdienen.

Zwar steht die berufliche Selbstverwirklichung noch an erster Stelle, doch 60 Prozent der jungen Fachkräfte von morgen wollen mit ihrer Arbeit Menschen helfen und die Welt verändern. Die Generation Y setzt Prioritäten: Natürlich will sie Geld verdienen. Die moralische Vereinbarkeit der Tätigkeit und des Unternehmens mit den eigenen Werten ist ihr aber noch wichtiger. Lukrative Boni und schicke Dienstwagen werden als alleinige Anreize im Kampf um die besten Köpfe nicht mehr ausreichen. Die Ansage der Generation Y ist klar: Wer sich selbst ethisch und fair verhalten möchte, verlangt das ebenso von seinem Chef und seinem Unternehmen. Eine Ellenbogenmentalität lehnt die zukünftige Fachkräfteelite hingegen entschieden ab.

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Unternehmen müssen sich an die Werte der Generation Y anpassen

Die Ergebnisse der „Karriere trifft Sinn"-Studie zeigen deutlich, dass die Top-Talente von morgen hohe Erwartungen an ihre Arbeitgeber haben. Die Wirtschaft ist auf die jungen Fachkräfte immer mehr angewiesen, die wiederum aufgrund des Fachkräftemangels am
längeren Hebel sitzt. Die Unternehmen werden deshalb umdenken und sich bald sehr stark bewegen müssen.

Im Kampf um die besten Köpfe kommt es für die Unternehmen nun darauf an, sich und ihre Kultur an die Werte der neuen Generation anzupassen. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle und Home-Office-Regelungen, aber auch sozialverträgliches Unternehmertum und nachhaltiges Wirtschaften. Dieser umfassende Wandel in der Unternehmenskultur darf sich jedoch nicht nur oberflächlich vollziehen. Nur authentisch und glaubwürdig auftretende Unternehmen können die richtigen Mitarbeiter für sich gewinnen und halten. Um es auf den Punkt zu bringen: Die Unternehmen müssen menschlicher werden. Schließlich sind es ja Menschen, die sie von sich überzeugen wollen.

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