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Mehr smarte Helden für mehr digitale Inklusion, bitte!

13/03/2015 15:16 CET | Aktualisiert 13/05/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Inklusion ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Punkt auf der politischen Agenda geworden. Die meisten Menschen wissen allerdings nicht, was sich tatsächlich hinter diesem „Buzzword" verbirgt und was es bedeutet, eine inklusive Gesellschaft zu schaffen.

Im Jahr 2008 haben die Vereinten Nationen in Zusammenarbeit mit einer Vielzahl beteiligter Staaten und Betroffener die Behindertenrechtskonvention erarbeitet und verabschiedet. Sie beinhaltet viele spezielle Regelungen, die insbesondere auf die Lebenssituation behinderter Menschen abzielen. Inklusion kann man mit dem Wort „Zugehörigkeit" übersetzen, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, haben das Recht auf gute Bildung, auf Arbeit, auf ein selbstbestimmtes Leben, Zugang zu Informationen und können frei Entscheidungen treffen. In einer inklusiven Gesellschaft ist es eben normal, verschiedenen zu sein. Davon sind wir leider noch weit entfernt.

Inklusion setzt ein anderes Verständnis und eine andere Form der Auseinandersetzung mit Menschen mit Behinderungen voraus, aber auch generell mit Minderheiten, mit Benachteiligten und denjenigen, die von Ausgrenzung betroffen sind, zum Beispiel Flüchtlinge oder Obdachlose. Nicht diese Menschen müssen in die bestehende Gesellschaft „inkludiert" werden, sondern die Gesellschaft muss sich verändern, so dass mehr Beteiligung, Teilhabe und damit Inklusion überhaupt möglich wird. Inklusion ist also ein gesamtgesellschaftlicher Umdenkungsprozess und das Verständnis dafür, was Inklusion bedeutet, muss vor allem in den Köpfen der Menschen verankert werden.

Soziale Medien fördern Inklusion

Ich bin überzeugt, dass dabei insbesondere die Digitalisierung eine wichtige Rolle einnehmen kann, denn sie wirkt schon jetzt in alle Lebensbereiche hinein. Das „digitale Leben" ist inzwischen zum „realen Leben" geworden. Gerade soziale Medien sind extrem hilfreich, um Inklusion auch auf der digitalen Ebene zu fördern.

Sie bieten die Möglichkeit, dass „Randgruppen" aus ihrer Isoliertheit herauskommen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist wheelmap.org. Dabei handelt es sich um eine Online-Karte rollstuhlgerechter bzw. barrierefreier Orte. Jeder kann mitmachen und öffentlich zugängliche Orte wie Cafés, Behörden oder Geschäfte markieren.

Nicht nur Rollstuhlfahrer profitieren, weil andere etwas für diese Gruppe behinderter Menschen tun, sondern die Betroffenen selbst werden aktiv. Sie markieren nicht nur diese Punkte auf der Landkarte, sondern entwickeln das Konzept, programmieren die Software und betreiben das Angebot.

Zugleich profitieren andere Menschen davon, z. B. Eltern, die mit dem Kinderwagen ebenso darauf angewiesen sind, barrierefreie Orte zu finden. Oder jemand erfährt neben der Information über ein barrierefreies Hotel zugleich, wie gut der Service dort ist.

Es geht also nicht darum, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren, sondern die gesellschaftlichen Bedingungen zu verändern. Dann fallen die Unterschiede zwischen den vermeintlich „normalen Menschen" und „den anderen" nicht mehr ins Gewicht.

Die digitale Inklusion eröffnet allen Menschen bessere Chancen auf Partizipation

Auch bei der technischen Gestaltung des Internets spielen inklusive Aspekte verstärkt eine Rolle. Am Anfang ging es meist darum, Internetseiten barrierefrei zu gestalten, damit beispielsweise blinde Menschen Informationen finden konnten. Mit der Diskussion um Inklusion war klar, dass Barrierefreiheit nur ein Bereich von vielen ist, um mehr Teilhabe zu ermöglichen.

Kürzlich habe ich ein Angebot entdeckt, das Menschen mit geistiger Behinderung in einfacher Sprache die Nutzung von Facebook ermöglicht. Großartig - denn wer sagt eigentlich, dass Menschen mit geistigen Behinderungen nicht genauso wie alle anderen Menschen das Bedürfnis haben, zu kommunizieren, sich mit anderen auch virtuell auszutauschen und soziale Kontakte zu knüpfen? Das Internet der Dinge wird zukünftig noch viel stärker in diese Bereiche hineinwirken.

Denken wir nur an selbstfahrende Autos und die Chancen, die diese Technologie für behinderte Menschen bietet, um zukünftig leichter und selbstbestimmter von A nach B zu kommen.

Die digitale Inklusion eröffnet allen Menschen bessere Chancen auf Partizipation in unserer Gesellschaft und damit meine ich wirklich alle, also auch Senioren, Menschen mit Migrationshintergrund, sozial- und bildungsbenachteiligte Menschen usw. Und „Partizipation" bedeutet eben nicht nur passives Teilhaben sondern auch aktives „Teilgeben" und soziales Miteinander: Jeder trägt einen bzw. seinen Teil bei.

Gemeinsam mit Facebook vergeben wir den Smart Hero Award, mit dem wir gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement auszeichnen. Wir möchten die Menschen und Projekte ehren, die soziale Medien nutzen, und sich für mehr Miteinander und weniger Ausgrenzung einsetzen. Wir wollen Stereotypen entgegen wirken, denn nur so kann unsere Gesellschaft von der Vielfalt profitieren und Unterschiede als Chance akzeptieren.

Ob Stricken für Obdachlose, Initiativen für Flüchtlinge oder mehr Akzeptanz für alleinerziehende Mütter schaffen - all diese Projekte zeigen, welche großartigen Chancen uns das Internet jetzt und in Zukunft bietet, wenn wir es für die gute Sache einsetzen.

Diese engagierten Menschen sind smarte Heldinnen und Helden, die beispielhaft dazu beitragen, Inklusion Realität werden zu lassen. Mit dem Award möchten wir auf solche Projekte aufmerksam machen und ihnen eine breitere Öffentlichkeit und somit mehr Unterstützer ermöglichen. Und natürlich sollen diese Projekte dabei helfen, den Solidaritätsgedanken in unserer demokratischen Gesellschaft zu stärken.

Die Stärkung des digitalen Engagements ist auch ein wichtiges Ziel der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Deshalb freuen wir uns besonders, dass Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in diesem Jahr die Schirmherrschaft für den Smart Hero Award übernommen hat.

Noch bis zum Sonntag können für den diesjährigen Award Bewerbungen eingereicht werden und wir hoffen auf noch mehr smarte Heldinnen und Helden! Wir, die Mitarbeitenden bei der Stiftung Digitale Chancen und Facebook, sind davon überzeugt, dass es noch eine Vielzahl an Projekten und Vielfalt an Ideen gibt, mit denen Menschen sich für andere engagieren, Gutes tun, Grenzen auflösen und dazu beitragen, dass in der Gesellschaft ankommt, dass wir doch eigentlich alle „nur ein bisschen normal" sind.

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