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Zur Burka: Eine hysterische, dumme, ignorante, närrische und teure Diskussion

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• Über die Ganzkörperverschleierung mit der Burka wird diskutiert
• Die Reaktionen und Diskussionen sind unvernünftig, dumm und lächerlich
• Der sächsische Innenminister bereitet ein Verbotsgesetz vor
• Nebenbei ein Blick ins sächsische Hoftheater.

In einer steinigen Wüste
Einst wanderte ich am Äquator in einer Wüste. Die Sonne brannte mörderisch. Eine Windböe kam auf, entriss meinen Sonnenhut und Brille, blies mir Sand und Steine in das verbrannte Gesicht und schmerzhaft in die Augen. Zum Glück hatte ich einen Schal zur Hand, den ich mir zum Schutz um Hals und Kopf wickelte. Ich war total verschleiert. Trug ich eine Burka?
Meine neue Schutzkleidung war vernünftig. Unvernünftig wäre es gewesen, mich - vielleicht aufgrund eines Burka-Verbots - nicht zu verschleiern. In heißen, sandigen, steinigen und windigen Gegenden ist es vernünftig, einen Ganzkörperschutz zu tragen. Und wenn ihn die herrschende Religion oder Regierung vorschreibt, ist dieser Gesundheitsschutz vernünftig. Ihn zu verbieten wäre Unsinn.

Einige Außenwirkungen
Neulich fuhr ich in der Straßenbahn. Eine junge Frau stieg ein, stark fettleibig, und von Adipositas geplagt. Sie trug ein eng anliegendes, verschwitztes Shirt und Leggins. Der Anblick der Dame, ihre Außenwirkung war ekelerregend. Eine Ganzkörperverschleierung wäre aus Rücksicht auf die Mitmenschen vernünftig gewesen. Macht ein Burka-Gebot in der Öffentlichkeit für alle Fettleibigen nicht sogar Sinn?
Wenig später stieg ein junger Mann ein, er humpelte und stützte sich auf einen Stock. Das Bein sah schrecklich aus, voller Binden, Plastikteilen, Metallschrauben. Wenn der Mann einen fußlangen Umhang (eine Männer-Burka) getragen hätte, hätte das die Umstehenden nicht so erschreckt. Sogar ein Verschleierungs-Gebot für Schwerverletzte und Operierte in der Öffentlichkeit wäre sinnvoll.
Unter uns gibt es wunderschöne Frauen. Vielleicht war eine solche verheiratet. Wenn sie durch die Stadt ging, wurde sie von Männerblicken angestarrt und ihr nachgestellt. Warum soll sich eine solche Frau nicht geschickt vor Belästigungen schützen - mit einer Burka? Soll ein albernes Gesetz einen solchen Selbstschutz in der Öffentlichkeit verbieten? Es wäre unvernünftig und würde damit das Persönlichkeitsrecht der Frau, sich selbstbestimmt zu kleiden, verletzen.

Eine anderer Fall
Wenn sich eine Ausländerin aus Gewohnheit oder Religion verschleiert (mit oder ohne Gesichtsschleier) und so in der deutschen Öffentlichkeit bewegt, soll sie doch. Vielleicht will sie auffallen und als Flüchtling von allen herzlich umarmt werden? Oder einfach zeigen, dass sie etwas Besonderes ist (welche Frau möchte das nicht)? Vielleicht will sie sogar gegenüber langweilig gekleideten Frauen einen Kontrapunkt setzen? Es wäre Dummheit und Torheit pur, ein solches unterhaltsames Verhalten in der Öffentlichkeit zu verbieten.

Ganzkörperverkleidungen für Männer
Nicht nur Frauen verkleiden sich. Aus vielerlei Gründen verkleiden sich Männer auch ganzkörperlich, z.B. die Armee oder Polizei mit ihrer Uniform. Auch Pfleger und Ärzte im Krankenhaus oder in der Öffentlichkeit tragen ihren Berufskittel. Soll man ihnen eine solche Kleidung untersagen? Überfallkommandos tragen auch Ganz-Körperbekleidung, oft mit Gesichtsmasken. - Oder soll man Dieben und Verbrechern erfolglos verbieten, bei ihren Übeltaten keine Gesichtsmasken zu tragen? Oder soll mal einen IS-Kämpfer, der in seiner furchterregenden schwarzen Kleidung durch Deutschland stolziert, seine auffallende Kleidung verbieten. Und so den raschen Zugriff von deutschen Sicherheitskräften behindern?

Mit Burka in das Schlaraffenland Deutschland
Doch es gibt auch Situationen, in denen Burka-verschleierte Hilfe vom deutschen Staat möchten. Leute in der Ferne verbreiten, Deutschland sei ein Schlaraffenland, in dem jeder Wohnung, Geld, Arbeit, Schule, Kinderkrippe, Rechtsanwalt, ein Auto und extra eine Frau bekäme. Wirklich ein lockendes Versprechen.
Doch das Schlaraffenland Deutschland wird von seinen fleißigen deutschen Steuerzahlern finanziert. Der ausführende Staat und seine Ämter müssen nachweisen, welche Personen aus welchem Grund welche staatlichen Leistungen von ihm erhalten. Leistungen anonym, verschleiert, mit Burka, zu erhalten, funktioniert nicht. Wer was bekommen will, muss sich identifizieren lassen. Dazu gehört ein prüfender Blick ins unverschleierte Gesicht.

Irreführende Burka
Wer bei Rot über die Kreuzung fährt und bei der Kontrolle plötzlich eine Gesichtsmaske oder Burka überzieht, hat noch nicht gelernt, wie der deutsche Rechtsstaat dann reagiert. - Wer maskiert oder mit Burka zum Zahnarzt geht, um sich einen Zahn ziehen zu lassen und den Gesichtsschutz nicht beim Zahnarzt entfernt, wird kaum seinen Zahn, z.B. durch die Burka hindurch, gezogen bekommen. - Und wenn eine Lehrerin der Schule plötzlich vor lauter maskierten Kindern unterrichten soll, so funktioniert das nicht. Wie soll sie eine Schülerin aufrufen oder ihr eine Note geben, wenn die Schülerin ihr Gesicht versteckt?
Anonym und verschleiert sich in Deutschland zu bewegen, gelingt sicher. Anonym Leistungen vom Staat zu erhalten geht nicht. Eine einfache Arbeitsanweisung vermag das zu richten.
Sicher müssen Zugereiste die Ordnungswut der Deutschen erst verstehen. Wenn aber eine Frau mit roter, gelber, weißer, schwarzer und blauer Burka zu Sozialämtern geht und fünfmal Unterstützung verlangt, so sitzt sie auf dem falschen Dampfer.

Unfug-Gesetz
Deswegen aber nach deutscher Art gleich ein Gesetz für ein Burka-Verbot zu machen, ist ein närrisches Unterfangen und hat wohl beim Bundesverfassungsgericht keine Chance. Die Kosten für den Steuerzahler wären erheblich (ein interessanter Fall für den Rechnungshof?). Da wäre es vernünftiger, dem deutschen Steuerzahler das Geld für die Erarbeitung eines solchen Gesetzes-Unfugs lieber auszuzahlen.

Doch zunächst übt wohl der sächsische Hof am Auftritt für sein nächstes Stück: „Narren an der Macht".