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Zum Tesla-Unfall: Der w├╝tende fahrerlose Roboter oder die missratene High-Tech-Cashcow - eine Story aus der Automatisierungs-Industrie der DDR

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
TESLA
Handout . / Reuters
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Passierte ein solcher (t├Âdlicher) Unfall mit einem fahrerlosen computergesteuerten Fahrzeug zum ersten Mal? Am Steuer sa├č der computergesteuerte Autopilot des modernsten Elektroautos der Welt, das Tesla Modell S. - Oh, Schreck lass nach!

Automatisierung mit Computer, Kommunikation und Robotern bringen uns im Alltag viele Erleichterungen und sogar mehr Wohlstand. Doch sie haben auch ihre Kehrseite, ihre Risiken und Gefahren, die wir allzu gerne ├╝bersehen. Automatisierung hat ein doppeltes, ein Janus-Gesicht. Wir vertrauen in der Forschung, Medizin, Industrie und im Alltag zu sehr der Technik und sind auf dem Unfall-und Gefahren-Auge blind, ├╝bersehen die m├Âglichen Gefahren und drohenden Katastrophen. Allen voran - Manager und Politiker an den Schalthebeln der Macht.

Ein sch├Ânes Beispiel daf├╝r liefert ein Projekt, das ich Anfang der Achtzigerjahre in der DDR erlebt habe. Es ging um ein fahrerloses automatisiertes Transportsystem (FATS) mit selbstfahrenden kleinen Transport-LKWs. Partei und Regierung der DDR wollten das Highlight schaffen f├╝r eine geplante automatische Fabrik, die durch den Export von Werkzeugmaschinen die ben├Âtigten Devisen (Westmark und Dollar) rasch in die leere Staats-Kasse sp├╝len sollte. Eine Art vollautomatischer Goldesel, eine High-Tech-Money- und -Cashcow!

Doch es gab auch Kritiker und Zweifler an diesem sog. ÔÇ×Parteitagsobjekt". Ihre Bedenken wurden ├╝berh├Ârt. Deshalb versuchten sie, ├╝berzeugende Zahlen-Beweise zu liefern. Das Team modellierte und simulierte die gesamte geplante automatische Fabrik mit Mann und Maus, Mitarbeitern, Disponenten und dem FATS auf dem gr├Â├čten damals verf├╝gbaren Computer. Das Modell spielte die Prozesse an ca. 200 Arbeitspl├Ątzen mit 600 Arbeitern im Dreischichtsystem, Dispatchern und Managern nach.

Und was war das Ergebnis? Ein Kracher: Wenn die Produktion im Modell langsam hochgefahren wurde, dann umherfahrende Gabelstapler aus und das fahrerlose Robotersystem eingeschaltet wurde, geschah etwas Paradoxes, n├Ąmlich genau das Gegenteil von dem, was die Politiker samt ihrer Berater ertr├Ąumt hatten: Die Produktion stieg nach den Berechnungen des Modells nicht, sondern sank immer mehr und mehr. Das Millionen teure Robotersystem wird nicht neue Spitzenleistungen im Produktionsaussto├č erbringen, sondern nach und nach die Fertigung zum Erliegen bringen, es waren rausgeschmissene Devisen (in der Fachliteratur nachzulesen).

Das mit Simulation der Fertigungsprozesse auf dem Computer vorhergesagte Ergebnis war absurd: Ein Automat st├Ârt den Automatenbetrieb, ein Roboter sabotiert den Roboterbetrieb! Wir konnten mit dem Modell mit handfesten Zahlen nachweisen, was passiert, wenn inkompetente F├╝hrer und Manager am Werk sind. Wir prophezeiten, dass dieser Robotereinsatz ein Schlag ins Wasser wird. Der geplante Hightech-Goldesel und die Super-Cashcow bek├Ąmen eine m├Ąchtige Verstopfung. Doch unsere Kritik wurde ├╝berh├Ârt.

Die Inbetriebnahme der automatischen Fabrik r├╝ckte n├Ąher, LKWs und Kr├Ąne brachten die nagelneuen Produktionsmaschinen. Da passierte durch das FATS ein verr├╝ckter Unfall - wenn auch nicht mit den t├Âdlichen Folgen, wie bei Tesla. ├äu├čerlich war ein fahrerloser Roboter eine schwere st├Ąhlerne Kiste in der Gr├Â├če von ca. 1,5 m Breite ├Ś 2,5 m L├Ąnge ├Ś 1 m H├Âhe auf Hartgummireifen, voll schwerer Blei-Akkus. Es war ausgestattet mit einem speziellen Sicherungssystem, eine sensible Sto├čstange, die bei Ber├╝hrung durch Mensch oder Gegenst├Ąnde sofort den Roboter zum Stehen brachte.

Dann kam die Katastrophe: Auf dem vorprogrammierten Fahrweg des Roboters stand ├╝berraschend quer ein hochr├Ądriger Lkw mit schwerer Maschinenlast (fast wie bei dem Tesla-Unfall). Der Roboter fuhr unter den Lkw, fand in der H├Âhe seiner Sto├čstange keinen Widerstand und fuhr und fuhr und fuhr. All die technischen Innereien aus Plastik, Stahl, Blech und Gummi unter der Ladefl├Ąche des LKWs, die dem fahrerlosen Roboter im Wege standen, stie├č, riss, mei├čelte und rammte der w├╝tende Roboter einfach weg und verschaffte sich so unter dem Lkw freie Durchfahrt. Als der losgelassene Transportroboter erfolgreich seinen programmierten Stellplatz erreicht hatte, besa├č der traktierte Lkw nichts mehr von der f├╝r seinen Betrieb notwendigen Technik, er war zu nagelneuem Schrott auf vier R├Ądern inmitten anderer Schrott-Teile geworden. Unter seiner Ladefl├Ąche klafft ein Tunnel. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden - sie bestaunten nur die Taten des unbemannten High-Tech-FATS und den nagelneuen Schrott.

Der nach angeblich allen Regeln der Kunst und mit West-Geldern gebaute technische Goldesel hatte als erste Probe seines K├Ânnens nicht Geld und Gold, sondern teuren Schrott produziert.

Als sp├Ąter der geplante automatische Betrieb mit dem automatischen Transportroboter anlief, geschah wieder etwas Seltsames. Die pfiffigen Arbeiter an den Maschinen bemerkten schnell, dass das tolle Transportrobotersystem nicht die Produktion steigerte, sondern ihrer Arbeit im Wege war und die Produktivit├Ąt senkte. Und sie schalteten das FATS einfach ab - und folgten damit eigentlich dem Rat, den wir mit unserem Simulationsmodell schon vorhergesagt hatten. Der Misserfolg des FATS war perfekt.

Automaten und Roboter sind nicht nur tolle Helfer, K├Ânner und K├╝nstler, sondern auch verflixt gef├Ąhrliche Monster - wie schon Wolfgang von Goethe vor fast 200 Jahren in seiner ber├╝hmten Ballade ÔÇ×Der Zauberlehrling" geschildert hatte mit dem sch├Ânen Anfang:

ÔÇ×Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben..."

Nicht nur Tesla in den USA hatte mit seinem Modell S einen Unfall gebaut, sondern schon andere fahrerlose Roboter vor ihm... Wenn wir angesichts von immer mehr Automaten auf dem Gefahren- und Unfall-Auge blind sind, so ist das f├╝r uns alle teuer und gef├Ąhrlich, manchmal sogar lebensgef├Ąhrlich.

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