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Neue Geheimsprache der Deutschen, die nicht einmal das Internet kennt

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Menschen verändern sich, entwickeln sich vorwärts oder zurück, so auch ihre Sprache.

Sie trinken gerne ihr Bier, auch wenn sie nicht zu den Weltmeistern zählen: die Deutschen. Wenn sie in der Gaststätte verlangen: „Bitte, ein Bier!", dann wissen alle rundherum Bescheid. Und manch einer aus der Nähe prüft reflexartig: Baumelt unterhalb Ihres Gürtels des Sprechers ein Bierbauch, schaukelt und wabert ein fettiger Rettungsring?

Im Klartext: Die Aufforderung: „Bitte ein Bier" outet Sie in ihrer Umgebung als Biertrinker und verletzt - leicht übertrieben - den Schutz Ihrer Privatheit und den persönlichen Datenschutz. Leben Sie deshalb diskreter und unauffälliger mit einem Geheimcode. Sagen Sie künftig - wie es schon einige pflegen - nicht mehr: „Bitte ein Bier" sondern „Bitte ein Hopf", oder kurz „Ä Hopf". Damit verraten Sie den Lauschern nicht, dass sie ein verdächtiger Biertrinker sind. Das Geheimwort „Hopf" ist nur eine Abkürzung für die gesündeste Wirkkomponente vom Bier: der Hopfen, dieses wunderbare altbewährte Naturheilmittel.

Wenn Sie plötzlich Verlangen nach diesem Naturheilmittel haben, vielleicht auf der Arbeit, dann sagen Sie zu Ihrem Kollegen leise und geheimnisvoll: „Ich bin unterhopf". Und dann weiß dieser, dass Ihnen Flüssigkeit besonderer Art fehlt.- Und wenn Sie zu Ihrem Partner oder Partnerin oder zum Arzt gehen und sternhagel betrunken sind, dann sagen Sie künftig diskret "Ich bin nur überhopft!". Falls Sie den Stil Ihrer Ausdrucksweise auf medizinisch-akademisches Niveau anheben möchten, so verwenden Sie eine Vorsilbe: Statt über - hyper, statt unter - hypo. Teilen Sie also diskret Ihrem Gesprächspartner mit „ich bin hypohopf" („ich habe Durst, mir fehlt ein Hopfen" oder „ich bin hyperhopf" oder ich habe zu viel Hopfen und Bier getrunken, „bin bezecht"). Äußern Sie auf diese Weise ihre Wünsche und ihren Zustand unauffällig.

Das zieht Kreise. Der Buschfunk meldet: In einem Großunternehmen streikt die Belegschaft für Freibier. Doch sie nennt ihre Aktion nicht ordinär "Bierstreik", sondern diskreter „Hopfstreik". Historiker werden prüfen, ob das als erster „Hopfstreik" in die deutsche Geschichte eingeht.
Und vielleicht bekommt auch das bekannteste deutsche Bierfest, das Münchner Oktoberfest, einst den kürzeren und interessanteren Namen „Hopffest". Klingt nach Klopp-, Hüpf-, Hopp-, Tropf -oder Klopf-Fest.

Diese Wortschöpfung der Deutschen ist so neu und so geheim, dass sie wieder den Duden und nicht einmal das Internet kennt. Auf meine neugierige Durst- und Suchanfrage am 23.5.2016, 11:15 Uhr meldet Firefox aus dem Internet: „Keine Ergebnisse für hypohopf gefunden".

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