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Kommt die deutsche Jamaika-Koalition nicht zu Potte?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HATE POLITICS
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Kommt sie, oder kommt sie nicht
zu Potte?

Die Deutschen haben einen neuen Bundestag gewählt. Er steuert wohl auf eine 4-Parteien-, eine schwarz-grün-gelbe, die sog. Jamaika-Koalition und -Regierung zu. Auf diese warten eine Fülle von Aufgaben und großen Herausforderungen, die sie für die Deutschen bewältigen sollen, Baustellen, die sie erfolgreich beackern müssen - das ist ihr demokratischer Auftrag von den Wählern.
Kommt die Jamaika-Koalition nun endlich zu ihrem Potte oder nicht?
In seiner Sprache hat ein Volk seine Weisheit und Lebenserfahrung zum Ausdruck gebracht. Was bedeutet dieser seltsame Ausdruck: „zu Potte kommen", der in meinem letzten Blog („Nach der Wahl: Der trübe Start des deutschen Jamaika-Zirkus' und die ersten Jamaika-Witze") etliche Male vorkommt?

Was ist des Pudels Kern?
„Zu Potte kommen" ist eine alte deutsche Redewendung. Sie drückt aus kurz und knapp, als Bild: die anstehende, schwierige Aufgabe wurde bewältigt, erfolgreich erledigt, zu Ende gebracht, das gewünschte Ziel wurde erreicht.

Einige Beispiele
Wenn Sie den richtigen Partner gesucht und gefunden haben, dann sind Sie, kurz und knapp und mit nur 15 Zeichen „zu Potte kommen". Haben Sie eine passende Wohnung gefunden, sind Sie auch zu Ihrem Potte gekommen. Oder haben Sie den gewünschten Job bekommen, sind Sie zu Potte gekommen. Haben Sie die Kreuzfahrt-Traum-Reise ihres Lebens angetreten, so sind sie im wahrsten Sinne auf dem Pott angekommen Und wenn die neue 3-Farben-Koalition die anstehenden schwierigen Aufgaben für das Land anpackt und erfolgreich löst, kommt sie zu Potte. Finden Sie jedoch nicht den richtigen Partner, die passende Wohnung, den gewünschten Shop oder Ihre Traumreise, sind Sie „nicht zu Potte" gekommen. Und wenn die kommende Jamaika-Koalition die drängenden Aufgaben nicht löst, kommt sie „nicht zu Potte".

Woher kommt diese seltsame Redewendung?
In Norddeutschland, auch in Dänemark, war und ist Pott der Ausdruck für Topf, für einen Behälter. Im übertragenen Sinn auch ein Behälter für Waren und Personen, ein Schiff oder auch eine Kneipe oder einen Farbeimer. Wer zu Potte kam, hat den richtigen Behälter für sich gefunden, fährt im richtigen Schiff und hat erfolgreich seine Aufgabe erfüllt.

Eine andere Bedeutung
Die Umgangssprache drückt sich nicht nur diskret, fein und vornehm, sondern zuweilen auch realistisch, drastisch und derb aus. Pott wird nicht nur für Topf benutzt, sondern auch für den „Boddschamber", „das „Nachtgeschirr" oder den Nachttopf. „Zu Topp kommen" bedeutet in diesem Kontext in allzu menschlicher Bedrängnis ein hygienisches Verhalten: das ersehnte Ziel, den Nachttopf, erfolgreich zu erreichen. Und es schildert diskret den umgekehrten Vorfall, z.B. beim „flotten Otto" das drängende und drückende Ziel nicht zu erreichen, zu verfehlen und damit nicht zu Potte zu kommen...
Ganz demokratisch und drastisch drückt aus „Die Koalition kommt nicht zu Potte", dass sie die anstehenden dringenden Geschäfte nicht rechtzeitig und nicht richtig erfüllt, sie ihren eigentlichen Job verfehlt.

Fazit und Ankündigung
Eine Koalition, wie die Jamaika-Koalition in Berlin, die viele Aufgaben für das Land zu lösen hat, aber nicht aus der Knete, nicht aus den warmen Puschen kommt und nicht den Hintern hochkriegt, gibt damit Anlass für ein großes öffentliches demokratisches Gelächter. Dieses Verhalten löst neben öffentlichen Ärger aus auch ein Feuerwerk neuer Koalitions-Witze aus (folgen in weiteren Blogs).

Tschüss bis bald!