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Medienkritik: Schlechter Journalismus bei der ARD-Sendung ĂŒber den Eurovision Song Contest 2016

Veröffentlicht: Aktualisiert:
JAMALA
dpa
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Es ist beschÀmend, aber sollte nicht verschwiegen werden ...

Etwa 200 Millionen Zuschauer sahen das Finale des weltgrĂ¶ĂŸten Gesangs-Wettstreits, des Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm. In einem perfekten, großartigen Event wurden die besten Songs aus 26 LĂ€ndern gesucht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunksender ARD ĂŒbertrug am 14. Mai das Finale fĂŒr die deutschen Zuschauer.

Wenn es ein wichtiges Kriterium von QualitÀts-Journalismus ist, dem Leser, Hörer, Zuschauer nicht nur seltsame Bilder und GerÀusche zu bieten, sondern verstÀndliche Nachrichten, dann lieferte diese ARD-Sendung eine Art Totalausfall.

FĂŒr den EmpfĂ€nger und BĂŒrger sind unverstĂ€ndliche Informationen nicht nur Zeitvergeudung, sondern auch Ă€rgerlich - da er dafĂŒr jeden Monat seinen Rundfunk-/Fernseh-Beitrag bezahlt hat oder dieser sogar gepfĂ€ndet wird.

Nur ein Beispiel: Das Siegerlied, die schaurig-melancholische Ballade "1944" ĂŒber Mord, Vertreibung, Menschlichkeit, Seele und Freiheit, eine spĂ€te politische Klage, sang fĂŒr die Ukraine die Krimtatarin Jamala. Sie sang ihre Botschaft in einem krimtatarisch gefĂ€rbten Englisch, teilweise in Ukrainisch.

Wie, sehr geehrte ARD-Fernsehjournalisten, soll ein deutscher Otto-Normal-Zuschauer, der im Ohr und Gehirn die deutsche Sprache gewohnt ist, die wichtige Nachricht dieser Ballade verstehen?

Eine Frage des VerstÀndnisses

Wie soll dieser Zuhörer eine der wichtigsten Botschaften des ESC 2016 mitbekommen, dass sogar aktuell politische Situationen im Lied, von Krieg und Frieden, von Menschlichkeit und Unmenschlichkeit, Vertreibung und Flucht weltweit den Zuschauern und Juroren des Wettstreits gefallen? Und nicht nur ewiges unpolitisches Tingeltangel von Schmerz, Herz und Atemlosigkeit, und Johoho, der ĂŒbliche Dudel-Einheitspop?

Diese wichtige Botschaft des ESC kann durch Journalisten nur dem deutschen Zuschauer direkt vermittelt werden, wenn als kundenfreundlicher Service der Gesangstext auch ins Deutsche ĂŒbersetzt, auf Wunsch zum Lesen angezeigt und dann verstanden werden kann.

Die Journalistenchefs vom ARD können nicht davon ausgehen, dass der Sinn der Ballade in Englisch mit tatarischem Akzent und Text in Ukrainisch gesungen, und oft akustisch gestört, von allen deutschen Hörern verstanden wird.

Schweigen wir von den Schwerhörigen (diese soll es neuerdings auch in Deutschland geben), selbst wenn sie des Englischen mĂ€chtig sind, und schließen sie von einer Teilhabe an diesem weltgrĂ¶ĂŸten Song-Wettstreits aus?

Darf ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk unĂŒberwindbare Sprachbarrieren bieten, schaffen beziehungsweise nicht beseitigen? Wo ist die eigene QualitĂ€tssicherung hinsichtlich des wichtigsten journalistischen QualitĂ€tsmerkmals: VerstĂ€ndlichkeit?

Wo steht, dass sich öffentlich-rechtliche Journalisten so arrogant und hochnĂ€sig gegenĂŒber ihren Hörern und Zuschauer verhalten sollen? Woher nehmen sich die Verantwortlichen das Recht, schwerhörige von der verstĂ€ndlichen Teilhabe an dem Super-Event ESC auszuschließen? Darf die ARD alles?

Die Chefredakteure der ARD können sich auch mal schamvoll an die eigene Nase fassen und ihren Intendanten die RĂŒckzahlung der Rundfunk-BeitrĂ€ge fĂŒr den Mai 2016 fĂŒr diese journalistische Fehlleistung zum ESC 2016 empfehlen

Man kann als anstÀndiger Journalist bei der ARD sich auch schÀmen und diese tÀtige Reue zeigen.

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