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Ende oder Aufbruch eines Autolandes in die Zukunft?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TRAFFIC JAM GERMANY
Michaela Rehle / Reuters
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• Wie es mit der Elektromobilität in Deutschland steht und weitergehen könnte
• Politik und Autoindustrie müssen sich energisch den neuen Herausforderungen stellen
• Visionen und wie man mutig und kreativ eine saubere Mobilitäts-Stadt schafft

Eine Probefahrt in die Zukunft

Traumhaft! Was für ein herrliches Vergnügen!

Ich hab's probiert und bin ein (ausländisches) Elektroauto gefahren. Schon der Start ist erstaunlich: Sie starten nicht ratternd, sondern sie fahren einfach los, leise, ohne Rucken und Gestank. Was Sie dann erleben ist kein Autofahren mehr, sondern Sie schweben und gleiten einfach lautlos durch die Gegend. Es fährt so leise, dass sie einen Hasen am Feldrand bei seinem Liebes-Spiel nicht stören.

Sie werden sanft in den Sessel gedrückt, auf einmal zeigt der Tacho 100 km/h. Ein aufmerksamer Assistent gibt Ihnen Hinweise, wie Sie gefahrloser, sicherer und besser fahren sollten und ein Autopilot steuert mit. Wenn Sie klug bremsen, können Sie den Fahrschwung in Strom umwandeln und den Auto-Akku wieder füllen.

Sie gewinnen Energie zurück, die sie soeben verbraucht haben! Toll! Und der Ölverbrauch, der Verschleiß, die Wartung und Durchsichten sind minimal. Wer einmal einen guten Stromer erlebt hat, wird nie mehr in die Verbrenner-Technik des letzten Jahrhunderts steigen.

Probleme und Hindernisse auf dem Weg

Doch der Traum von einer mühelosen, gesunden Fortbewegung im Alltag, die auch die Umwelt schont, hat heute noch Haken und Macken: Elektro-Autos sind viel zu teuer, ihre Reichweite mit einigen 100 km ungenügend, das Aufladen dauert Stunden, an Schnellladestationen schadet es dem teuren und schweren Akku.

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Kompetenter Service und umweltschonendes Recycling ist Mangelware. Der Akku ist kompliziert gebaut mit elektronischer Steuerung, muss vorsichtig behandelt werden, verträgt schlecht Frost, Hitze und Erschütterungen, kann sogar plötzlich in Brand geraten. Die Gewinnung der Rohstoffe ist umweltbelastend. Das scheinbar saubere E-Auto fährt heute in Deutschland mit der schmutzigen Energie von Kohlekraftwerken.

Deutschland verbrennt seinen Wohlstand

Deutschland hat für das Herzstück seiner Industrie und seines Wohlstandes den technologischen Anschluss verpasst und riskiert damit seinen Wohlstand. Es kann keine attraktiven Elektrofahrzeuge für Jedermann bieten. Ladestationen sind rar. Wenn die Post kleine wendige Transporter braucht, muss sie diese selbst herstellen (lassen).

Wenn städtische Verkehrsbetriebe abgaslose Busse benötigen, müssen Sie diese in Polen kaufen. Erste Länder verbieten schon die schmutzigen PKWs z.B. Norwegen ab 2025. Wohin dann mit dem deutschen Verbrenner-Export? Was dann mit den vielen leider überflüssigen Auto- und Maschinenbauern in Deutschland?

Falsche alte Verkehrskonzepte

Weitere Steine liegen auf dem Weg zu einer mühelosen gesunden Fortbewegung für Alle. Auch das modernste und autonome Elektrofahrzeug kann sich nicht fahren, wenn es im Stau steht und ohne Platz können Sie auch nicht parken. Verbote für Fahrzeuge aller Art sind auch kein zukunftsträchtiger Fortschritt. Die Autoindustrie verkauft immer mehr Autos und sorgt dafür, dass die Städte immer mit mehr mit Abgaserzeugern verstopft werden.

Warten und stehen - statt fahren und transportieren! Steuerung und das Management des Verkehrs sind ungenügend. Die Vision: Bei Bedarf ein Auto anfordern - Movement by Call - ist nicht in Sicht. Auch nicht die bessere zeitgeteilte Nutzung vorhandener Autos mit Timesharing. Sauberer öffentlicher Nahverkehr und das einfachste: sichere Radwege - Fehlanzeige!

Ei des Kolumbus für den alltagstauglichen E-Verkehr?

Ein Schlüssel für alltagstaugliche E-Fahrzeuge, sind standardisierte Akkus und eine intelligentere Auto-Konstruktion. Der Akku-Service, die Wartung, auch das Recycling müssen funktionieren. Nicht mehr den Schwachpunkt, den Akku, fest im Auto verschrauben, sondern standardisierte, handhabbare auswechselbare Energiepakete, sog. Energie-Koffer (power case), kurz POC, könnten das Ei des Kolumbus gesunder E-Mobilität und künftiger Energietechnik werden.

Mit neuem Konzept und High-Tech den Durchbruch schaffen

Am Boden solcher E-Fahrzeuge sind mehrere standardisierte Lade- und Gepäckfächer (mit verdeckten Steckdosen) für POC, z.B. ein 30 l-Fach für einen 15 kWh-POC mit einem Gewicht von 30 kg. Wenn Sie 250 km fahren wollen, mieten Sie (sicher billig) zwei 15 kWh-POCs. Freie Fächer bieten Extra-Platz für Gepäck (s. Skizze).

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Wenn Sie 800 km fahren wollen, leasen Sie 6 POC und füllen 6 Fächer. Der POC-Wechsel und die Wartung erfolgen an Wechselstationen (früher Tankstellen) mit entsprechenden Service-Robotern und dauern nur wenige Minuten, also schneller als das bisherige Benzintanken oder Akkuladen. Sie haben weniger Ärger mit den pflegebedürftigen Akkus, schonen die Umwelt und Ihre Nerven.
Eine solche mobile Energietechnik ist revolutionär.

E-Energiefresser wie Lkw, Busse und Straßenbahnen müssten nur über entsprechend große interne Regale für solche power case verfügen, sogar Oberleitungen werden überflüssig (!). Und vielleicht erzeugen Sie selbst auf dem Dach Ihres Hauses Sonnen-Strom und füllen damit Poc's und bieten sie anderen an.

Nicht ängstlich, sondern einen mutigen Schritt in die Zukunft

Machen wir das Fortbewegen mit einem solchen Auto der Zukunft zu einem gesunden Vergnügen und erholsamen Wohlgefühl und schützen zugleich unsere Lebensgrundlagen und Umwelt.

Machen wir Dresden zu Deutschlands Hauptstadt gesunder unbeschwerter Mobilität, mit besseren Elektrofahrzeugen und intelligentem Verkehrsmanagement.

Schaffen wir mehr Raum für neue Ideen, Initiativen und attraktive zukunftsträchtige Arbeitsplätze!
Schaffen wir damit eine Stadt, in der man noch besser leben kann! Und wie wär's denn in Sachsen mit dem Event eines spannenden Wettrennens der besten Elektrofahrzeuge?

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Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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