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Die Entdeckung einer wunderbaren Einschlafmethode oder werden Sie Millionär!

15/09/2015 14:07 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 11:12 CEST
Jupiterimages via Getty Images

Viele Deutsche beherrschen etwas Wichtiges nicht mehr, was sie zum Überleben in unserer stressigen Zeit brauchen: Einfach einschlafen und gut durchschlafen. Es sollen schon 20 Millionen Schlafgestörte sein. Zahllose Tipps und Tricks, Pillen und Spritzen und Therapien sollen helfen. Doch für die Katz, denn sonst hätten wir in Deutschland nicht die Millionen Schlafgestörte, die davon träumen, mal endlich zu schlafen wie ein Murmeltier oder Bär.

Durch Zufall entdeckte ich eine wunderbare neue Einschlafmethode, und probierte sie erfolgreich am eigenen Leib aus. Und wer das Herz am richtigen Fleck hat und ein Päckchen Geschick dazu, kann damit reich werden, beispielsweise ein Millionär...

Die Entdeckung begann mit einem Besuch bei einem Freund, der den superstressigen Job eines Kriminalkommissars bei der Polizei hatte. Zum seelischen Ausgleich hatte er sich das passende Hobby zugelegt: Die Zucht stets gesetzestreuer, friedlicher und wunderschöner Papageien. Unser Besuch begann mit einer Besichtigung seiner Volieren und der Bewunderung seiner neuesten Zuchterfolge, die auf Kletterstangen hin und her schaukelten, uns beäugten und an uns knabbern wollten.

Unser Schlafquartier hatten wir im Wohnzimmer bezogen. Im Anreisestress hatten wir natürlich unsere Schlaftabletten und das Fläschchen mit dem Baldrian- Melissen-Schnaps vergessen. In der zweiten Nacht konnte ich nicht einschlafen, ich lag wach und zählte im Schlaf 100 Schafe, ohne dass es weniger wurden oder welche verschwanden, und ich fing wieder von vorne an. Dann bohrte ich zur Abwechslung meine Blicke in die Dunkelheit und spitzte meine Ohren, doch ich sah und hörte nichts.

Meine Frau schlief auch nicht und so lauschten wir gemeinsam angespannt auf Geräusche im stockdunklen Wohn-Schlafzimmer und wurden nicht immer müder, sondern immer munterer. Auf einmal stockte uns der Atem, wir beide vernahmen ein bekanntes, wunderbares, ruhiges und gleichmäßiges Schnarchen. Unglaublich, es glich unserem! Das konnte nicht von uns stammen, denn wir waren ja putzmunter und nicht im Schlafzustand.

Es musste sich also ein Dritter unbemerkt hereingeschlichen haben, vielleicht ein Kunde des Mordkommissars und schlief und schnarchte irgendwo dicht neben uns vor sich hin. Welche Frechheit! Und ahmte unser persönliches Schnarchen nach! Meine Frau konnte ihren Aufschrei im letzten Moment noch unterdrücken...

Zu allem entschlossen erhöhte ich meinen Adrenalinspiegel, stieg vorsichtig vom Sofa, bewegte mich als Kundschafter im Kriechgang auf allen Vieren, täppisch wie ein Salamander, durch das ungewohnte Möbelrevier. Nach etlichen Zusammenstößen mit Stuhl- und Tischbeinen, Schrank- und Kommodenecken und der frisch gefüllten Blumenbank, die ich fast zum Umsturz brachte, musste der unsichtbare Einbrecher gewarnt sein, doch er schnarchte auf unsere Art weiter - nach einer kurzen Verschnaufpause.

Ja, da, auf einmal war ich dicht unter dem Schnarcher. Kein Zweifel! Da, an der Decke über mir hing der Übeltäter. Ich erhob mich vorsichtig und fühlte einen Vogelkäfig. Und darin schnarchte ein wunderschöner und putzmunterer Papagei so herzergreifend, wie es nur meine Frau und ich gemeinsam konnten. Doch dieses Schnarch-Duett lieferte der Papagei ganz solo.

Dieses vertraute ruhige Geräusch hatte auf mich eine hypnotische Wirkung. Es war ein wundervolles Schlafmittel. Ich schlief zu Fuß des Papageis ein und verbrachte darunter dort die Nacht in unbequemer Gebetshaltung, ohne es zu merken. Der Vorteil war, ich hatte mir so den mühsamen Rückzug aufs Sofa im Salamandergang erspart.

Die nächste Nacht in Gegenwart des gefiederten Schnarch-Musik-Produzenten hatten wir keinerlei Schlafprobleme mehr, wir legten uns auf die Schlafcouch und freuten uns auf die Einschlafklänge des Papageis. Schon bald erklang das vertraute Schnarchduett von uns selbst aus dem Vogelkäfig, uns blieb nichts weiter übrig, und wir schlummerten glücklich ein.

Sie können es mir glauben: Nichts beruhigt so sehr und fördert den Schlaf mehr als das geliebte eigene und vertraute Schnarch- und Schlaf-Geräusch!

Wenn ich ein Student mit Unternehmergeist wäre, würde ich aus dieser Erfahrung eine neue wunderbare Einschlafmaschine entwickeln, auf den Weltmarkt bringen und damit Millionär werden. Diese Einschlafmaschine stelle ich mir als eine Art Handy mit einer Einschlaf-App vor, die zunächst einmal die ruhigen eigenen Schlaf- und Schnarchlaute aufnimmt, speichert und nach dem Zubettgehen durch Einschalten wieder abspielt.

Das Handy sollte sich später selbst abschalten, wenn es als Echo Schnarchlaute aus dem Bett hört und es der Maschine nicht zu langweilig wird, und so Strom sparen will. Diese Computermaschine simuliert den lebendigen freundlichen Papagei.

Einen riesiger Weltmarkt Schlafgestörter lauert auf diese Maschine: Geschnarcht wird weltweit und auf ähnliche Art und Weise und - welch ein Vorteil - in allen Sprachen der Welt.

Ich beende diesen Blog - wie es sich gehört - und einem Mut machenden unechten Reim:

Einmal zu werden Millionär,

ist wirklich nicht so schwer!

P.S. Technischer Hinweis für werdende Millionäre:

Heutige Handys und Telefone schneiden leider die entscheidenden hohen Obertöne vom Schnarchgeräusch weg (Weshalb auch die Verständlichkeit mancher Töne, Silben und Sprecher über Telefon so schlecht ist, was die schon bestehende Verwirrung unter kommunizierenden Menschen steigert). Was gerade das Schnarchen zum Schnarchen macht, verschwindet bei der heutigen Technik. Wenn Sie beispielsweise Ihrem Tierarzt das verdächtige Schnarchen Ihres Hundes oder Ihrer Katze per Handy übermitteln möchten, so gelingt das nur verstümmelt und entstellt.

Warnhinweis für Nachahmer und Vogelfreunde:

Ein Zusammenleben mit einem Papagei im Schlafzimmer als Schlafmittel sollte man nicht probieren, es könnte die unerwünschte Nebenwirkungen haben: Sie bekommen die Papageienkrankheit, was mit jedoch mit dem Einschlaf-Handy nicht der Fall ist.

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