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Der unsichtbare Einbrecher - ein kurioser Kurzkrimi aus dem Alltag

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INDIAN CANCER
nandyphotos via Getty Images
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Unglaublich, was so alles passiert. Tatsache!

Wasser ist Lebenselixier, Wasser gibt es überall und immer häufiger und heftiger. Deshalb ist auch diese unglaubliche Geschichte vom unsichtbaren Einbrecher auch für Sie wichtig und interessant. Denn es kann auch Ihnen passieren...

Familie Meier kehrte aus ihren erholsamen Urlaub in ihre Wohnung zurück, wollte ihre Koffer auspacken und ins Schlafzimmer gehen. Frau Meier möchte die Tür zum Schlafzimmer öffnen, doch sie lässt sich nicht öffnen. Sie ruft ihren Mann zu Hilfe. Dieser versucht die Tür zu öffnen - doch die Tür blieb fest verschlossen. Als die Meiers in Urlaub fuhren, hatten sie die Tür zum Schlafzimmer nicht verschlossen. Wer hatte also die Tür während ihrer Abwesenheit in der Wohnung verschlossen? Wer war heimlich in die Wohnung eingedrungen?

Herr Maier versuchte mit einem kräftigen Druck die Tür gewaltsam zu öffnen. Doch die Tür gab nicht nach... Was in dem Schlafzimmer los war, wer vielleicht in den Betten lag, ließ sich auch nicht durch das Schlüsselloch erkennen - denn es war stockdunkel im Zimmer.

Nach diesem ersten Schreck legte Familie Meier eine Verschnaufpause ein, überlegte und beriet sich. Wie konnte jemand in die verschlossene Wohnung eindringen und das Schlafzimmer von innen versperren und wer weiß, was der unsichtbare Einbrecher sonst noch angestellt hatte!

„Ich hab's", rief Herr Meier, "Ich hole die lange Leiter und schaue von außen ins Schlafzimmer und sehe den Täter bei seinen Untaten!" Und er stürzte los, fand im Keller die Leiter und stellte sie an die Hauswand. Doch die Leiter war zu kurz...

Mittlerweile war die Nacht hereingebrochen. Herr Meier schnappte die Leiter und trug sie zu einer Linde vor dem Haus. Beim Anlegen knackte das Geäst. Herr Meier versuchte durch das Laub in sein Schlafzimmer zu blicken. Doch der Einbrecher blieb weiter unsichtbar.

Nach dieser erfolglosen Tätersuche ging er wieder zurück in die Wohnung und versuchte diesmal mit grober Gewalt die Schlafzimmertür zu öffnen. Sie ruckte und gab einen Finger breit nach. Mit weiterer Körperkraft gab die Tür wieder einen Finger nach. Jetzt konnte er hinein fassen,und er versuchte, die Tür aus den Angeln zu heben. Beim dritten Mal gelang es.
Die Meiers traten in das Schlafzimmer, schalteten das Licht an. Die Betten waren unberührt, ein Einbrecher nicht zu sehen.

Frau Meier mit ihrer feinen Nase schnüffelte umher und roch Fremdes. Sie folgte dem Geruch und ging auf die Knie. Über dem Teppich roch es ungewöhnlich und scharf. Als Frau Meier wieder aufstand, hatte sie auf Ihrer weißen Urlaubshose an den Knien schmutzige feuchte Flecken. Es lag am Teppich. Dieser war verfärbt und feucht. - Welche verflixte Person war in ihrer Abwesenheit ins Schlafzimmer eingedrungen und hatte dort Farbe ausgegossen? Unglaublich! Sie überprüfte die Fenster. Die Fenster waren verschlossen und Meiers hatten sie also nicht versehentlich offen gelassen.

Familie Meier legte eine Verschnauf- und Denkpause ein. Die graue Farbe konnte nicht von unten aufgestiegen sein, sie kam auch nicht von oben durch die Decke. Sie floss auch nicht durch die verschlossene Tür oder das verschlossene Fenster. Deshalb muss sie, so folgerte Herr Meier, durch die Wände eingedrungen sein.

Und er machte sich auf die Suche nach dem Beweis. Und tatsächlich fand er in Kniehöhe, auf der Tapete neben dem Kleiderschrank, eine verdächtige Schmutzspur, die nach unten lief. Und er beäugte sie genauer. Als Farbquelle kam sie nicht in Frage, dazu war sie zu klein.

Plötzlich hatte er einen Einfall, und er griff, soweit er konnte, hinter den Schrank. Dort tastete er im Unsichtbaren, und tatsächlich, er fühlte einen Schlitz in der Tapete und dann ein Loch in der Wand. Jemand musste von außen die Wand zum Schlafzimmer angebohrt und da hindurch Farbe ins Zimmer gegossen haben.

Auf der Gegenseite der Wand, im Treppenhaus, entdeckte Herr Meier mehrere Bohrlöcher. Diese stammten von Handwerkern, die einen Aufzug außen an das Haus anbauten. Die Kernbohrungen in dem Beton der Wände erfolgten durch Bohrautomaten, die mit Leitungswasser gekühlt wurden. Das war's! Die eingeschlossene Farbe war wohl Bohrstaub vermischt mit Leitungswasser, es war Bohrschlamm. Der unsichtbare Täter und die Ursache waren damit ermittelt.

Doch wer ist für den Schaden, den Ärger und die Wiedergutmachung verantwortlich? Der Vermieter der Wohnung, die Haftpflichtversicherung der Handwerker, die eigene Hausratsversicherung? Alle erhielten von Familie Meier den Schaden aufgelistet und fotografiert. Doch wie das so ist: Keiner wollte bezahlen und den Schaden wieder gutmachen, natürlich auch nicht die notleidenden Versicherungen.

Und wenn die Meiers diesen Streit über viele Jahre überlebt und nicht vor Ärger gestorben sind, dann leben sie heute noch und erinnern schmunzelnd an die kuriose Geschichte mit dem unsichtbaren Einbrecher in ihrer Wohnung.

Tatsache! So spannend ist das Leben...

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