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Der Höllenhund vor der Herzklinik

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Der geliebte Familienhund hatte sich bei einer Katzenjagd zu einer Herzklinik verlaufen
• Dort wartete er und verkam immer mehr zu einem stinkenden „Höllenhund"
• Doch endlich gab's ein dramatisches Wiedersehen mit seinem Frauchen.

Birgit war mal kurz geschäftlich unterwegs. Als sie zurückkehrte, wurde sie nicht - wie sonst - von ihrem reinrassigen Deutschen Schäferhund, einem Rüden von 7 Jahren, freundlich begrüßt mit wedelnden Schwanz, strahlenden Hundeaugen hinter der pechschwarzen Nase und unter den wachen Stehohren. Ihr schwarzbrauner treuer Begleiter, ihr aufmerksamer und charakterstarker Wächter und Beschützer, ihr immer freundliches ausgeglichenes Familienmitglied war weg. „Wo war nur Rudi, mein Herz mit vier Pfoten geblieben?", dachte sie, „der in unseren unsicheren Zeiten so sicheren Schutz bot. Wo war nur unser Rudi, den wir so lieben und der uns so liebt?"

Schreck lass nach!
„Oh, je!" Rudi war weg. „Das darf doch nicht wahr sein! Was ist nur mit unserem Herz mit den vier Pfoten passiert?" Sie wusste es nicht und sollte es auch nicht so bald erfahren.
Birgit begann Rudi zu suchen. Zuerst an seinen vier Lieblingsplätzen im Haus, Hof und Garten. Dann rief sie ihn - Rudi kam nicht. Birgit geriet in Panik. Wie soll sie nur ohne ihren charakterstarken Beschützer leben, wo es heutzutage so wenig Charakterstärke gibt? Wie sollte sie nur ohne Rudi weiterleben? Birgit ging auf die Straße, suchte, fragte Passanten. Rudi war und blieb verschwunden - ohne ein Lebenszeichen.
Hat ihm vielleicht ein Hundefänger - Rudi bot viel Muskelfleisch - gefangen und zu Hunde-Hackepeter verarbeitet? Entsetzlich! Birgit erschauerte. - Die Erde hatte Rudi verschluckt und gab ihn nicht wieder her.

Was sie nicht wusste...
Birgit wusste aber in diesem Moment nicht, was Sie jetzt gleich wissen werden: Rudi besaß einen starken Jagd- und Beutetrieb, der sich auf Katzen konzentrierte. Als Birgit unterwegs war, hatten sich einige Katzen auf das Grundstück gewagt. Rudi packte der Jagdtrieb. Er verjagte die Störenfriede zum Nachbarn und auf die Straße und immer hinterher. Doch die Katzen waren beweglicher und schneller, er bekam keine zu packen. In seinem Jagdfieber hatte er die Spur verloren, wusste und roch nicht mehr, wie er in sein Revier zurückkehren sollte. Doch zufällig fand er eine Riechspur, es war seine eigene, und die führte in eine entfernte Herzklinik. Rudi folgte dem Weg, den er früher mit Birgit oft gegangen war, als sie gemeinsam ihren kranken Vater in der Herzklinik besuchten.

Wie er zum Höllenhund wurde

Rudi fand die Klinik, postierte sich wie gewohnt neben dem Eingang auf und wartete dort. Er wartete und ließ sich nicht von seinem Platz verjagen. Er hungerte und verdurstete bald neben der Eingangspforte, bekam ein gottserbärmliches Hundeaussehen. Eine junge Krankenschwester erbarmte sich und brachte ihm einen Napf zum Trinken. Und weil Rudi sie so bettelnd und mit verdrehten Augen ansah, holte sie auch noch ihr Frühstück, das Rudi gierig verschlang.
Rudi wartete vor der Klinik bei Regen und Sonnenschein und manchmal auch sogar in der Schlammpfütze neben dem Eingang. Nach einigen Tagen sah Rudi völlig verwahrlost aus und (pardon) er stank wie die Pest - aus dem Maul und seinem ungepflegten Fell. Die Klinikleute nannten ihn deshalb „Höllenhund". Der Klinikchef hatte die Vertreibung des Hundes angeordnet - ein Höllenhund am Eingang zu seiner Klinik sei keine Einladung zu einer tollen Therapie in seinem Haus. Doch der intelligente Rudi kehrte immer in unbeobachteten Momenten wieder an seinen Stammplatz zurück.
Ohne ihren Rudi war Birgit mittlerweile trübsinnig geworden. Doch von Rudi vor der Herzklinik hatte sie immer noch nichts gehört.

Überraschende Begegnung
Eines Tages wollte sie den Schwestern in der Herzklinik, die ihren Vater so gut betreut hatten, ein Dankeschön vorbeibringen: ein großes Päckchen besten Kaffees. Und Birgit machte sich auf den Weg.
Kurz vor der Klinik kam ihr plötzlich ein schwarzbrauner großer Hund entgegengerannt, ein schmutziges, verdrecktes, aus Mund und Fell fürchterlich stinkendes felliges Ungeheuer, es sprang an ihr hoch, umarmte sie fest mit seinen Schlammpfoten, leckte und schleckte sie ab. Kein Zweifel: Es war Rudi. Die Freude des unerwarteten Wiedersehens mit Rudi zerrissen ihr das Herz. Sie bekam einen kleinen Herz-und Ohnmachtsanfall und fiel mit dem Hund in die Schlammlake am Eingang zur Klinik.
Medizinische Hilfe aus der Klinik kam schnell. Und der Klinikchef war froh, dass endlich der stinkende Höllenhund vor seiner Klinik wegkam. Und dann freuten sich auch die Krankenschwestern über das Geschenk Ihrer dankbaren Patientin.

Hundeparty ohne Katze?
Ich traf Birgit mit ihrem verwahrlosten Rudi an der Seite und fragte sie: „Was nun?"
Sie meinte: „Als erstes werde ich meine Rudi von seinem äußeren und Maulgestank und Dreck befreien."
„Und dann?"
„Dann lade ich ein zu einer Wiedersehens-Party, auch mit seinem kleinen Freund aus dem Nebenhaus, einem kleinen weißen Pudel."
„Und was gibt's?" wollte ich wissen.
„Als Vorspeise: kristallklares Wasser. Als erster Hauptgang: eine Wiener Wurst in Stückchen geschnitten. Als Hauptgang eine Thüringer Knackwurst, auch zerschnitten. Und als Dessert würzigen duftigen Bergkäse direkt von der Alm!"
„Noch etwas?"
„Nach dem Empfangsdinner gibt's fröhliche Sportspiele für Hund und Mensch mit Knochen und Bällen und leckeren Preisen."
Birgit konnte an meinen Augen ablesen:
„Dir läuft wohl das Wasser im Munde zusammen? Du möchtest gern dabei sein auf meiner Wiedersehensparty mit den Höllenhund?"

Ob sich auch freche Katzen aus der Nachbarschaft zu der Party gesellten, konnte ich bisher nicht ermitteln.