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Das fröhliche Kinderfest, das beinah tragisch endete, und vom Verlieren

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SCHULE
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Das wäre fast bös ins Auge gegangen, hätte es nicht Frau Meier gegeben...

Doch schön der Reihe nach:
Die Grundschule hatte am 1. Juni ihre Schüler zum Kinder-Sportfest eingeladen. Alle waren erschienen, sogar diejenigen, die nicht gern zur Schule gingen und den Schulsport auch nicht mochten. Für die erste Klasse mit den Schülern verschiedener Hautfarbe und Herkunft war es das erste Schul-Sportfest.

Als vorletzten Wettkampf gab's Weitspringen. Immer paarweise rannten die Kinder, sprangen dann in die Sandgrube. Manche von den Dreikäsehochs sprangen perfekt wie angehende Olympiasieger, andere wussten nicht, dass es beim Weitspringen auf das „Weit-springen" ankommt und rannten einfach nur über die Sprunglinie und warfen sich mit Hallo in den Sand. Andere vermieden den gefährlichen Absprung und die Sandgrube und verdrückten sich vor dem Absprung seitwärts in die Büsche.

Nachdem jeder Schüler 5mal gesprungen, gehüpft oder sich verdrückt hatte, versammelten sich alle zum Höhepunkt auf dem kleinen Fußballfeld für ein Spiel für alle. Das Spiel nannte sich "Merk mich". Doch das fröhliche Fangspiel hatte fast dramatische Folgen.

Die Klassenlehrerin, Frau Meier (Name geändert), rief alle 24 Schüler zusammen, erklärte das Spiel, bei dem es darum ging, mit dem Ball einen anderen Schüler zu verfolgen und ihn mit dem Ball zu treffen oder „abzuschießen". Der Getroffene schied dann aus dem weiteren Spiel aus und musste sich an den Rand des Spielfeldes stellen.

Nach viel Gerenne und Geschrei blieben auf dem Spielfeld immer weniger Kinder. Und am Ende blieb nur noch der Meisterschütze übrig, die andern schrien, jubelten und klatschten ihm Beifall.

Das Spiel war zu Ende. Frau Meier rief alle zu sich und zählte durch. Und zählte noch einmal durch: Zwei Schüler fehlten. „Oh Gott", ging es ihr durch den Kopf, „das erste Schulfest mit zwei verlorenen Schülern...!"

Frau Meier begann aufgeregt ihre Suchaktion rund ums Spielfeld. Doch die beiden Schüler waren wie vom Erdboden verschluckt.

Frau Meier durchsuchte die angrenzenden Büsche und lief den Zaun entlang.
Und endlich fand sie die verlorenen Kinder, zuerst das Mädchen, das einsam und ganz in sich zusammengekauert am Zaun hockte und (pardon) Rotz und Wasser heulte. Auf die Frage von Frau Meier, ob ihr etwas fehle, antwortete sie mit einem lauten Schluchzen. Schließlich äußerte das Mädchen, dass sie im Spiel abgeschossen wurde und deshalb jetzt sterben müsse. Und zwar jetzt gleich.

Frau Meier sprach ihr Mut zu und vermittelte ihr neue Zuversicht, „Das nächste Mal lässt du dich nicht abschießen!", nahm sie an die Hand, richtete sie auf und begab sich etwas erleichtert auf die Suche nach den noch fehlenden Jungen.

In der Nähe hockte er zusammengekauert an einem Zaun, stierte verbissen vor sich hin, wollte nichts sagen. Nach geduldigem Zureden erklärte er, er sei im Spiel abgeschossen worden. Jetzt bleibe er hier, die ganze Nacht und das ganze weitere Leben und gehe nicht mehr fort von hier. Basta!

Frau Meier richtete und munterte ihn auf: „Das nächste Mal wirst du nicht abgeschossen, sondern Du wirst andere abschießen!", nahm ihn froh an die Hand, richtete ihn auf. Und führte die beiden Kinder zurück ins normale Leben und zu den anderen, die geduldig gewartet hatten.

Ja, auch Verlieren im Leben muss erst gelernt und geübt werden!

Liebe Frau Meier, Sie haben umsichtig und verständnisvoll das tragische Ende mit dem Verschwinden zweier Schüler, eine kleine Katastrophe für die Eltern, einen Extra-Einsatz von Polizei und Feuerwehr verhindert. Sie haben den Schülern beigebracht, dass ein verlorenes Spiel kein verlorenes Leben ist.

Schönsten Dank!

Das wäre fast bös ins Auge gegangen, hätte es nicht Frau Meier gegeben...

Doch schön der Reihe nach:
Die Grundschule hatte am 1. Juni ihre Schüler zum Kinder-Sportfest eingeladen. Alle waren erschienen, sogar diejenigen, die nicht gern zur Schule gingen und den Schulsport auch nicht mochten. Für die erste Klasse mit den Schülern verschiedener Hautfarbe und Herkunft war es das erste Schul-Sportfest.

Als vorletzten Wettkampf gab's Weitspringen. Immer paarweise rannten die Kinder, sprangen dann in die Sandgrube. Manche von den Dreikäsehochs sprangen perfekt wie angehende Olympiasieger, andere wussten nicht, dass es beim Weitspringen auf das „Weit-springen" ankommt und rannten einfach nur über die Sprunglinie und warfen sich mit Hallo in den Sand. Andere vermieden den gefährlichen Absprung und die Sandgrube und verdrückten sich vor dem Absprung seitwärts in die Büsche.

Nachdem jeder Schüler 5mal gesprungen, gehüpft oder sich verdrückt hatte, versammelten sich alle zum Höhepunkt auf dem kleinen Fußballfeld für ein Spiel für alle. Das Spiel nannte sich "Merk mich". Doch das fröhliche Fangspiel hatte fast dramatische Folgen.

Die Klassenlehrerin, Frau Meier (Name geändert), rief alle 24 Schüler zusammen, erklärte das Spiel, bei dem es darum ging, mit dem Ball einen anderen Schüler zu verfolgen und ihn mit dem Ball zu treffen oder „abzuschießen". Der Getroffene schied dann aus dem weiteren Spiel aus und musste sich an den Rand des Spielfeldes stellen.
Nach viel Gerenne und Geschrei blieben auf dem Spielfeld immer weniger Kinder. Und am Ende blieb nur noch der Meisterschütze übrig, die andern schrien, jubelten und klatschten ihm Beifall.

Das Spiel war zu Ende. Frau Meier rief alle zu sich und zählte durch. Und zählte noch einmal durch: Zwei Schüler fehlten. „Oh Gott", ging es ihr durch den Kopf, „das erste Schulfest mit zwei verlorenen Schülern...!"

Frau Meier begann aufgeregt ihre Suchaktion rund ums Spielfeld. Doch die beiden Schüler waren wie vom Erdboden verschluckt.

Frau Meier durchsuchte die angrenzenden Büsche und lief den Zaun entlang.
Und endlich fand sie die verlorenen Kinder, zuerst das Mädchen, das einsam und ganz in sich zusammengekauert am Zaun hockte und (pardon) Rotz und Wasser heulte. Auf die Frage von Frau Meier, ob ihr etwas fehle, antwortete sie mit einem lauten Schluchzen. Schließlich äußerte das Mädchen, dass sie im Spiel abgeschossen wurde und deshalb jetzt sterben müsse. Und zwar jetzt gleich.

Frau Meier sprach ihr Mut zu und vermittelte ihr neue Zuversicht, „Das nächste Mal lässt du dich nicht abschießen!", nahm sie an die Hand, richtete sie auf und begab sich etwas erleichtert auf die Suche nach den noch fehlenden Jungen.

In der Nähe hockte er zusammengekauert an einem Zaun, stierte verbissen vor sich hin, wollte nichts sagen. Nach geduldigem Zureden erklärte er, er sei im Spiel abgeschossen worden. Jetzt bleibe er hier, die ganze Nacht und das ganze weitere Leben und gehe nicht mehr fort von hier. Basta!
Frau Meier richtete und munterte ihn auf: „Das nächste Mal wirst du nicht abgeschossen, sondern Du wirst andere abschießen!", nahm ihn froh an die Hand, richtete ihn auf. Und führte die beiden Kinder zurück ins normale Leben und zu den anderen, die geduldig gewartet hatten.

Ja, auch Verlieren im Leben muss erst gelernt und geübt werden!

Liebe Frau Meier, Sie haben umsichtig und verständnisvoll das tragische Ende mit dem Verschwinden zweier Schüler, eine kleine Katastrophe für die Eltern, einen Extra-Einsatz von Polizei und Feuerwehr verhindert. Sie haben den Schülern beigebracht, dass ein verlorenes Spiel kein verlorenes Leben ist.

Schönsten Dank!

Das wäre fast bös ins Auge gegangen, hätte es nicht Frau Meier gegeben...

Doch schön der Reihe nach:
Die Grundschule hatte am 1. Juni ihre Schüler zum Kinder-Sportfest eingeladen. Alle waren erschienen, sogar diejenigen, die nicht gern zur Schule gingen und den Schulsport auch nicht mochten. Für die erste Klasse mit den Schülern verschiedener Hautfarbe und Herkunft war es das erste Schul-Sportfest.

Als vorletzten Wettkampf gab's Weitspringen. Immer paarweise rannten die Kinder, sprangen dann in die Sandgrube. Manche von den Dreikäsehochs sprangen perfekt wie angehende Olympiasieger, andere wussten nicht, dass es beim Weitspringen auf das „Weit-springen" ankommt und rannten einfach nur über die Sprunglinie und warfen sich mit Hallo in den Sand. Andere vermieden den gefährlichen Absprung und die Sandgrube und verdrückten sich vor dem Absprung seitwärts in die Büsche.

Nachdem jeder Schüler 5mal gesprungen, gehüpft oder sich verdrückt hatte, versammelten sich alle zum Höhepunkt auf dem kleinen Fußballfeld für ein Spiel für alle. Das Spiel nannte sich "Merk mich". Doch das fröhliche Fangspiel hatte fast dramatische Folgen.

Die Klassenlehrerin, Frau Meier (Name geändert), rief alle 24 Schüler zusammen, erklärte das Spiel, bei dem es darum ging, mit dem Ball einen anderen Schüler zu verfolgen und ihn mit dem Ball zu treffen oder „abzuschießen". Der Getroffene schied dann aus dem weiteren Spiel aus und musste sich an den Rand des Spielfeldes stellen.

Nach viel Gerenne und Geschrei blieben auf dem Spielfeld immer weniger Kinder. Und am Ende blieb nur noch der Meisterschütze übrig, die andern schrien, jubelten und klatschten ihm Beifall.

Das Spiel war zu Ende. Frau Meier rief alle zu sich und zählte durch. Und zählte noch einmal durch: Zwei Schüler fehlten. „Oh Gott", ging es ihr durch den Kopf, „das erste Schulfest mit zwei verlorenen Schülern...!"

Frau Meier begann aufgeregt ihre Suchaktion rund ums Spielfeld. Doch die beiden Schüler waren wie vom Erdboden verschluckt.

Frau Meier durchsuchte die angrenzenden Büsche und lief den Zaun entlang.
Und endlich fand sie die verlorenen Kinder, zuerst das Mädchen, das einsam und ganz in sich zusammengekauert am Zaun hockte und (pardon) Rotz und Wasser heulte. Auf die Frage von Frau Meier, ob ihr etwas fehle, antwortete sie mit einem lauten Schluchzen. Schließlich äußerte das Mädchen, dass sie im Spiel abgeschossen wurde und deshalb jetzt sterben müsse. Und zwar jetzt gleich.

Frau Meier sprach ihr Mut zu und vermittelte ihr neue Zuversicht, „Das nächste Mal lässt du dich nicht abschießen!", nahm sie an die Hand, richtete sie auf und begab sich etwas erleichtert auf die Suche nach den noch fehlenden Jungen.

In der Nähe hockte er zusammengekauert an einem Zaun, stierte verbissen vor sich hin, wollte nichts sagen. Nach geduldigem Zureden erklärte er, er sei im Spiel abgeschossen worden. Jetzt bleibe er hier, die ganze Nacht und das ganze weitere Leben und gehe nicht mehr fort von hier. Basta!

Frau Meier richtete und munterte ihn auf: „Das nächste Mal wirst du nicht abgeschossen, sondern Du wirst andere abschießen!", nahm ihn froh an die Hand, richtete ihn auf. Und führte die beiden Kinder zurück ins normale Leben und zu den anderen, die geduldig gewartet hatten.

Ja, auch Verlieren im Leben muss erst gelernt und geübt werden!

Liebe Frau Meier, Sie haben umsichtig und verständnisvoll das tragische Ende mit dem Verschwinden zweier Schüler, eine kleine Katastrophe für die Eltern, einen Extra-Einsatz von Polizei und Feuerwehr verhindert. Sie haben den Schülern beigebracht, dass ein verlorenes Spiel kein verlorenes Leben ist.

Schönsten Dank!

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