Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Dr.-Ing. habil. Gerhard Saeltzer Headshot

Aus Dresden : Fanpost an David Garrett und seltene Glücksmomente

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Lieber David,
was ich da in Dresden erlebte war schon aufregend, erstaunlich und umwerfend. Du konntest es nicht bemerken, weil Du auf Dein Geigenspiel konzentriert warst. Du hättest es nur erleben können, wenn Du auch Dein eigener Zuschauer und Zuhörer gewesen wärst. Das ist jedoch unmöglich. - Doch mein Erlebnis kann auch andere interessieren und für sie wichtig sein.
Es geschah am Fest zum Tag der Deutschen Einheit, am Vortag, am 2.10.2016. Auf dem Theaterplatz vor der Semperoper in Dresden veranstalte das ZDF eine große Show mit den Puhdys, Carat, Chris de Burgh, den Prinzen und dem Stargeiger David Garrett. Eine riesige bunte Menschenmenge hatte sich versammelt. Meine Frau und ich hatten uns mühsam nach vorne gedrängelt, um endlich den Stars mal etwas näher zu sein.
Und dann trat dieser nette sympathische, frische junge Mann auf, David Garrett, der Zaubergeiger mit seiner Wundergeige, herzlich und mit Beifall begrüßt. Die Menschen in der Nähe der Laufbühne rückten zusammen, um ihm noch näher zu sein. Nach ein paar freundlichen Worten an das Publikum griff der Wundergeiger zu seinem Geigenbogen und spielte das fantastische Stück „Air" von Johann Sebastian Bach (aus der 3. Suite für Orchester (D-Dur; BWV 1068), 2. Satz).
David spielte wunderbar, faszinierte die Zuhörer, riss Sie mit in die zauberhafte Klangwelt Bachs. Auch ich ließ kein Auge und kein Ohr von ihm. Und dann passierte mir etwas, was Jahrzehnte nicht passiert war. Ich bin wirklich kein Weichei oder eine Heulsuse, sondern ein ziemlich hart verpackter Bursch', den nichts so schnell um- und ins Wasser wirft. Doch bei einer diesen wunderbaren Sphärenklängen kamen mir urplötzlich die Tränen. Sie kullerten und kullerten. Ich heulte wie ein Schlosshund, so hatte David mein Herz und meine Seele getroffen. Ich wandte mich meiner Frau zu und zeigte ihr wortlos die Tränen, die über meine Wangen und das Kinn auf mein Jackett liefen und dort feuchte Spuren hinterließen.
Etwas Sensationelles war passiert. Ich leide - wie viele andere Zeitgenossen - an trockenen roten Augen (medizinisch: SIcca-Syndrom), die oft unangenehm brennen und jucken. Die schlechte Luft in der Stadt, die vielen VW-Diesel-Abgas-Stinker, tragen dazu bei, die Arbeit am Bildschirm, das langweilige Fernsehen und die trockene Luft in unseren Steinhäusern oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Davids Musik hatte etwas vollbracht, was keinem Augenarzt oder Apotheker bei mir bisher gelang, mit eigener Kraft, aus eigenen Tränendrüsen die Augen gründlich durchzuspülen, herrlich zu reinigen und zu befeuchten. Wunderbar! Eine Wohltat dieses Tränenschubs der Freude und des Glücks.
Lieber David, Deine Zauberklänge aus Deiner Wundergeige, war die beste und wirksamste Augentherapie! Sie öffneten Schleusen an Tränen für rote Augen. Herzlichen Dank für Dein medizinisches Zauberstück!
Doch die Zauberklänge aus Deiner Geige hatten auch ganz andere und ungeahnte Wirkungen. In dem Gedränge neben uns war plötzlich einen Frau aufgetaucht, zu Ehren Davids und vielleicht auch des Nationalfeiertages mit einem Schal drapiert aus einer Art Tigerfell.
Lieber David, jetzt traten noch weitere Wirkungen auf, die Sie während Ihres Spiels nie selbst beobachten konnten.
Diese Tigerdame in den besten Jahren konnte ihre innere Erregung nicht bändigen und platzte damit heraus, dicht neben mir, und blies mir ihre Ergüsse ins Ohr. Sie begann so:
„Wie frisch und gut und wie jung David aussieht!". Damit hatte die Dame zweifellos Recht, sie fuhr fort:
„Wie ein Engel!". Ich wusste nicht, dass Engel männlichen Geschlechts sind und einen lockeren braunen Bart tragen - wie David.
Die Dame hatte sich nun an ihren eigenen Worten erwärmt und kam in Fahrt:
„Ja, wie ein richtiger Engel sieht er aus!". Ich blickte zu David, vermisste aber seine Engelflügel zum Abheben.
Doch die Dame geriet immer mehr in Schwung und hob schließlich ab:
„Nein, wie ein göttlicher Engel!" Ich suchte vorn bei David nach dem Heiligenschein - ohne Erfolg.
„Wie von Gott gemacht und zu uns geschickt!" Ich blickte gen Himmel, doch dort zeigte sich kein göttlicher glücksbringender Absender.
Nach all diesen Seelenergüssen, diesem Überschwang der Begeisterung und Gefühle, ihrer Ekstase entfernte ich mich verschämt von der Frau. Ich wollte nicht von anderen mit der Verzückten in Verbindung gebracht werden. Diese Dame hatte sich nur ein Loch in den Bauch gefreut und gebrannt.
Als David zu Ende gespielt hatte und rundumher der Beifall einsetze, war die Frau verschwunden. Vielleicht war sie auf dem Weg zu David, um - wie der Ansager der Show von Vorfällen berichtet hatte - ihren Schlüpfer und BH bei ihm abzuliefern. Oder war sie vor Verzückung einfach umgefallen und im dichten Gedränge verschwunden. Oder einfach wie ein Engel in den Himmelt aufgestiegen. Wer weiß...
Lieber David, so beglückt, so verzückt und in den Himmel auf Wolke Sieben geschickt hatte Dein Spiel diese unbekannte Dame im Tigerfell. Jetzt weißt Du, was auch so im Publikum alles passiert, während Du Deine Wundergeige so wundervoll spielst.
Für mich selbst fasste ich den Entschluss: Wenn Du wieder einmal nach Dresden kommst, werde ich zuvor meine Augenärztin aufsuchen, und für meine trockenen Augen um das wundersame Rezept, eine Eintrittskarte zu Deinem Konzert bitten. Dank Deiner himmlischen Musik bewirkt es auch eine wunderbare Augenspülung,
Lieber David Garrett, komm, spiele und heile uns!