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Bevölkerungspolitik - das Tabu in der Umweltdiskussion

13/08/2015 18:31 CEST | Aktualisiert 13/08/2016 11:12 CEST
dpa

Als in den 70er-Jahren Umweltthemen politisch aktuell wurden, veröffentlichte der Club of Rome seine bekannte Studie „Grenzen des Wachstums". Ähnliches stand im Beststeller „Ein Planet wird geplündert" von Herbert Gruhl, von schwarz nach grün gewandelter zeitweiliger Vorsitzender des BUND. Es wurde aufgezeigt, wohin es führt, wenn bestimte globale Entwicklungen so weiterlaufen.

Bei vielen der behandelten Themen gab es Fortschritte: in den Industriestaaten wurde der Energieverbrauch von der wirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt, die klassische Umweltverschmutzung in Wasser, Luft und Boden bekam man in bestimmten Regionen und bei bestimmten Themen in der Griff, die Müllmengen bei uns sinken eher als dass sie steigen.

An anderen Themen wird aktuell gearbeitet - der Reduktion der CO2-Emissionen, der Verschmutzung und Überfischung der Meere. Nur ein Thema ist aus den Diskussion völlig verschwunden, ja wurde geradezu tabuisiert: das Bevölkerungswachstum!

Es ist nicht mehr so steil wie in den 70er-Jahren, aber nach wie vor gilt der Satz Paul Ehrlichs: „Ungelöst wird dieses Problem alle anderen Probleme unlösbar machen." Es gab ganz wesentliche Verbesserungen in Lateinamerika, in Teilen Asiens, aber noch keine in Afrika.

Der politische Mainstream verkündet, man müsse nur alle Nationen reich machen, dann löse sich das Problem von selbst. Zweifellos gibt es da einen starken Zusammenhang. Aber es gibt es auch jede Menge Gegenbeispiele, die belegen, dass auch andere Faktoren wirken und insbesondere eine aktive Bevölkerungspolitik durchaus Effekte habe kann.

Reich und stark wachsend sind zum Beispiel Kuwait und Saudi-Arabien, arm und mit einem untypisch geringen Bevölkerungszuwachs Namibia und Simbabwe (Quelle:welt-in-zahlen.de). Und aus Kenia gibt es eine Vergleichsstudie zweier Distrikte mit unterschiedlich engagierter Bevölkerungspolitik: im einen bekommt eine Frau durchschnittlich sechs Kinder, im anderen drei.

Deshalb war es auch so fatal, dass in den 80er-Jahren unter Reagan und seinen Nachfolgern die Mittel für den UNFPA (United Nations Family Planning Fund) radikal gestrichen wurden, der als UNO-Einrichtung erfolgreiche und qualifizierte Politik für Familienplanung und Müttergesundheit praktizierte. Konservative islamische Organisationen, evangelikale Kirchen und auch die katholische Kirche klatschten Beifall. Leider hat auch Papst Franziskus in seiner hochgelobten Umweltenzyklika diesen Punkt nicht nur nicht angesprochen, sondern nochmals betont, der Bevölkerungszuwachs sei kein Problem für eine nachhaltige Entwicklung. Zu dieser unheiligen konservativen Allianz gesellt sich außerdem noch der Großteil der politisch Linken.

Niemand will Zwangsmaßnahmen wie in China. Allerdings möchte man sich auch nicht vorstellen, wie die Welt heute aussähe, wenn es dort nicht die Ein-Kind-Politik gegeben hätte... Aber auch unterhalb chinesischer Methoden lässt sich die Geburtenrate beeinflussen: durch Verbesserung der Gesundheitsdienste, Bildung, Stärkung der Stellung der Frau und Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln.

Man mag fragen: was geht das uns im Deutschland an? Wir haben einen negativen Geburtensaldo, und unsere Zuwanderung kommt überwiegend nicht aus übervölkerten, sondern unter Bürgerkrieg und wirtschaftlichen Krisen leidenden Ländern. In manchen afrikanischen Staaten kann man das aber nicht mehr so genau trennen.... Unsere Nahrungsmittel basieren zu einem erheblichen Teil auf außereuropäischen landwirtschaftlichen Flächen. Und die werden knapp: wegen zunehmendem Fleischkonsum, wegen Bioenergie, wegen Bevölkerungszunahme. Es macht keinen Sinn, hier zwischen „guten" und „bösen" Ursachen zu unterscheiden.

Es wäre an der Zeit, das Tabu zu brechen.

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