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Georgie Morrell Headshot

Ich war ein Jahr lang v├Âllig blind - das habe ich gelernt

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GEORGIE MORRELL
Georgie Morrell
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Seitdem ich drei Jahre alt bin habe ich Augenprobleme.

Als Teenager verlor ich auf dem linken Auge meine Sehkraft komplett, rechts konnte sie mit medizinischer Hilfe vorerst noch erhalten werden - dank mehreren Litern Augentropfen und einigen Eingriffen.

Und trotzdem entschied mein rechtes Auge im Jahr 2008, dass Sehkraft etwas f├╝r Loser ist.

Danach lie├č es mich ein Jahr lang im Stich.

Mein Augenlicht bekam ich zwar durch Behandlung einiger genialer Ärzte wieder, jedoch kann es immer wieder verschwinden.

Jederzeit.

Ich habe dazugelernt

Keine Frage, pl├Âtzlich vollst├Ąndig zu erblinden, hat mein Leben ver├Ąndert.

Ich musste lernen, mich anzupassen - k├Ârperlich und emotional. Es war eine vollkommen neue Art zu leben.

Ich musste ein Trauma verarbeiten.

Das Trauma, auf einmal einen der wichtigsten Sinne zu verlieren. Es war ein Prozess der Trauer.

Vorher war ich eine wilde 21-J├Ąhrige, die ohne irgendeinen Plan durch London streifte, und pl├Âtzlich fand ich mich in der Situation einer isolierten, kindlichen Frau wieder, die mit ihrer neuen Behinderung nicht zurechtkam.

Vorher f├╝hrte ich ein sorgloses Partyleben in Soho und ging mit einem gutaussehenden DJ und pl├Âtzlich...BOOM - alles ├Ąndert sich.

Es hat seine Zeit gedauert, bis ich mit der ganzen Situation fertig geworden bin.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Ein Liebesbrief an meine Depression: Danke, dass du in mein Leben getreten bist

Und trotzdem war meine Erblindung nicht nur ein einziger schlimmer Albtraum.

In diesem einen Jahr passierten so viele Dinge, die meine Wahrnehmung vom Leben v├Âllig ver├Ąnderten und mich zu dem Menschen machten, der ich heute bin.

Es hat mit gezeigt, was wirklich wichtig ist.

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Georgie und ihr Bruder

Geduld

Einige Monate lang wusste ich nicht, wie gut meine Sehkraft sein w├╝rde, wenn sie ├╝berhaupt wiederkehrte.

Ich musste warten, bis die Ärzte verschiedenste Medikamente und Behandlungsmethoden getestet hatten.

Warten, warten und nochmal warten.

Es war nicht nur frustrierend, es war reine Folter.

Schlie├člich lernte ich, geduldig zu sein.

Es war eine Ausdauerpr├╝fung, die mein allt├Ągliches Leben ver├Ąndern sollte.

Heute rege ich mich nicht mehr so oft ├╝ber Kleinigkeiten auf. Ich bin jetzt gl├╝cklich damit bei der Post Schlange zu stehen oder mal den Bus zu nehmen, wenn die Bahn zu sp├Ąt kommt.

Versteht mich nicht falsch, nat├╝rlich gibt es immer noch genug Dinge, die mich nerven - aber nicht in der Weise wie es vor meiner Erblindung gewesen ist.

Es k├╝mmert mich einfach nicht mehr, was andere Leute von mir denken und ich wei├č nun, dass so manches das Warten Wert ist.

Dankbarkeit

So kontrovers es klingen mag, meine Erblindung lie├č mich erkennen, wieviel Gl├╝ck ich eigentlich habe.

Ich war fr├╝her ein sehr st├╝rmisches M├Ądchen.

So ein Kind, das mit den F├╝├čen auf den Boden stampfte und sich die Seele aus dem Leib schrie, wenn ihm etwas nicht passte.

In meinen jungen Jahren hatte ich einen starken Willen und dachte, ich k├Ânne alles machen wonach mir ist.

Das hat sich zwar bis heute nicht sonderlich ge├Ąndert, jedoch habe ich eine klarere Sicht auf die Dinge bekommen.

Ich bin ├╝berw├Ąltigt von dieser neu entdeckten Dankbarkeit, die ich f├╝hle.

Ich bin dankbar f├╝r meine ├ärzte, die Unm├Âgliches m├Âglich machten.

Und dankbar f├╝r meine Eltern.

Ich habe erkannt, dass ich ohne die beiden nichts bin und gerade wegen ihnen, alles das bin, was ich bin.

Nat├╝rlich waren sie mir auch vor meiner Erblindung sehr wichtig. Ich habe sie gesch├Ątzt und geliebt, aber nicht in diesem Ausma├č, wie ich es heute tue.

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Sie haben sich nicht nur um meine neuen k├Ârperlichen Bed├╝rfnisse gek├╝mmert, sondern haben mich auch ermutigt, nie aufzugeben. Daf├╝r werde ich ihnen immer dankbar sein.

Meine Krankheit hat zwischen uns ein unzerst├Ârbares Band gekn├╝pft.

Humor

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ein Blinder nicht mit einem lauten "lol" durchs Leben geht, aber h├Ârt mir zu.

Ich habe einen tollen Humor gerade weil ich blind bin.

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Auf den Rat meines guten Freundes Felix hin machte ich aus meinem blinden Jahr eine Comedy-Show.

Ich wurde quasi ein Stand-up-Comedian.

Nat├╝rlich w├╝nschte ich mir in den vielen Stunden im Krankenhaus nichts mehr als zwei gesunde Augen. Aber an diesem Punkt war es einfach so wie es war - warum also nicht das beste daraus machen und dar├╝ber lachen.

Die Erfahrung hat mich gelehrt, Witz in der Tragik zu finden.

Nicht weil sich Dinge ├Ąndern, wenn man ├╝ber sie lacht, sondern weil es dabei hilft, mit ihnen fertig zu werden.

Gewissheit

Ich bin immer noch in Behandlung.

Obwohl die ├ärzte alles gaben und ich wieder sehe, kann ich mein Augenlicht jederzeit wieder verlieren. Mit dieser Gewissheit zu leben, ist die Erfahrung, die mich am allermeisten ver├Ąnderte.

Zu wissen, dass meine gr├Â├čte Angst mich in jedem Moment treffen kann, ist ern├╝chternd - und trotzdem nicht unbedingt negativ.

Ich quengel jetzt nicht mehr und versuche lieber mich aufzuraffen und die Dinge in die Hand zu nehmen.

Ich will so viel Spa├č und Arbeit wie ich kriegen kann - solange ich noch kann.

Meiner Meinung nach ist eine Lebenserfahrung nicht der Prozess des Erfahrens, sondern das, was danach kommt.

Die Tage, Wochen und Monate, die dich und deine Sicht auf das Leben anschlie├čend ver├Ąndern.

Egal ob ein unbedeutender Tag oder ein gro├čes Ereignis - diese Erfahrungen bilden unsere Pers├Ânlichkeit.

Und es ist so wichtig, dass wir das beste daraus ziehen, was wir kriegen k├Ânnen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost UK und wurde von Franziska Kiefl ├╝bersetzt und zum besseren Verst├Ąndnis angepasst.

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