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Wie ich die Geschlechtsumwandlung meines Partners akzeptierte

29/11/2014 09:12 CET | Aktualisiert 29/01/2015 11:12 CET
BBC World News

In einer Zeit vor dem Internet gab ich eine Annonce in der San Francisco Bay Times auf, der Lokalzeitung für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle. Der Wortlaut meiner Anzeige war in etwa wie folgt: „Ich stehe auf Spaß. Suche kluge, starke Mädchen, mit denen man Spaß haben kann."

Ich hegte keine großen Hoffnungen. Umso erstaunlicher ist es, dass ich 19 Jahre später immer noch glücklich mit dem Menschen verbandelt bin, der auf meine Anzeige antwortete. Jemand, der auch auf „Spaß" steht.

Seit unserem ersten Telefongespräch am Vormittag des 1. Januar 1995 war dieses intellektuelle und emotionale Knistern zwischen uns zu spüren, das unsere Beziehung anstrengend, aber auch aufregend gemacht hat. Äußerlich wirkte Willy damals wie eine Butch-Lesbe - war aber in Wirklichkeit ein Transgender-Mann. Mir gefiel der Gedanke, es mit einem Mann im Frauenkörper zu versuchen.

Eine maskuline Frau - das wollte ich

Was ich damit meine ist, dass ich mich nach jemandem sehnte, der mir die Tür aufhält, sich mir gegenüber galant verhält, mir hübsche Dinge kauft und mich ein Mädchen sein lässt. Als selbst definierte Lesbe mit Vorliebe für Butch-Frauen wollte ich jedoch keine Beziehung mit einem Mann eingehen.

Doch dann begann meine Butch, ihr Geschlecht umzuwandeln - und ich stand vor einer Entscheidung. Ich möchte gerne berichten, warum ich mich entschied, bei Willy zu bleiben.

Ich wusste von Anfang an, dass Willy eine medizinische Umwandlung in Betracht zog, aber dies schien irgendwie noch in weiter Ferne zu liegen. Ich schätzte seine Maskulinität als Teil unserer Butch/Femme-Dynamik. Die Tatsache, eine Person des anderen Geschlechts gefunden zu haben und für meine Fraulichkeit geschätzt zu werden, war Balsam für meine Seele - und gleichzeitig ein echter Nervenkitzel.

Zunächst leistete ich Widerstand

Doch natürlich war nicht alles in unserer Beziehung eitel Sonnenschein. Willy erlaubte mir nicht, bestimmte Teile seines Körpers zu berühren: Es gab Regeln, die seine Seele schützten, meine jedoch vereinsamten.

Im Laufe der Jahre zog er eine Geschlechtsumwandlung ernsthaft in Erwägung. Ganz ehrlich, der Gedanke daran jagte mir Schauer über den Rücken. Ich leistete Widerstand.

Ich war mit unserer damaligen Situation vollauf zufrieden. Ich hatte die maskuline Frau, die ich wollte. Ich identifizierte mich als Lesbe seit meinem Coming-out im Alter von 16 Jahren und hatte keine Ahnung, wie ich die Partnerin eines Transgender-Manns sein sollte. Ich fragte mich, welche Folgen dies für meine Identität hätte.

Als heteronormatives Paar zu gelten, brachte zwar einige rechtliche und gesellschaftliche Privilegien mit sich, aber diese standen mir ja eigentlich ohnehin zu. Es ärgerte mich, dass ich sie nur dann erhalten würde, wenn ich mit einem Mann zusammen war.

1998 feierten wir eine große - wenn auch nicht gesetzlich anerkannte - Hochzeit im Oakland Rose Garden. 2004 heirateten wir erneut (dieses Mal auch gesetzlich), als Gavin Newsom, der damalige Bürgermeister von San Francisco, gleichgeschlechtliche Ehen in der Stadt ermöglichte. Nachdem diese Ehe von den Gerichten als ungültig erklärt wurde, ließen wir unsere Lebenspartnerschaft vor der Geburt unseres ersten Kindes 2006 eintragen. 2009 und 2012 wurden unsere anderen beiden Kinder geboren.

Zwischen Diskriminierung und amerikanischem Traum

Wir durchlebten gesundheitliche und finanzielle Probleme und die schwere Zeit der Proposition-8-Kampagne, als unsere Nachbarn Schilder mit der Aufschrift „Keine Homo-Ehen" in Richtung unseres Hauses schwenkten, Demonstrationen in der Nachbarschaft organisierten und uns ihre Hasstiraden entgegen brüllten, als wir unseren Sohn zum Kindergarten fuhren.

Doch zur gleichen Zeit lebten Willy und ich den amerikanischen Traum: Wir hatten ein Heim und eine Familie. Unser Alltag glich dem von vielen anderen Menschen: Viel Arbeit, aber auch viel Freude.

Doch dann, als ich gerade darauf wartete, ob ich zum dritten Mal schwanger geworden war, kam Willy auf mich zu. „Also", sagte er, „ich habe mich entschieden. Ich lasse mich umwandeln".

Selbst nach über 17 gemeinsamen Jahren war ich darauf nicht vorbereitet.

In mir sträubte sich noch immer alles dagegen, als heterosexuell zu gelten. Ich komme aus einer traditionellen griechischen Einwandererfamilie und musste furchtbar lange und hart um das Recht kämpfen, das zu sein, was ich bin: eine Lesbe.

Ich stand vor der Wahl

Ich war besorgt, dass Willy sich nach der Umwandlung ändern und zu einem anderen Menschen werden würde. Gleichzeitig wollte ich keine Partnerin sein, die den anderen nicht unterstützt. Zudem fürchtete ich, von der Transgender-Community für meine Gefühle verurteilt zu werden. Seine Entscheidung stellte mich also letztendlich vor die Wahl - eine Wahl, mit der so viele Partner von Transgendern konfrontiert sind.

Und deswegen musste ich mich schließlich fragen: „Falls Willy sein Geschlecht ändert, würde ich wirklich meine Familie auseinanderreißen? Würde ich wirklich den Menschen verlassen, den ich liebe?"

Um mir diese Frage zu beantworten, rief ich mir all die Dinge ins Gedächtnis, die ich am meisten an ihm liebe: seine Leidenschaft, seine Treue, sein Sinn für Humor, sein Intellekt, seine Liebe zu mir und unseren Kindern. Ein Leben ohne ihn wäre für mich unvorstellbar. Also sagte ich ihm, dass auch ich eine Entscheidung getroffen hätte.

Wie immer sein Äußeres auch aussieht, ich entscheide mich für ihn. Ich entscheide mich, mit ihm zusammenzubleiben.

Körperliche Veränderungen

Ich sagte ihm, dass ich ihm nicht versprechen könne, mich ohne Weiteres daran zu gewöhnen. Dass ich nicht wüsste, wie ich auf die Veränderungen seines Körpers reagieren würde. Aber dass ich seine Entscheidung voll und ganz respektierte. Und ich hoffte, dass er mich dafür respektieren würde. Dass er mir Raum geben würde für meine Gefühle, wenn ich herauszufinden versuchte, was das Ganze für meine eigene Identität bedeuten würde.

Zwei Monate später unterzog er sich einer Brustrekonstruktion. Ich bedauerte die Veränderung seines Körpers, aber fand schnell heraus, dass sie mit einem unerwarteten Vorteil verbunden war: Es gibt nun keine Verbote mehr, seine Brust zu berühren. Auf einmal dufte ich ein jahrelanges Sperrgebiet erkunden.

Und trotz der veränderten Form seiner Brust freute ich mich unbändig über diese neue Freiheit. Besser noch: Willy war glücklich und lebte mit sich in Frieden. Ich hatte ihn noch nie so erlebt. Und dieser Umstand erleichterte es mir mehr als alles andere, mich gemeinsam mit ihm zu ändern.

Dennoch habe ich nach wie vor mit einigen unangenehmen Fragen zu kämpfen: Wenn ich jemanden kennenlerne, wann oder wie oder warum sollte ich mich als Lesbe und Willy als Transgender outen? Und warum sollte ich es überhaupt erwähnen, wo er doch so viel durchgemacht hat, um seine Wirklichkeit wahr werden zu lassen?

Aber wenn ich es verschweige, komme ich mir vor, als würde ich meine eigenen Erfahrungen irgendwie unvollständig darstellen, ganz so als hätte ich nie um meine Rechte als Homosexuelle kämpfen müssen.

Ich weiß, dass ich als Partnerin eines Transgenders mein Leben lang eine Verbündete bin - aber es ist immer noch mein Leben und ich spiele darin die Hauptrolle. Also nehme ich meine wie auch immer gearteten Gefühle einfach an. Ich lasse sie zu und lasse sie vorübergehen.

Letzten Endes ist Willy einfach mein Partner. Wir schwimmen Seite an Seite durchs Meer des Lebens. Wir streben dasselbe Ziel an, auch wenn wir uns bisweilen mit unterschiedlichen Schwimmstilen fortbewegen. Aber das geht schon in Ordnung, solange wir gemeinsam ankommen.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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