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Leute, tut was! - „Aktionen zur Darmkrebsvorsorge kann wirklich jedes Unternehmen durchführen!"

05/07/2015 12:46 CEST | Aktualisiert 05/07/2016 11:12 CEST
NCD

„Aktionen zur betrieblichen Darmkrebsvorsorge kann wirklich jedes Unternehmen durchführen!"

Dr. Stefan Webendörfer, Vice President Diagnostics - Health Promotion - Communication in der Abteilung Occupational Medicine & Health Protection der BASF SE in Ludwigshafen im Interview mit Dr. Georg Ralle, Generalsekretär des Netzwerk gegen Darmkrebs e.V.

Herr Dr. Webendörfer, wieso sollte die Darmkrebsvorsorge auch Sache von Unternehmen sein?

Webendörfer: Das betriebliche Umfeld ist generell ein idealer Ort für die Umsetzung von Präventivmaßnahmen. Wir treffen dort Menschen zwischen 16 und 66 Jahren an, die - zumindest wenn sie keine gesundheitlichen Beschwerden haben - meist nicht regelmäßig ärztlich betreut werden.

Die Jüngeren haben ihre Jugendschutzuntersuchungen hinter sich, die Älteren wissen über die ihnen zustehenden Vorsorgemaßnahmen oft nicht ausreichend Bescheid oder können sich nicht zur Teilnahme entschließen. Bei den oft gesetzlich vorgeschriebenen betriebsärztlichen Untersuchungen besteht daher die Möglichkeit, über Vorsorge und Krebsfrüherkennung zu informieren.

Die Darmkrebsfrüherkennung mit einem Stuhlbluttest und ein paar Fragen zum Risikoprofil lässt sich gut mit anderen Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements kombinieren. Besonders positiv haben die Kollegen reagiert, als wir sie mit einem Anschreiben persönlich zur Darmkrebsfrüherkennung eingeladen haben.

Warum steht dabei der Darmkrebs im Fokus?

Webendörfer:Bei dieser Erkrankung ist der Nutzen der Früherkennung gut dokumentiert und, anders als etwa beim Brustkrebs, existiert ein populationsbasiertes Screening bislang nicht.

Sie haben die betriebliche Darmkrebsvorsorge bei BASF von Anfang an verantwortlich gestaltet. Was ist Ihr Fazit nach nunmehr 13 Jahren?

Webendörfer:Wir haben bei einer überwiegend männlichen Belegschaft und entgegen den Vorhersagen jedes Jahr konstant hohe Teilnahmeraten von mehr als

30 Prozent in unserer Zielgruppe von Mitarbeitern ab dem 46. Lebensjahr erzielt.

Jedes Jahr finden wir mit diesem Angebot subjektiv beschwerdefreie Menschen, bei denen im Rahmen einer Empfehlung zur Koloskopie beim externen Fachkollegen Krebsvorstufen oder sogar Darmkrebserkrankungen im Frühstadium entdeckt worden sind. Der jüngste Mitarbeiter, bei dem das der Fall war, war 46 Jahre alt.

Er konnte erfolgreich behandelt werden und ist immer noch bei uns tätig. Zu guter Letzt haben wir festgestellt, dass die betriebliche Darmkrebsvorsorge, wenn sie in unsere Routineprozesse eingebettet ist, einfach durchzuführen, kostengünstig und menschlich wie wirtschaftlich lohnend ist. Das hat uns überzeugt und dazu bewogen, unser Angebot auch dauerhaft aufrecht zu erhalten.

Mit einem eigenen betriebsärztlichen Dienst und einer Mitarbeiterzahl von 35.000 bei der BASF SE in Ludwigshafen sind Darmkrebsvorsorgeaktionen vermutlich leichter durchzuführen als in einem kleineren Unternehmen, das nicht über vergleichbare Ressourcen verfügt.

Es gibt keine betriebsseitigen Gründe, die gegen eine betriebliche Darmkrebsvorsorge sprechen. Wenn das Management dahinter steht, können auch kleine und mittelständische Unternehmen solche Aktionen durchführen. Es ist dann sicher hilfreich, externe Unterstützung einzuholen, etwa durch einen externen Betriebsarzt oder eine Krankenversicherung.

Was unterscheidet die betriebliche Darmkrebsvorsorge in Großunternehmen von der in kleinen und mittelständischen Unternehmen?

Webendörfer:Wir können bei uns die Prozessschritte, wie die Testabgabe über unsere Ambulanzen und die Auswertung gut organisieren und so die Vorsorge dauerhaft anbieten. In kleineren Unternehmen geht so etwas häufig nur zeitlich begrenzt als sogenannte Gesundheitsaktion.

Bei BASF ist die ärztliche Abteilung für alle eindeutig medizinischen Anteile des Gesundheitsmanagements zuständig und übernimmt die Verantwortung. In kleineren Betrieben übernehmen meist fachfremde Mitarbeiter die Organisation von Gesundheitsleistungen, die sie mit externen Anbietern koordinieren müssen. Da ist einfach die Hemmschwelle höher, Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung zu machen.

Unter Ihrer Mitarbeit haben das Netzwerk gegen Darmkrebs, die Stiftung LebensBlicke die Felix Burda Stiftung einen Leitfaden zur betrieblichen Darmkrebsvorsorge neu aufgelegt. Was hat sich gegenüber der bisherigen Ausgabe geändert?

Webendörfer:Das Redaktionsteam hat die aktuelle Datenlage zur Darmkrebsfrüherkennung und den zur Verfügung stehenden Tests berücksichtigt. Außerdem haben wir versucht, die Informationen im Print Medium zu bündeln und für den Leser möglichst übersichtlich zu gestalten. Vertiefende Informationen und Begleitmaterial können per Link im Internet abgerufen werden.

Inwiefern kann die Broschüre Unternehmen bei ihren Vorsorgeaktionen unterstützen?

Webendörfer:Der medizinische Laie kann sich ohne großen Zeitaufwand über die Hintergründe und den Nutzen der betrieblichen Darmkrebsfrüherkennung informieren. Ein übersichtliches Schema zeigt konkret, welche organisatorischen Schritte erfolgen müssen, um eine Vorsorgeaktion möglichst einfach und effektiv am Arbeitsplatz zu gestalten.

Wo können sich interessierte Unternehmen weitere Informationen und Unterstützung holen?

Webendörfer:Ich rate immer, frühzeitig einen Betriebsarzt, einen betriebsärztlichen Dienst oder auch einen Gastroenterologen in die Planungen einzubinden. Denn die sind entsprechend qualifiziert und können sowohl im Vorfeld als auch im Verlauf der Aktion, wenn Fragen auftreten oder auffällige Befunde bei den Teilnehmern vorliegen, fachgerecht beraten und die richtigen Empfehlungen zum weiteren Vorgehen geben.

Mehr Informationen unter: http://www.netzwerk-gegen-darmkrebs.de


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