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Vergewaltigungsfantasie: Ursachen, Umgang und eine mögliche Umsetzung

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VERGEWALTIGUNG
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Eine sehr verbreitete Sexfantasie, die immer noch mit einem Tabu belegt ist. Eines vorweg, eine reale Vergewaltigung ist eines der schlimmsten Verbrechen, das man jemandem antun kann und nur weil jemand davon fantasiert vergewaltigt zu werden, bedeutet das eben nicht, dass er/sie sich eine reale Vergewaltigung wünscht.

Was sind möglicherweise die Gründe für diese sehr verbreitete Fantasie?
Wer vergewaltigt wird ist das Opfer, das sich nicht wehren kann. Viele Menschen haben Sexualfantasien, die sie selbst aus unterschiedlichen Gründen (Moral, Erziehung, Glaube, usw.) ablehnen, die sie aber (insgeheim/unterbewusst) sehr reizen würden.

In der Fantasie können sie nun diese geheimen und verbotenen Wünsche ausleben, denn sie tun das ja nicht freiwillig, sondern werden eben dazu gezwungen. Hier kommt der Unterschied zwischen einer realen Vergewaltigung und einer Sexfantasie am deutlichsten zu Tage.

Bei einer Vergewaltigung entscheidet der Täter was geschieht, bei einer Sexfantasie spielt sich alles im eigenen Kopf ab, damit lenkt die eigene Lust das Geschehen und natürlich lenkt sie dieses in die Richtung, die einem gefällt.

Ein zweiter Grund für solche Fantasien kann der Wunsch danach sein, die Kontrolle einmal komplett abzugeben. Diesen Personen geht es darum, wirklich beherrscht und benutzt zu werden.

Mitunter kann durch eine solche Fantasie auch lediglich zum Ausdruck kommen, dass der Wunsch besteht, körperlich begehrt zu werden. Dem liegt der Irrglaube zugrunde, dass ein Vergewaltiger den Körper seines Opfers extremst begehren muss, riskiert er doch eine lange Haftstrafe um diesen temporär zu benutzen.

Als letzter Punkt kommt die Verarbeitung (Nacherleben, Verstehenwollen) einer echten Vergewaltigung oder eines sexuellen Missbrauchs in Betracht. In diesen Fällen hat die betroffene Person etwas aufzuarbeiten, das eigentlich nur unter Zuhilfenahme von psychologisch geschulten Personal in Angriff genommen werden sollte.

Herauszufinden, was der Grund für die Fantasie ist, ist nicht leicht und von den vier Gründen muss auch nicht einer allein vorliegen. Bin ich nie missbraucht worden und fühle ich mich sexy und begehrenswert, so liegt es nahe, dass die letzten beiden Punkt nicht einschlägig sein werden.

Wer sehr offen mit seiner Sexualität und seinen Wünschen umgeht, der wird die im ersten Szenario beschriebene Entschuldigung nicht brauchen.

Wer gerne einmal die Kontrolle abgeben will und wen es reizt, vielleicht sogar überwältigt und benutzt zu werden, der sucht wirklich ein Spiel (>Rapegame), das zwar keine echte Vergewaltigung ist, bei dem aber zumindest eine, in den gemeinsam abgesteckten Grenzen, simuliert wird.

Auch wenn die Rolle des Opfers in dieser Fantasie bei Frauen wie auch Männern die beliebteste zu sein scheint, so gibt es auch immer noch Männer und Frauen, die diese Fantasie gerne als aktiver Part umsetzen würden. Wer auf aktiver Seite solche Fantasien hat sollte sehr kritisch in sich hineinhorchen, warum ihn dieses Szenario reizt.

Hass, Minderwertigkeitskomplexe, Ablehnung, Angst vor Kontrollverlust, das alles wären Punkte, bei denen an den Ursachen für diese Missstände gearbeitet werden sollte, nicht aber an der Umsetzung einer solchen Fantasie.

Wem es hingegen keinesfalls um diese Punkte geht, sondern darum Lust auszuleben, und wer über genug Empathie und Verantwortungsbewusstsein verfügt, der könnte sich daran machen solch eine Fantasie mit jemandem umzusetzen, der ebenfalls Lust darauf hat.

Warum ich über dieses Thema so gut Bescheid weiß? Zum einen habe ich mich als BDSMler und Erotikautor intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und da sie mich als aktiver Part reizt, habe ich diese Spielart in den letzten 15 Jahren auch zweimal sehr intensiv und zweimal in einer sehr abgeschwächten Form umsetzen dürfen.

In Bezug auf die abgeschwächte Form hat meine damalige Mitspielerin die Geschichte Rapegame geschrieben und auch ich habe zu dem Thema zwei Kurzgeschichten und Blogartikel veröffentlicht.

Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, aus seiner Fantasie Realität werden zu lassen, der sollte einige Punkte bedenken:

- Alle Mitspieler müssen psychisch stabil und vertrauenswürdig sein
- Alle Mitspieler müssen zu jederzeit das Spiel abbrechen können (Safeword)
- Es muss ein Ort vorhanden sein, an dem eine Umsetzung möglich ist
- Tabus (= Grenzen die eingehalten werden müssen) sind zu definieren und etwaige Wünsche sind zu kommunizieren
- Es ist keine gute Zeit für völlig neuartige Experimente, zumindest der aktive Part sollte keine Spielarten nutzen, die er nicht sehr sicher beherrscht

Sollte auch nur einer der Punkte nicht zutreffen oder auch nur ein schlechtes Bauchgefühl vorhanden sein, so sollte von der realen Umsetzung dieser Fantasie Abstand genommen werden.

Ein solches Spiel ist ein Kick für einige Stunden bis maximal ein Wochenende, geht dabei aber etwas wirklich schief, kann daraus ein Psychoknacks für ein ganzes Leben resultieren. Die Gefahren sind einfach zu groß, um sie wegen einem Kick leichtfertig einzugehen!

Euer Gentledom

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