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Sexualstrafrecht: Nein heißt nein, was tun als Mann?

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BDSM MAN
sakkmesterke via Getty Images
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Wie kann Mann mit dieser Neuerung zurechtkommen und was wir dabei von BDSMlern lernen können. Beim BDSM wird vorab eine rechtswirksame Einwilligung erteilt durch welcher der aktive Part Handlungen vornehmen darf. Diese Einwilligung muss jederzeit widerrufbar sein. Nichts anderes kommt nun auf jedes deutsche Schlafzimmer zu, also auf jene in denen es ab und an ein Schäferstündchen gibt.

Das Problem beim Sex ist, dass Sex (besonders guter) Kommunikation voraussetzt und wo Menschen kommunizieren kommt es zu Fehlern und wenn sie sich gerade ihren Trieben hingeben, ist eben ein Teil des Blutes nicht im Oberstübchen sondern zwischen den Beinen am zirkulieren. Hinzu kommt, dass Frauen und Männern nicht immer die gleiche Sprache sprechen. All das kann zu Fehleinschätzungen führen.

Nein bedeutet nein, nur was zum Geier soll mit dem nein denn gesagt werden? Wenn die Holde im Schlafzimmer nein sagt, dann kann es viel bedeuten. Nein, ich habe keine Lust. Nein, ich will das nicht mach aber bitte etwas anderes. Nein, ich will das zwar aber ich will, dass du es dir nimmst! Tja und wer weiß was noch so kommuniziert wird, direkt oder zwischen den Zeilen. Noch schwerer wird es übrigens, wenn es kein Nein ist sondern etwas was man als Nein verstehen kann aber nicht muss. Kurz das Tatbestandsmerkmal „gegen den erkennbaren Willen" ist alles andere als leicht zu greifen, aber damit sollen sich die Richter, Staatsanwälte und Strafverteidiger rumschlagen.

Diese neue Rechtslage sorgt damit nicht nur unter Juristen für eine gewisse Rechtsunsicherheit. Zum Glück haben wir BDSMler hier aber gleich mehrere Lösung parat, welche die Probleme ganz praktisch erschlagen. Das nunmehr für alle aktuelle Problem ist für uns nämlich ein recht alter Hut. Die Lösungen lauten „Safeword" und „Ampelcode".

Anstelle von einer unbestimmten Anzahl an Abbruchscodes wie „nein", „lass das", „aua", usw vereinbaren viele BDSMler ein Wort und/oder Zeichen welches besagt, wird dieses Wort gesagt oder Zeichen gegeben, dann bedeutet dies, dass die Einwilligung zu den Handlungen widerrufen wird. Das Safeword ist also eine Vereinbarung die besagt, solange das Safeword nicht genutzt wird, solange sind alle mit dem Akt der gerade vollzogen wird einverstanden. Rechtlich eine tolle Sache denn wenn ein Rohrstock geschwungen wird kann es durchaus auch mal zu einem „Aua" oder „bitte nicht" kommen und jedes Mal eine Session deswegen zu unterbrechen wäre auf Dauer ein wenig nervig.

Neben dieser „Alles oder Nichts" Methode gibt es auch noch den Ampelcode. Dieser kann unterschiedlich ausgestaltet werden. Beispielhaft werden die Codes „Gelb" und „Rot" vereinbart. Sagt eine der beiden Seiten „Gelb" so geht die Handlung in eine Richtung die nicht gewollt ist und daher umgelenkt werden soll. Es ist also kein Abbruchsbefehl nur ein Hinweis, dass es zu einem Abbruch kommen wird, sollte es sich so weiterentwicklen. „Rot" hingegen kann dann die Bedeutung des Safewords haben und führt zu einem Abbruch der Handlung oder auch des gesamten Akts, je nachdem was vereinbart wurde.

Ich denke nicht, dass Sex in deutschen Schlafzimmern schlechter werden wird durch das neue Gesetz. Vielmehr kann es sogar eine Chance sein, offener miteinander zu kommunizieren und Tabus festzulegen... und wo man schon bei den Tabus ist, ist der Schritt nicht fern sich auch über Vorlieben und neue Experimente zu unterhalten.

Auch kippt das neue Gesetz nicht die Unschuldsvermutung in einem Strafverfahren. Nur weil das Prinzip "Nein heißt Nein" nun gesetzlich verankert ist, bedeutet dies eben nicht, dass der Grundsatz "in dubio pro reo" („Im Zweifel für den Angeklagten") gleich mit außer Kraft gesetzt wird. Eine gewisse Unsicherheit bleibt natürlich dennoch bestehen. So können nun nicht eindeutigen Situationen durchaus eher gegen jemanden ausgelegt werden. Außer natürlich die Sexpartner einigen sich auf gangbare Alternativen wie das Safeword oder eben den Ampelcode. Dann besteht nur noch die Gefahr, dass jemand zu Unrecht beschuldigt wird, aber nicht, dass es wegen vermeidbarer Kommunikationsfehler zu einer Verurteilung kommt.

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