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Das müsst ihr bei einer Kanzleigründung beachten

02/11/2015 10:48 CET | Aktualisiert 02/11/2016 10:12 CET
Mike Kemp via Getty Images

Vier Punkte, die bei einer Kanzleigründung oft vernachlässigt werden

Die Zeiten, in denen sich Business und Kanzlei ausschlossen, sind längst Geschichte. 164.000 Anwälte sind in Deutschland zugelassen, das sind 500 Einwohner pro Anwalt. Nicht alle Anwälte sind selbstständig und gründeten in eigener Kanzlei.

Doch die Statistik zeigt, dass 80 % aller Anwälte es zumindest zeitweise sind oder waren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch nicht für alle Kollegen ist es verlockend, der eigene Chef zu sein, Entscheidungsfreiheit und Verantwortung zu haben, aber eben auch das geschäftliche Risiko einer Kanzleigründung zu tragen.

So werden die meisten Kolleginnen und Kollegen auch nach Abschaffung der Scheinselbstständigkeit aufgrund des starken Konkurrenzdruckes eher unfreiwillig in die Gründung gezwungen. Kein Wunder: die Zahl der Anwälte in Deutschland wächst, die Zahl der Einwohner nicht, allenfalls deren "Streitwilligkeit" - was aber wiederum auch auf die steigende Zahl der Anwälte und deren Konkurrenzdruck zurückgeführt werden könnte.

Kanzleigründung ist kein Kinderspiel

Doch die Gründung einer Kanzlei, die Kanzleiführung und das Kanzleimanagement und -marketing sind kein Kinderspiel: Begriffe wie Rechnungslegung, Buchführung, Marketing, Personalführung, Steuerrecht und betriebswirtschaftliches Know How fallen in der juristischen Ausbildung allenfalls in Zusatzseminaren.

Von Businessplan, Alleinstellungsmerkmal und Zielgruppendefinition hören die meisten erst, wenn sie schon als Anwalt tätig sind. Kennen Sie auch nur eine Kollegin, einen Kollegen, der Rechtswissenschaften studierte, um ein Business zu führen, ein Kanzleiunternehmen?

Erinnern Sie sich noch an Ihre Kommilitonen im Hörsaal? Die meisten von denen haben Jura studiert, weil sie nicht wußten, was sie sonst machen sollten. Und Ihre Referendariatskollegen? Die meisten von denen sind Anwalt geworden, weil sie nicht wußten... Genau.

Was sagt das über unseren Berufsstand? Was sagt das über die Wirtschaftlichkeit unserer Kanzleien?

In 4 Schritten zum Kanzleigründer

Wirtschaftsstudien haben ergeben, dass nicht Fachwissen und die Qualität eines Produktes über den wirtschaftlichen Erfolg einer Kanzleigründung, eines Unternehmens entscheidet, sondern

1. die persönliche Einstellung und Zielsetzung des Inhabers

2. der Businessplan und die Unternehmensstrategie

3. die Implementierung von Strukturen

4. die Implementierung von Systemen

Die kritischsten Punkte, so ermittelten die Wissenschaftler, sind dabei regelmäßig die letzten beiden und zwar nicht bei der Gründung der Kanzlei, sondern beim Sprung vom Kleinstunternehmen zum Klein- beziehungsweise Mittelständischen Unternehmen etwa nach 3-5 Jahren beziehungsweise ab einer Mitarbeiterstärke von 5 Angestellten.

Wenn es nämlich darum geht, dass der Firmengründer vom Kanzlei - "General -Manager", vom "Mädchen für alles" und "Allrounder" sich zum Kanzlei- und Personalführer und strategischen Visionär entwicklen muss und sich mehr und mehr aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen hat.

Erforderlich sind dafür aber eben die Implementierung von Strukturen und Systemen. Was das heißt? Nun: Personalaufbau mit definierten Zuständigkeiten und Hierarchie, Organisationsstrukturen, die Entwicklung von automatisierten Arbeitsprozessen und Installierung von fein aufeinander abgestimmten Hard- und Softwaresystemen.

Obwohl bei der Implementierung von Strukturen und Prozessen in Kanzleien sicherlich Optimierungsbedarf besteht und Kanzleimanagement und -führungs - Consulting boomt, gelten die eher ersten beiden Punkte, die Entwicklung der persönlichen und unternehmerischen Strategie, als die Kritischen und werden von den Kanzleigründern fast immer übersehen.

Doch gerade die Zielsetzung und Kanzleistrategie sind diejenigen, die vom allerersten Tag der Gründung über wirtschaftlichen Erfolg und Zukunft entscheiden. Warum verwechseln wir Anwälte also immer noch unser Fachwissen mit unserer Kanzleistrategie? Halten die Investition in Fort- und Weiterbildung für unseren Businessplan?

Die Gründung einer Kanzlei ist eine Unternehmensgründung.

Die Gründung einer Kanzlei ist eine Unternehmensgründung. Nehmen Sie es nicht nur hin, lernen Sie es zu lieben. Nichts ist so spannend, wie etwas Eigenes aufzubauen, es wachsen zu sehen. Und dabei nichts dem Zufall zu überlassen. Ihre persönliche Einstellung und Zielsetzung ist der erste Schritt. Die Entwicklung Ihrer Kanzleistrategie der Zweite.

In diesem Sinne -

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka, ACC

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