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Erfolgsfaktor Geduld

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GEDULD
iStock
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Geduld als Königsdisziplin

Kennen Sie das? Der von einem Freund empfohlene Mandant ruft heute zum fünften Mal an, um unwichtige Details in aller Ausführlichkeit mit Ihnen besprechen zu wollen und schafft es immer wieder, mit einem Vorwand an Ihrem „Telefondrachen" vorbeizukommen.

Die Auszubildende hat nach wiederholter Anleitung es schon wieder geschafft, den Kopierer außer Betrieb zu setzen und alle Einstellungen gelöscht. Der Ihnen zur Seite gestellte Partner erklärt Ihnen mit den Worten des Vorjahres, warum es auch in diesem Jahr für Sie noch nichts mit der Partnerschaft wird.

Der technische Support Ihrer Anwaltssoftware duzt sich zwar mittlerweile mit all Ihren MitarbeiterInnen und fühlt sich in Ihrer Kanzlei offensichtlich sehr wohl, die Software-Schnittstellen arbeiten aber immer noch nicht wie sie sollen und verstümmeln regelmäßig Ihre Texte. Hab ich was vergessen?Ach ja: Nach der gefühlt 99.Ankündigung der „Jetzt-Aber"-Einführung des beA lesen Sie doch wieder einen kurzfristigen Rückruf.

So ungefähr sah Ihr Tag bis eben aus? Willkommen im Club.

Das Ende der Geduld. Und jetzt?

Zähneknirschen und verkniffen weiter probieren? Kurzschlusshandlung und getrennte Wege gehen? Vulkanausbruch und das Ganze erzwingen?

Oder: Tief durchatmen, Lächeln und das große Ziel fokussieren? Ohmmmmmmm...

Zugegeben. Geduld gehört nicht zu meinen Stärken. Genau genommen bin ich ziemlich ungeduldig. Ich bin die Sorte Mensch, die an der Kasse mit den Füßen scharrt, wenn mein Vordermann ein nettes Pläuschchen mit der Kassiererin beginnt; die Sorte, die beim Kochen eigentlich nur zwei Einstellungen braucht „superheiß" oder „aus"; die Sorte, die Zufrühkommen als „Unpünktlichkeit" definiert.

Deshalb sind meine Fristen auch keine Zeitrahmen, sondern eigentlich Termine: die Termine, an dem der Schriftsatz fertig und eingereicht sein muss. Unvorstellbar, den Schriftsatz Tage oder Wochen vorher fertig zu haben und einzureichen. Oder?

Geduld ist die Königsdisziplin - oder besser: Die Königin der Disziplin.

Und doch: Ich habe festgestellt, dass es manchmal besser ist, Dingen Zeit zu geben und Entwicklungen zu begleiten. Das heißt vor allem, sich selbst zurückzunehmen, Vertrauen zu haben und zuzulassen, dass die treibende Kraft aus einer anderen Ecke kommt. Die Dinge gewissermaßen auch mal aussitzen. Abwarten und Tee trinken, wie man so schön sagt. Unendlich schwer das Ganze! Doch sehr effektiv. Und energieschonend - wenn man es richtig anstellt.

Sicherlich nicht in all den oben beschriebenen Situationen anwendbar. Schon gar nicht bei Fristsachen. Doch so manch entscheidendes Detail für einen Rechtsstreit versteckt der Mandant eben gern mal unter Bergen von Unwichtigkeiten. Und so manch tollpatschiger Azubi hat sich zur verlässlichen Fachkraft gemausert. Geduld ist eben auch immer ein bisschen Hoffnung.

Für diese Erfahrung muss man nicht erst Kinder bekommen, Hobbykoch oder -gärtner sein - aber es hilft. Geduld zu haben heißt in erster Linie, sich zu beherrschen, etwas geschehen zu lassen, zu dulden: diszipliniert zu sein.

Also ĂĽben wir uns jetzt alle in Selbstbeherrschung?

Ja. Gleichzeitig heiĂźt das aber auch,

genau zu wissen, wohin es gehen soll
zur richtigen Zeit, die richtigen Akzente und Impulse zu setzen
den Mut zu haben, Kurskorrekturen vorzunehmen
und die Ehrlichkeit, Fehler einzugestehen - also Dinge abzubrechen, egal wieviel in diesen Weg bereits investiert worden ist
Und ist es da nicht wieder: Das Ende der Geduld?

Ja. Aber eben ein anderes. Das ist die Reaktion eines Erwachsenen,

der in seinen Zielen ernst genommen und unterstĂĽtzt wird und nicht wie ein Rumpelstilzchen mit Schaum vorm Mund wirre Kommandos schreit
der flexibel ist in seinen Reaktionen und nicht im verbissenen Tunnelblick agiert
der reflektiert die Situation erfassen kann und sich Zeit gibt für die Problemlösung
Die Reaktion einer Persönlichkeit. Fokussiert, selbstbeherrscht und führend.

Erfolgsfaktor Geduld.

In diesem Sinne -

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka, ACC

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2. Feedback und Anerkennung

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PPS: Empfehlenswert in diesem Zusammenhang übrigens auch das Buch der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig „Das Ende der Geduld" zum sogenannten „Neuköllner Modell".