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Einmal Bullerbü und zurück, bitte!

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Sheryl Sandberg, COO von Facebook und "Superstar der Internetbranche" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) sagt:

"Viele Frauen wollten gar nicht an die Spitze, Verantwortung übernehmen und im Rampenlicht stehen."

Sie fordert deshalb Frauen auf: LEAN IN - Häng Dich rein. Denn Sie ist fest davon überzeugt, dass jede einzelne Frau ihren persönlichen Beitrag zur Gleichstellung von Mann und Frau leisten muss.

Kathrin Wilkens, Journalistin und Inhaberin von I-Do Hamburg fordert in ihrem aktuellen Artikel auf Spiegel online ebenso:

"Mütter, kommt wieder raus aus Bullerbü!"

Der Artikel erzeugte einen Aufschrei in der deutschen Mütter-Community.

Katja Thiede entgegnet beispielsweise: "Dinkelkekse als Karrierekiller? Einmal Realitätscheck, bitte!" (nachzulesen auf dem online Magazin EditionF)

Frauen sind keine "kleinen Männer, die Kinder bekommen können"!

Der Feminismus ist kaum 100 Jahre alt und gilt schon als überholt. Mädchen und junge Frauen von heute sind in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass ihnen die Welt offen steht, dass alles möglich sei. Doch das ist ein Trugschluss.

Natürlich sind Familie und Kinder überwiegend Aufgabe und Verantwortung der Frau. Und wie die aktuellen Zahlen zeigen, sind Frauen - die 50 % der Weltbevölkerung ausmachen - in Beruf und Politik längst nicht überall vertreten, oft noch nicht einmal zu einem Drittel.

Das Einkommensdefizit von Frauen stagniert seit Jahren: in den meisten Ländern arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern spätestens im letzten Drittel des Jahres kostenlos. Und in Wissenschaft und Medizin nimmt man nur langsam und widerstrebend zur Kenntnis, dass das traditionell vorherrschende Konzept, Frauen seien "kleine Männer, die Kinder bekommen können" nicht nur naiv sondern schlicht falsch ist und Medizin für Frauen grundsätzlich anders funktioniert.

Doch warum schaffen es trotz gleicher Ausbildung, trotz Frauenquote und Ausbau der Kinderbetreuungsplätze immer noch so wenige Frauen an die Spitze? Hat Sandberg am Ende Recht: Wollen wir Frauen gar nicht an die Spitze; wollen wir keinen Erfolg? Bleiben wir lieber in Bullerbü?

Die Neudefinition unserer Rolle als Frau und Mutter war längst überfällig!

Der Aufschrei und die Diskussion, die Artikel zu diesem Thema erzeugen, zeigen, dass wir alle mittendrin stecken in der Neudefinition unserer Rolle als Frau und Mutter. Das war längst überfällig! Ich glaube allerdings, dass Katjas Standpunkt gar nicht so sehr von Kathrins abweicht - sondern schlicht verschiedene Aspekte desselben Themas besprechen.

Was mir bisher zu kurz kam:

Lasst jeder Frau das Recht, selbst zu entscheiden, wie lange sie in Bullerbü bleiben möchte! Auch in Bullerbü kann man seine Erfüllung und Lebensaufgabe finden; für kurze Zeit oder für immer.

Sonst tappen wir (und gemeint sind dabei vor allem wir Frauen und Mütter!) wieder in die alte Falle, uns gegenseitig zu zerfleischen oder zumindest dafür zu verurteilen, dass wir versuchen unser Leben zu leben. Toleranz heißt hier das Zauberwort. Das sollten wir uns von unseren Männer und ihrem "facettenreichen Rollenmodell" (wie Kathrin schreibt) abschauen.

Damit es für unsere Töchter später ohne Weiteres heißen kann:

"Eimal Bullerbü und zurück, bitte!"

In diesem Sinne -

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: Den Beitrag in Spiegel online findet Ihr hier.
Hier findet Ihr den offenen Brief von Katja und meinen Kommentar dazu.

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