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Der Coaching (Wahn)Sinn

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COACHING
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„Die Arbeitsleistung steigern, Führungskompetenz entwickeln, neue Fähigkeiten einüben: Um berufliche Ziele zu erreichen, gilt Coaching als probates Mittel. Zunehmend beauftragen auch kleine und mittelständische Unternehmen, öffentliche Behörden, Bildungsträger oder Krankenhäuser Coaches. In Deutschland arbeiten derzeit etwa 8.000 Coaches. Der Branchenumsatz liegt in Deutschland pro Jahr bei 450 Millionen Euro. Weltweit werden mit den Fortbildungen jährlich 1,9 Milliarden Dollar umgesetzt. Damit stehen wir nach den USA und Großbritannien weltweit auf Rang drei. Coaching ist der Megatrend der Weiterbildung."

Der deutsche Fernsehsender 3sat bringt es in der Beschreibung zu seiner Wissenschaftsdokumentation „Coachingwahn" vom 03.11.2016 (der Beitrag wurde auch schon bereits am 01.10.2015 ausgestrahlt - wir berichteten im Oktober 2015) auf den Punkt (hier ansehen): An Coaching kommt heute keiner mehr vorbei. Was in den 90er Jahren als Trend aus den USA kommend hier in Deutschland zunächst auf Skepsis stiess, hat sich heute längst auch in der deutschen Wirtschaft, Bildung und Beratung etabliert. Arbeitgeber wissen es als Problemlöser zu schätzen. Kunden bestätigen „Coaching hilft". Bachelor- und Diplomarbeiten beweisen die Wirksamkeit von Coaching empirisch.

Soweit die dargestellten Zahlen und Fakten; soweit so gut.

Und doch zieht sich durch die „Wissenschaftsdoku" ein fahler Beigeschmack wie schon der Titel der Sendung mit „Coachingwahn" erahnen lässt: vermutlich wäre es kein deutsches Bildungsfernsehen, würde der „kritische" Blick auf diese Erfolgsgeschichte fehlen.

Richtig ist zwar, dass Coaching kein akademisches Studienfach ist - das war Psychologie bis vor 150 Jahren auch nicht. Es gilt als Weiterbildung, die meist auf einen bereits vorhandenen akademischen Abschluss erfolgt. Eine Coachingausbildung dauert im Durchschnitt 200 Stunden, umfasst Theorie- und Praxiseinheiten, kostet ca. 5.000€ und muss fortlaufend durch Weiterbildungen erneuert werden. Die Gewerbeaufsicht, Industrie- und Handelskammern sowie Verbraucherschutzverbände haben klar definiert, wer sich unter welchen Voraussetzungen Coach nennen und als solcher arbeiten darf. Viele der Berufsverbände für Coaches, wie etwa die „Internationale Coach Federation" (ICF) mit 15.000 Mitgliedern weltweit, die an diesem Wochenende in Berlin ihr 20-jähriges Bestehen feiert, haben sich selbst freiwillig noch strengeren, transparenten und international einheitlichen Qualitätsstandards unterworfen. Coachingstunden kosten je nach Thema und zugrunde liegender beruflicher Qualifikation des Coaches ab 75 €, weniger als eine Klavierstunde oder eine Handwerkerstunde (wie beispielsweise für einen LernCoach für Kinder, der das individuelle Lernprofil ermittelt und Lernerfolge durch Ausbau der Lernstärken erzielt).

Die in der Dokumentation beschriebene Gefahr, dass sich also jeder nach einem Wochenendkurs für 300€ Coach nennen darf und als solcher für teuer Geld arbeitet, besteht wohl kaum. Für den Kunden gilt hier dasselbe wie bei jeder anderen Dienstleistung: „Trau Schau Wem".

Um dem geneigten Zuschauer in den 45 Minuten Sendezeit nicht mit nüchternen Fakten und Kritik zu langweilen, fügte der Verfasser farbenfrohe Bilder von schamanischen Feuerzeremonien, hypnotischen Pendelbewegungen und Figuren-Aufstellungen ein; Szenen wie man sich in Deutschland Anfang der 90er Jahre Coaching vorstellte, als sich allenfalls Therapeuten dieser neuen Methode zuwandten. Heute wird in nahezu allen Berufsverbänden für Coaches Coaching strikt zu Therapie, Beratung, Training, Mediation und Lehre abgegrenzt: Der Coach unterstützt und beschleunigt die Steigerung des persönlichen und professionellen Potentials des Coachees, wobei die Ergebnisse des Coachings allein aus den Entscheidungen und Handlungen des Klienten herrühren (Definition des ICF). Der Coach berät nicht, er vermittelt nicht und er bringt nichts bei. Der Coach ersetzt keine ärztliche Diagnose und arbeitet nur mit gesunden Klienten. Ideen aus der Esoterik oder Scientology sind ausdrücklich nicht Bestandteil von Coaching. Aber Berufsverbände kamen in der Dokumentation nicht zu Wort. Dann hätte auch der schon im Frühjahr 2015 verabschiedete einheitliche „Coachingstandard" des RTC - dem Round Table der zehn größten deutschen Berufsverbände für Coaches - erwähnt werden müssen. Ebenso wie der Leitfaden zum Qualitätsmanagement im Einzelcoaching des ICF.

Dennoch hört man den Sprecher im Hintergrund besorgt resümieren: „prinzipiell kann jeder als Berater tätig werden und deshalb gibt es in der Branche auch viele schwarze Schafe". Schade, dass sich 3sat mit „Coachingwahn" so wenig Mühe gegeben hat und gedankenlos über „diesen Megatrend der Weiterbildung" schlecht recherchierte Halbwahrheiten, garniert mit Polemik als „3sat-Wissenschaftsdokumentation" ausstrahlt.

Der Erfolgsgeschichte des Coachings, dem „Coachingwahn" wird es keinen Abbruch tun. Allenfalls dem Namen des Senders. Denn im Journalismus ist es wohl wie im Coaching: entweder man arbeitet professionell, Werten und Qualität verpflichtet - oder eben nicht.

In diesem Sinne -

Herzlichst,

Ihre Dr. Geertje Tutschka

PS: Haben Sie Fragen zu Coaching oder den ICF-Qualitätsstandards? Dann freu ich mich über Ihre Nachricht unter office@coachingforlegals.com

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