Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Geertje Tutschka Headshot

Wie man durch nachgeben, zum besseren Anführer wird

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

In diesem Artikel stellt unsere CLP-Referentin Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer Ihr Kompetenzthema „Networking" unter einem weiteren Aspekt - nämlich dem des Nachgebens - vor: Führen Sie durch Nachgeben.

„Sie können im Leben alles, was Sie wollen, bekommen, wenn Sie andere dabei unterstützen, dass zu bekommen, was sie wollen." So ähnlich sagte es vor mehr als drei Jahren mein Coach zu mir. Ich wollte es zu Beginn gar nicht glauben, dass ich vor allem aufgrund meiner Profession als Juristin führen könne, indem ich nachgebe.

Strategisch nachgeben

Ok, ich gestehe: Es funktioniert möglicherweise nicht immer vor Gericht, besonders dann nicht, wenn der Mandant eine klare Zielrichtung vorgegeben hat. Aber häufig genug geht es auch dort darum, das Ziel strategisch anzugehen und im Einzelfall nachzugeben.

Das bedeutet, nach neuen Wegen oder möglicherweise einem anderen Ergebnis zu suchen, um gemeinsam ein größeres Ziel zu erreichen, wie beispielsweise ein längeres gerichtliches Verfahren endlich abzuschließen und die Parteien auf Dauer zu befrieden. Nachgeben bedeutet also nicht aufzugeben, sondern die Situation so zu gestalten, dass alle etwas gewinnen.

Meine Feststellung in der Praxis ergab: Am einfachsten erreiche ich meine Ziele im Business, aber auch in anderen Bereichen, wenn ich mich einlasse und mich frage, wie könnte der Weg zu meinem gewünschten Ergebnis noch aussehen. Wenn ich andere dabei unterstütze zu bekommen, was sie wollen, dann tun diese - direkt oder indirekt - auch sehr viel für mich.

Zudem wurde mir bewußt, dass für mich sehr viel weniger nicht verhandelbar ist. Mit der Zielsetzung, möglichst „win-win"-Situationen zu schaffen, habe ich eine neue Flexibilität in meinem Job sowie im Alltag erlangt. Ganz nach der Devise „will ich Recht haben bzw. behalten oder doch lieber glücklich sein".

Anstelle von „glücklich sein" kann das Ziel auch heißen, im Business ein bestimmtes Ergebnis für den Mandanten zu erreichen oder gutes Geld zu verdienen. Die Formulierung lässt sich fast beliebig fortsetzen. In der Praxis habe ich festgestellt, dass viele Menschen, vor allem die meiner Berufsgruppe lieber - manchmal sogar um jeden Preis - Recht haben und dies dann auch hören wollen. Nichts lieber als das für mich, seit dem ich weiß, dass mich der andere dann häufig noch viel mehr unterstützen wird.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Beispiele gefällig? Obwohl ich viel zu tun habe, unterstütze ich meinen Chef dabei, ein für ihn sehr wichtiges, von Dritten durchaus kritische gesehenes Projekt erfolgreich umzusetzen. Im Gegenzug setzt er sich dafür ein, dass ich die Fortbildung besuchen kann, die ich mir ausgesucht habe. Ich übernehme ein zusätzliches Projekt in der Kanzlei, im Gegezug dazu bietet mir „zufällig" ein Kollege, dem ich davon erzähle, seine Unterstützung an.

Ich kümmere mich an einem Abend - für den ich andere Pläne hätte - um ein rechtliches Problem meines Nachbarn, dafür übernimmt er es, den Handwerker in meine Wohnung zu lassen und erspart mir so einen unfreiwilligen Urlaubstag. ... Mit anderen Worten: es geht nicht immer so aus, wie ich es mir am Anfang vorgestellt habe.

Dennoch lohnt es sich im Berufs- oder Privatleben häufig, nach einer Lösung des (vermeintlichen) Problems zu suchen und nicht auf dem eigenen Standpunkt zu beharren. Wer viel (nach-)gibt, kann viel gewinnen.

Meine fünf Schritte zum Erfolg

Damit es auch Ihnen „Führen durch NachGEBEN" im Business sowie im Privatleben gelingt, verrate ich Ihnen an dieser Stelle meine fünf Schritte zum Erfolg:

Schritt 1:

Stellen Sie sich die Grundsatzfrage: Wollen Sie „Recht haben bzw. behalten" oder Ihr Ziel erreichen und glücklich sein? Seien Sie sich klar, was Sie wollen, und gehen Sie dafür!

Schritt 2:

Kommunizieren Sie wertschätzend, mit offenem Herzen und anerkennender Haltung Ihr gewünschtes Ergebnis.

Schritt 3:

Beobachten Sie den anderen und fragen Sie, was er braucht, und wie Sie ihn bei seiner Zielerreichung unterstützen können. Hören Sie sich die Argumente des anderen an.

Schritt 4:

Überlegen Sie sich, was es für eine WIN-WIN-Situation braucht. Wie könnte die Lösung und/oder der Weg dahin noch aussehen?

Schritt 5:

Führen den/die Anderen, indem Sie im passenden Moment nachgeben und die Energie Ihres Gegenüber nutzen.

Wie so häufig in der Kommunikation ist mein Gegenüber mein Spiegel, an dem ich sehen kann, ob es mir gelungen ist, eine WIN-WIN-Situation zu schaffen.

Sie können den Unterschied machen: Wenn nicht Sie, wer dann?

Dr. Anja Schäfer ist Rechtsanwältin und Business Coach. Alle Infos finden sie unter www.coachingforlegals.com.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.