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Gaston Vizsla: Meine Kumpels in Indien

28/02/2015 14:33 CET | Aktualisiert 30/04/2015 11:12 CEST

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Ich habe mich mal wieder umgehört, wie es bei meinen Kumpels in der Welt so aussieht. Habe da ein paar Neuigkeiten aus Indien. Dort ist ein Tierärzteteam von VIER PFOTEN in die Hafenstadt Chennai an der Ostküste Süd-Indiens gereist, um zusammen mit der indischen Tierschutzorganisation Blue Cross of India verletzte oder kranke Streunerhunde sowie andere notleidende Tiere zu verarzten, zu kastrieren und zu impfen.

Das Team von VIER PFOTEN behandelt im Tierheim von Blue Cross of India zwei Wochen lang kostenlos Tiere, die von der Stadtverwaltung oder Privatpersonen gebracht werden. Die Tierärzte der Partnerorganisation kastrieren und versorgen seit Jahren hunderte von Streunerhunden im Monat. Doch es gibt weit mehr tierische Patienten als Tierärzte. Jeden Tag kommen LKW-Ladungen mit Hunden und anderen Tieren im Tierheim an.

2015-02-27-1DieTierrztevonVIERPFOTENbehandelndieStreunerkostenloscVIERPFOTENLarge.JPG Die Tierärzte von VIER PFOTEN behandeln die Streuner kostenlos.

Das bedeutet Arbeit von früh morgens bis spät abends für die Tierärzte. Auf dem Operationstisch von der Teamleiterin Dr. Anca Tomescu liegen täglich Dutzende Hunde, die sie kastriert und impft. Außerdem etliche Notfälle: Ob Vogel, Affe, Kuh, Schlange, Hund oder Katze - sie nimmt jeden Patienten und jede Herausforderung an, um Leben zu retten. Das finde ich ganz klasse, solche Leute müsste es viel mehr auf unserer Welt geben.

2015-02-27-2VieleStraenhundeinIndiensindvlligabgemagertcVIERPFOTENLarge.JPG Viele Straßenhunde sind total abgemagert.

"Indische Tierärzte sind sehr gut, aber sie können die riesige Anzahl an leidenden Tieren nicht alleine bewältigen. Hier kann ich meinen Beruf als Tierärztin praktizieren. Ich kann nicht in Worte fassen, wie glücklich ich mich fühle, wenn ich das Leben eines Tieres gerettet habe", betont Dr. Tomescu.

2015-02-27-4DerKiefervonHndinDarlingwargebrochen_2cVIERPFOTENLarge.JPG Der Kiefer von Hündin Darling wurde von Menschen gebrochen.

Und sie erzählte auch von der misshandelten jungen Hündin, die ins Tierheim gebracht wurde. Jemand hatte ihr den Kiefer gebrochen. Menschen können so grausam sein! In einer mehrstündigen Operation fixierten Dr. Tomescu und ihr Team ihren Kiefer. Sie gaben ihr den Namen "Darling". Da eine orthopädische Maske für eine solche Verletzung fehlte, konstruierten die Tierärzte kurzerhand eine passende Schutzmaske für sie. Das Hundemädchen hat die Operation zum Glück gut überstanden und ist auf dem Weg der Besserung.

"Es berührt mich sehr, eine verängstigte Hündin wie Darling zu sehen. Obwohl sie schlimme Schmerzen hat, wedelt sie nach ein paar Streicheleinheiten freundlich mit dem Schwanz. Langsam werden wir beste Freunde. Das macht mich irgendwie auch traurig, denn ich frage mich immer, wenn ich sie anschaue: Warum ist sie immer noch so freundlich zu uns Menschen?", sagt die Ärztin.

2015-02-27-3DerKiefervonHndinDarlingwargebrochen_1cVIERPFOTENLarge.JPG Spezielle Schutzmaske für Darling.

Ja, so ging es mir ja auch: Als ausgesetzter Hund musste ich auch erst wieder Vertrauen zu den Menschen aufbauen. Und das ist mir zum Glück gelungen. Dr. Tomescu hofft nun sehr, dass Darling bald ein liebevolles Zuhause findet.

Und dann erzählt sie die unglaubliche Geschichte von einer trächtigen und geschwächten Kuh, die kaum mehr laufen konnte. In einer mehrstündigen Notoperation holten die Tierärzte mehr als 25 Kilogramm Plastikflaschen, Drähte und Plastiktüten aus ihrem Magen. Unglaublich, wie so viel Müll in die arme Kuh passen konnte.

Das sollte besonders die nachdenklich machen, die achtlos Müll auf die Straße werfen, vor allem in einem Land wie Indien, wo Kühe frei herumlaufen. Aber ob die Tierärzte das Leben der Kuh retten konnten, wird sich erst in den nächsten Tagen herausstellen. Ich wünsche es ihr auf jeden Fall.

2015-02-27-6ImMagendieserKuhfandendieTierrzte25kgPlastik_2cVIERPFOTENLarge.JPG 25 Kilo Plastikmüll wurden im Magen dieser Kuh gefunden.

Euch allen ein schönes Wochenende.

Euer Gaston.

Info:

VIER PFOTEN begann die Zusammenarbeit mit Blue Cross of India im Jahr 2007. Seitdem fährt das VIER PFOTEN-Team zweimal im Jahr nach Chennai. In Chennai startete bereits im Jahr 1860 ein Streunerhunde-Tötungsprogramm. Gemäß eines örtlichen Beschlusses von 1919 legalisierten die Behörden das Einfangen und Töten aller Hunde, die auf der Straße ohne Kennzeichnung herumliefen. Von da an wuchs die Zahl der getöteten Hunde stetig. Allerdings wuchs gleichzeitig die Zahl an Tollwuterkrankungen bei Menschen, ebenso die Anzahl an Hunden auf den Straßen. Nach über hundert Jahren Streunerhunde-Massentötungen war das Problem keineswegs gelöst: Weder die Tollwutfälle, noch die Zahl an Streunerhunden waren zurückgegangen.

Blue Cross of India startete im Jahr 1996 ein Kastrationsprogramm, das "Animal Birth Control programme", das in Chennai und Umgebung sowie in Japura umgesetzt wird. Das Ziel des ABC-Programms ist nicht nur, die Anzahl an Streunerhunden auf humane Weise zu reduzieren, sondern auch die Anzahl an Tollwutfällen. Nach der Umsetzung des Kastrationsprogramms in Chennai ist die Zahl von an Tollwut gestorbenen Menschen von 120 (im Jahr 1996) auf fünf (im Jahr 2004) gesunken.

Mehr zum Thema Tierschutz auf meinem Blog!

Fotos: Nicola Mesken (1), VIER PFOTEN (5)


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