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Vom Nutzen der 62 Reichsten

27/01/2016 15:05 CET | Aktualisiert 27/01/2017 11:12 CET
Thinkstock

Die Studie der Oxfam-Organisation, die nichts dagegen hat, als straff links eingeordnet zu werden, hat die 62 Reichsten der Welt namentlich genannt und ausgerechnet, dass diese genauso viel Vermögen besäßen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. Kann stimmen. Vielleicht darf man auch mal fragen: „Ist das so schlimm?" ohne gesteinigt zu werden. Die Frage ist doch, schadet oder nutzt das der Menschheit?

Halten wir erst einmal fest, dass es der anderen Hälfte der Menschheit, immerhin 3,5 Mrd. Menschen, unbestritten gut geht. Ist doch schon mal was.

Dann zur ärmeren Hälfte. Die UNO konstatiert, dass weltweit ein Rückgang der Armut stattfand und stattfindet. Die Lebenserwartung in Afrika z.B. ist zwischen 1950 und 2010 von 38,2 auf 55,2 Jahre gestiegen, ein Indikator für höheren Lebensstandard. In Asien stieg sie übrigens von 43 auf 69 Jahre.

Die Armutsquote sank von 1980 bis 2005 von 52% auf 26%, gemessen an Standards der UNO, ein klares Wohlstandsplus. Vorreiter waren natürlich China und Indien, die ihre kommunistischen oder sozialistisch geprägten Systeme weitgehend abschüttelten und zur Überwindung von Armut auf marktwirtschaftliche Elemente setzten.

Für den weltweiten Rückgang der Armut insgesamt nennt die UNO folgende Fakten: Politikwechsel, weniger Bürgerkriege, besseres Rechtssystem und verbesserte Infrastruktur. Auch die Globalisierung, das soll nicht verschwiegen werden, hat neben manchem Nachteil auch viele Impulse, gerade für die Dritte Welt gebracht.

Die Weltbank nennt noch klarere Zahlen: lebten 1981 noch fast 2 Mrd. Menschen noch 44% unter der absoluten Armutsgrenze, sind es heute nur noch 12,7%, obwohl die Armutsgrenze erhöht wurde.

Problemfälle, die eine weitere oder schneller Armutsbekämpfung behindern ist der Export der EU von subventionierten Lebensmittel in Entwicklungsländer, da hierdurch die Kleinbauern zur Aufgabe der Felder gezwungen werden. Da drückt sich die EU, es könnten ja die europäischen Bauern Ärger machen. Auch korrupte Regime oder mangelnde Steuereinnahmen durch die Nutzung von Steueroasen sind Negativfaktoren.

Man klagt multinationalen Konzerne des öfteren an, Sitzverlagerungen in Steueroasen zur Gewinnoptimierung zu nutzen. Nüchtern betrachtet, nehmen die Konzerne eigentlich nur Angebote von Staaten an, um gegenüber den Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben.

Was oft vergessen wird, mit den anrüchigen Steueroasen (es werden immer weniger) lassen sich zwar die Gewinnsteuern senken, Mehrwertsteuer, Gewerbesteuer, Lohnsteuer und Sozialabgaben müssen auch bei trickreicher Verschiebung von Gewinnen korrekt gezahlt werden, und das nicht zu knapp! Und, die Oasen sind ja nicht von den multinationalen Konzernen geschaffen worden, sondern von Politikern.

Steueroasen befinden sich übrigens nicht nur in der Karibik und an exotische Adressen, es beginnt bei Irland, Amsterdam und Delaware/USA. Zusammengefasst: Es wird ein zäher Kampf werden, die Niedrigsteuerländer zum Einlenken zu bewegen, aber die Verhandlungen mit der Schweiz haben gezeigt, dass es geht.

Zurück zu den 62 Reichsten. Deren Geld ist vorrangig in ihren Unternehmen mit all deren Grundstücken, Gebäuden und Maschinen angelegt, dazu kommt sicher noch ein Sümmchen Barvermögen. Die Oxfam-Liste, in der leider Putin mit einem von CNN geschätzten Vermögen von ca. 200 Mrd. fehlt, war natürlich Wasser auf die Mühlen der Umverteilungs-Aktivisten.

Ich habe mal nachgerechnet: Würde man das Vermögen der 62 Superreichen enteignen, liquidieren und auf die 7 Mrd. Weltbevölkerung verteilen, bekäme jeder ca. 260,- Euro. Da würde man vielen kurzfristig eine Freude machen, zugegeben. Aber dann wären mit dem Vermögen der Reichen auch die Quellen ihres Reichtums, ihre Unternehmen, verhökert, geschlossen und weg.

Weg wären in Deutschland die Aldi- und Lidlgeschäfte, die BMW-Fabriken, die Schaeffler-Kugellagerwerke und der Otto-Versand. Diese und viele andere Unternehmen müssten bei Verfolgung der Umverteilungs-Ideen zerschlagen und zu Geld gemacht werden, sonst ist ja keines zum Verteilen da.

Der Zusammenhang zwischen zunehmendem Reichtum und abnehmender Armut ist nicht einfach nachzuvollziehen. Der Vorwurf der Ungleichheit zieht nur auf den ersten Blick. Wäre Gleichheit ein Erfolgsfaktor, müsste Nordkorea auf dem ersten Platz der Wohlstandsskala stehen.

Lässt man mal Neid, Missgunst und Ideologie weg, könnte es vielleicht auch sein, dass die ungleiche Vermögensverteilung gerade denen Vorteile bringt, die von der weltweiten Investitions- und Innovationskraft der Groß-Unternehmen profitieren? Die Millionen von Arbeitsplätzen, die den Mitarbeitern und den Zulieferern Wohlstand bringen und dem Staat die Steuern? Es gibt einen hohen,weltweiten Nutzen von der derzeitigen Vermögensstruktur.

Natürlich ist es gefährlich und nicht unbedenklich, die höchsten Vermögenswerte auf wenige Personen zu konzentrieren. Auch würde ich mich über ein Stück vom Bill-Gates-Vermögen freuen. Aber, da heißt es, mit kühlem Kopf die Vor- und Nachteile abzuwägen. Solange es gleichzeitig zum Anstieg des Reichtums einen Rückgang der Armut gibt, kann es die oft vermutete Bereicherung auf Kosten der Ärmeren eigentlich nicht geben. Vielleicht ist gerade die Ungleichheit ein Antriebselement für den Massenwohlstand.

Günter Morsbach

Herausgeber „Reitender Bote -

die kürzeste Wochenzeitung der Welt"

www.reitender-bote.de

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