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Rettet die Sparer - nicht die Banken!

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MONEY SAVING
Sally Anscombe via Getty Images
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Es ist mal wieder so weit, die Steuerzahler sollen marode Banken retten. Welch ein unverschämter Hilferuf. Nach der Lehmanpleite und der anschließenden Finanzkrise im Jahr 2008 sollte doch damit Schluss sein. Ein nochmaliger Raubzug von Banken zu Lasten der europäischen Steuerkassen sollte nicht mehr möglich sein.

Zumindest wurde uns das von den führenden Europapolitikern und der Europäischen Zentralbank erzählt. Die Botschaft lautete: „Wir haben gelernt". Vorrangig sollten künftig bei drohenden Insolvenzen die Bankeigentümer und die Bankkunden herangezogen werden. Der Steuerzahler bleibe außen vor.

Die Bankenunion sei ein Schutzschild aus Haftungsrücklagen europäischer Banken, damit sollten sich Europas Banken gegenseitig helfen, den Ausfall zahlungsunfähiger Häuser abzufedern. Soweit die Theorie.

Italien als Glaubwürdigkeitstest

In Italien an erster Stelle lässt es sich aber nicht mehr vertuschen, dass der Putz von den Stützen einiger Bankpaläste bröckelt, den ersten droht der Einsturz. Und schon beginnt das altbekannte Ritual wieder, der Ruf nach Banken-Rettung durch die Politik und die Staatskasse. Das hört sich alles erst mal so an, dass man sich Sorgen um den kleinen Mann mache.

Rentner hätten doch ihre Ersparnisse im guten Glauben deponiert und diese Gelder kann man doch nicht einfach im Sog eines Konkurses verschwinden lassen. Da soll doch der Staat lieber die Bank retten und damit Verluste für die Sparer tunlichst vermeiden. Dies sei doch ein soziales Gebot.

Dass nebenbei überbezahlte Bankmanager mit ihren dubiosen Boni, eiskalte Spekulanten, verschlagene Vertuscher, unfähige Aufsichtsräte, naive oder vielleicht korrupte Politiker ihre eigene Haut retten möchten, all das wird durch das angeblich soziale Sendungsbewusstsein verdrängt.

In Italien fängt es an. Premier Renzi sucht eine Mehrheit in Europa für den Bruch der Bankenunion-Verträge. Er hat sogar gute Karten, denn vielleicht haben Europas Politiker nach der Volksabstimmung zum Brexit einfach Angst, dass in Italien die Bank-Geschädigten ebenfalls eine Austrittsstimmung aus dieser angeblich unsozialen EU anfachen würden. Das hieße dann: lieber Verträge brechen statt ein Referendum und den Amtsverlust zu riskieren. Nein, Bankenrettung als Wahlhilfe, das darf einfach nicht sein.

Was macht man mit den Sparern?

Die Insolvenz ist das Ende für überflüssige Marktteilnehmer. Wer sich bankrott gewirtschaftet hat, muss für die Besseren Platz machen und vom Markt verschwinden. Nur so werden Branchen wieder gesund. Es darf schon gleich gar nicht die Rettung aus Steuermitteln als Belohnung für die gescheiterten Eigentümer, Manager und die involvierten Mittäter geben.

Wenn der Staat aus irgendwelchen Gründen bereit ist, den bedrohten Sparern zu helfen, dann soll er doch das Geld über die garantierten 100.000 Euro pro Person hinaus als Nothilfe direkt an die Betroffenen zahlen. Das wäre als soziale Tat zu rechtfertigen. Überflüssige, herunter gewirtschaftete Banken zu retten ist in höchstem Grade asozial. Und Verträge wie die zur Bankenunion zu brechen, wäre der nächste Sargnagel für Europa.

Günter Morsbach
Herausgeber „Reitender Bote -
die kürzeste Wochenzeitung der Welt"
www.wpt-verlag.de

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