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Herr Stoiber, es reicht!

17/12/2016 10:23 CET | Aktualisiert 17/12/2016 10:25 CET

Der peinlich gewordener Merkel-Stalker

Er hat sich festgebissen, festgebissen an der Kanzlerin. Warum, das weiß keiner so recht. Insider meinen, er hätte seine Niederlage gegen Schröder und die anschließende Kanzlerwahl Merkels nicht verkraftet. Andere meinen er sei beleidigt, weil Frau Merkel ihn drei mal bei der Wahl eines neuen Bundespräsidenten übergangen habe. Jedenfalls sitzt es tief und irgend etwas muss er der Kanzlerin bei jeder Gelegenheit verbittert zurückzahlen. In der Ausgabe von „Hart aber fair" vom 12.12.2016 gebrauchte Stoiber im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise und seiner Merkel-Kritik gefühlte 50 mal das Wort „Unkontrolliert" und packte gerade noch unterhalb der offenen Feindseligkeit alles Negative in Folge der Flüchtlingskrise in seine Wortbeiträge. Er und seine Echoloten Seehofer und Söder beginnen ihre Anti-Merkel-Wortmeldungen immer wieder mit dem Satz „Merkel hat die Grenzen geöffnet". Nein, meine Herren, die Grenzen waren durch das Schengen-Abkommen seit dem 26.03.1995 offen. Keine bewaffneten Grenzposten mehr, kein Schlagbaum und kein Stacheldraht. Und jetzt stelle ich mir mal vor, wie man die geographische Grenze bei dem Ansturm von ca. 300.000 zu allem entschlossenen, hungrigen, durstigen, kranken und verzweifelten Flüchtlingen kontrolliert hätte. Deutschland mit Stacheldraht einzuzäunen hätte etwa ein Jahr nach Schätzung der Zaun-Hersteller gedauert. Und es wäre ein Flop geworden. Dazu hundert aus dem Ruhestand kurzfristig reaktivierte Grenzbeamte, ausgerüstet mit Biertischen, ein paar Stempeln und Stempelkissen in zugigen Zelten neben die Autobahn stellen? Woher eine Kompanie von Dolmetschern nehmen? Dazu patroullierende Soldaten, die Furcht einflößend aber passiv zuschauen müssen, wie die Flüchtenden über Wiesen, Almen, Gebirgspfade und Wälder einreisen? Vagabundierende Menschengruppen, die Kontrollpunkte umgehen und umherirren? Was hätte man denn so perfekt kontrollieren können? Pässe hatten die meisten nicht dabei, gefälschte Pässe sind unter Zeitdruck nicht so leicht zu erkennen und der IS hatte genug vorgedruckte echte Pässe erbeutet, die für einen Grenzbeamter sehr schwer als unrechtmäßig zu identifizieren waren. Kontrollen wären kein Schutz vor Verbrechern, sondern bestenfalls eine Alibi-Show mit Stempelorgien gewesen.

Niemals hätten die Deutschen in den täglichen Nachrichten Bilder von ihrer Grenze mit dem Anblick frierender und durchnässter Kinder, Mütter und Großmütter, im Schlamm kampierend, ertragen. Menschenrechtsorganisationen hätten zu Demonstrationen an der Grenze aufgerufen, Innenstadt-Demos wären jeden Tag angesagt gewesen. Die Kameras der Welt hätten ein unerträgliches Bild Deutschlands, bestehend aus sterbenden Flüchtlingen, brennenden Untgerkünften und Pegida gezeigt, spätestens dann hätte man einfach einreisen lassen müssen. Ein Idomeni an Deutschlands Grenzen, nie hätten wir diesen Druck ausgehalten, denn wir sind mit Mazedonien nicht vergleichbar.

Für die Seele des deutschen Michel klingt „kontrolliert" einfach zu gut. Es ist das Zauberwort der Stoibers, Seehofers und Söders geworden. Das suggeriert, kontrollierte Flüchtlinge wären eine Sicherheitsgarantie gewesen. Klar, es sind Bösewichte mit durchgerutscht aber auch kontrollierte Flüchtlinge sind deswegen noch lange keine durchwegs guten Flüchtlinge. Wären 800.000 Deutsche geflüchtet, dann wären genauso potentielle Straftäter mit dabei gewesen. Nehmen wir beispielsweise den Fall des 17-jährigen, dem in Freiburg die Vergewaltigung und der Mord an einer Studentin vorgeworfen wird. Wer hätte denn bei Kontrollen feststellen wollen, dass der junge Mann diese Veranlagung hat? Und nicht vergessen: Die Attentäter von Belgien und Paris waren in Belgien geborene Männer, die mit belgischem Pass völlig kontrolliert über die Grenzen fuhren oder Flüge nutzten, Deutschland, Belgien, Frankreich, Türkei und zurück.

Edmund Stoiber war ein hervorragender Ministerpräsident. Er hat Bayern modernisiert und tatkräftig voran gebracht. Er hat die Verschuldung gestoppt und mit einem Sparprogramm den Haushalt zukunftsfähig gemacht. Für seine Amtszeit gebührt ihm Dank und Anerkennung. Aber in seiner Rolle als Merkel-Stalker und Scharfmacher wirkt er peinlich, das braucht niemand. Time to say goodbye.

Günter Morsbach

Herausgeber „Reitender Bote -

die kürzeste Wochenzeitung der Welt"

www.reitender-bote.de

PS: Ich war kürzlich in Salzburg. In einem Wirtshaus auf der österreichischen Seite gab man uns unaufgefordert Tipps, wie ich zur Vermeidung von Wartezeiten über die Landstraße unkontrolliert nach Bayern einreisen könnte.

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