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War es nicht erst gestern?

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Ich fühle mich eigentlich noch viel zu jung, um diesen Satz zu sagen, aber als ich meinen Sohn von der Theaterprobe um 19 Uhr 30 (*keuch*!) in der HIGH SCHOOL (*doppelkeuch*!) abholte und auf das Schulgelände bog, da ging mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf - schuld waren sicher zu viele Glückwunschkarten, die Werbung und all die kitschigen Fernsehfilme - dass es doch erst gestern gewesen war, dass mein Vater MICH von der High School abholte!

War es nicht erst gestern, dass ich auf dem Beifahrersitz saß und mir den Hals verdrehte, um mich mit meiner besten Freundin auf dem Rücksitz zu unterhalten?

Wie konnte es nur passieren, dass die Elternschaft plötzlich zu einem Ticket ohne Rückfahrt direkt in jedes Cliché wird? „Alles geht so schnell vorbei, wie ein einziger kurzer Augenblick, ein Zwinkern, ich wünschte, ich könnte es verlangsamen."

Langsam wird er zu einem Mann, mal in Zeitlupe, mal schnell

Ich fühle das gleiche, wie jede andere Mutter im Laufe der Geschichte: Schock, Nostalgie, ein Sehnen, drohende Sterblichkeit und eine Uhr, die mit jedem Tag, an dem die Kinder ein Stück weiter wachsen, etwas lauter tickt.

Tränen stiegen mir in die Augen, als ich mich in die Schlange von Autos der anderen Eltern einreihte, die darauf warteten, ihre Kinder von den nachmittäglichen Arbeitsgemeinschaften aus der Schule abzuholen.

Mehr zum Thema: So ist Muttersein wirklich

Er ist so erwachsen, er war schon immer so weise, seine großen braunen Augen sind dazu geschaffen, mir einen schelmischen Blick zuzuwerfen und mich herauszufordern, er versetzt mich in eine immerwährende Ehrfurcht.

Er war immer schon sehr reif, aber sein Auftreten entwickelt sich weiter, langsam wird er zu einem Mann. Und alles geschieht vor meinen Augen, mal in Zeitlupe, mal im Schnelldurchlauf.

Ich begriff die Intensität der Liebe nicht

Bin ich nicht gestern erst mit ihm aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen? Ein kleiner, leichter, duftender Mensch, den ich nicht verstand. Ich begriff die Intensität der Liebe nicht, die mein Herz geben konnte, bis er das erste Mal weinte.

Vor seiner Geburt machte ich mir keine falschen romantischen Vorstellungen von der Mutterschaft. Ich machte mir ganz realistische Vorstellungen von einem harten und schwierigen Alltag, den ich genauso gerne vorspulen wie verlangsamen würde.

Während ich mir Gedanken über den Menschen machte, den ich formen würde, dachte ich nie an die Reise und die Lebenslehren, die diesen Weg färben würden. Kleine Brotkrumen voller Einsicht, die Kinder für ihre Eltern hinterlassen.

War es nicht erst gestern, dass er anfing zu krabbeln?

War es nicht erst gestern, dass ich mir Gedanken über das Stillen, Durchschnittswerte und über die Bauchzeit machte? War es nicht erst gestern, dass er anfing zu krabbeln, zu laufen, fahrradzufahren, zu schwimmen, Ski zu fahren und zu surfen?

War es nicht erst gestern, dass ich ihn nach einem ganzen Tag in Disneyland im Bus tragen musste? War es nicht erst gestern, dass er am Morgen nur mit viel Überzeugungsarbeit aufstehen mochte? War es nicht erst gestern, dass ich ihm jeden Abend Beautiful Boys von John Lennon vorsang?

Er klingt genau wie ich

Das war nicht gestern. Das war vor 14 Jahren. Er steigt ins Auto, eine schwarze Lederjacke und den Rucksack lässig über der Schulter. Er lächelt.

„Wie war die Kostümprobe?" frage ich.

„Das war der größte Mist aller Zeiten", sagt er, und ich strahle vor Stolz, den er klingt genau wie ich. „Aber die gute Nachricht ist: Ich liebe mein Kostüm!"

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt

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