BLOG

Zeigt Gesicht für ein weltoffenes Europa

17/09/2015 16:00 CEST | Aktualisiert 17/09/2016 11:12 CEST
Getty

Schlagzeilen, Sondersendungen, Talkshows, Krisengespräche auf nationaler und europäischer Ebene ... kein Tag ohne Nachrichten zum Thema „Flüchtlingskrise" und die Sorge, die Stimmung im Land könnte angesichts einer Million Flüchtlinge „kippen" von einer bemerkenswerten Willkommenskultur hin zu Ablehnung und Aggression.

Der aufkeimenden Angst vor „Überfremdung" muss die Politik mit ehrlichen Antworten begegnen und dabei sauber differenzieren zwischen Kriegsflüchtlingen und sog. Wirtschaftsflüchtlingen. Auch eigenes Versagen muss offen angesprochen werden.

Es muss jetzt eine zivilgesellschaftliche Bewegung angestoßen werden

Der entsetzliche Bürgerkrieg in Syrien ist eine der Hauptursachen der aktuellen Migration nach Europa. Der Bürgerkrieg wird von unterschiedlichen Akteuren der Weltpolitik offen oder verdeckt genährt.

Es muss jetzt eine zivilgesellschaftliche Bewegung angestoßen werden, um die maßgeblichen Regierungen und den Weltsicherheitsrat zum positiven Handeln aufzufordern. Aktuell ist vor allem eine internationale Syrienkonferenz unter Einschluss Russlands, Saudi-Arabiens, des Irans und der Türkei unerlässlich, die wir mittels einer Petition anregen wollen.

Eine Syrienkonferenz unter Einbeziehung Russlands könnte möglicherweise auch den dringend nötigen Neuanfang bei den Beziehungen zwischen der EU und Russland mit sich bringen.

Der stärkste Druck für Flucht entsteht durch Krieg, Armut und Hunger

Aus eigener familiärer Erfahrung weiß ich, dass niemand seine Heimat gerne verlässt. Der stärkste Druck für Flucht entsteht durch Krieg, Armut und Hunger.

Wer sich auf den gefährlichen Weg macht, hat nichts mehr zu verlieren, schlimmstenfalls das Leben. Und viele Menschen lassen ihr Leben im Mittelmeer, auf langen Märschen oder im Laderaum eines Schlepperlastwagens.

Gelingt die verzweifelte Flucht, wird ein Neuanfang erschwert durch sprachliche, kulturelle und religiöse Unterschiede einerseits, durch Vorurteile, Vorbehalte bis hin zu Aggression andererseits. Deutschland liegt im Herzen Europas und hat, historisch betrachtet, immer wieder große Migrationswellen positiv bewältigt.

Ohne Frage stehen wir dieser Tage ob der anschwellenden Zahl von Flüchtlingen vor einer großen Herausforderung. Wer, wenn nicht wir mit der Erfahrung von Millionen von Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg und einer Wiedervereinigung, sollte das schaffen? Wir sind in jeder Hinsicht ein weltoffenes Land und haben für motivierte, kluge und kreative Köpfe Platz, aber auch ein Herz für die, die wieder zu Kräften kommen müssen, um zu lernen und den Aufbau der verlassenen Heimat mitzugestalten.

Wissen bildet das Gewissen und daher müssen diffuse Ängste ernst genommen und aufgelöst werden. Rassisten zeigen wir die „rote Karte". Alle anderen haben das Recht, mit ihren Sorgen und Nöten gehört zu werden, ob Flüchtling oder „Wutbürger". Niemand darf sozial und gesellschaftlich „abgehängt" werden.

Wir müssen die Krisen und Kriege der Welt aktiv angehen

Dass wir in Deutschland oder Europa nicht alle Flüchtenden aufnehmen können, ist eine Realität. Was wir aber können, ja müssen, ist, die Krisen und Kriege der Welt aktiv anzugehen und das auf Ausbeutung angelegte Finanz- und Wirtschaftssystem so zu verändern, dass ein gutes, ein würdiges Leben für alle möglich wird.

„Mensch vor Wirtschaft" lautet die Devise der ÖDP. Wir laden alle ein, an der Überarbeitung dieses ausbeuterischen und ausgrenzenden Wirtschaftssystems gestaltend mitzuwirken. Die ÖDP ist die einzige Postwachstumspartei, frei von Konzernspenden und gegen Waffenexporte.

Wir wenden uns entschieden gegen Freihandelsabkommen, die wenige Beteiligte zu Gewinnern und den Rest der Welt zu Verlierern macht. FairHandel statt Freihandel heißt die ÖDP-Devise. Unsere Aufmerksamkeit und unser Zuspruch gelten dem Alternativen Handelsmandat. Und wir müssen konsequent Klimaschutzmaßnahmen ergreifen.

Wenn wir das erklärte „2-Grad-Ziel" verfehlen, wird sich eine unvorstellbare Zahl von sog. Klimaflüchtlingen auf den Weg machen. Es ist unser „way of life", der Fluchtursachen befördert und Menschenschicksale besiegelt. Es ist unsere Verantwortung.

Nicht der Flüchtlingsstrom ist die Krise. Nein, das von Menschen gemachte kannibalische System, um mit Jean Ziegler zu sprechen, ist das Problem, das es zu korrigieren gilt.

Wir schaffen es nur, wenn wir unsere Verantwortung annehmen

Deutschland, Europa hat nun die Wahl: Schaffen wir es in der jetzigen Situation, unsere über Jahrhunderte erkämpften Werte zu verteidigen oder zerbrechen wir an den Aufgaben, die es nun mit vereinten Kräften zu meistern gilt. Ja, wir können es schaffen. Aber wir schaffen es nur, wenn wir unsere Verantwortung annehmen, solidarisch zusammenstehen und im Flüchtling den Menschen sehen.

Ich arbeite daran, dass wir es schaffen und rufe auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu auf, Gesicht für ein weltoffenes Europa zu zeigen!

2015-08-06-1438870629-2559366-10000.png

200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

Seit dieser Aktion erreichen uns täglich weitere Dutzende Beiträge zu diesem Thema. Wenn Sie sich an der Diskussion mit einem eigenen Artikel beteiligen wollen, schreiben Sie an blog@huffingtonpost.de.

Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Sie schlafen auf dem Boden und frieren: So ergeht es Flüchtlingen in Ungarn

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft