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Public Disgrace. Nicht die Nackte ist sexistisch, sondern der Neandertaler, der damit nicht umgehen kann!

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Das ist nicht sexistisch. Wenn Frauen ihren Körper zeigen, hat das nichts mit ihrem Intellekt zu tun. Reduziert werden sie von den Neandertalern, die mit der Nacktheit nicht umgehen können.

Wenn ein Mann eine Frau als Spermamülleimer ansieht: Was sagt das über sein Verhältnis zu seinem Erbgut aus? Es hat für ihn einen ähnlichen Stellenwert wie sein Kot. Uns was sagt das später einmal über sein Verhältnis zu seinen Kindern aus, die aus diesem „Kot" entstanden sind?

Es sollte doch sein wertvollstes Gut sein oder nicht? Ist bei der Pferdezucht zumindest so, bei Menschen scheinbar nicht. Penis oder Vulva. Das sind Haut, Fleisch und menschliche Ergüsse. Nicht weniger und nicht mehr ekelhaft. Wenn aber der Mann seine Ergüsse als „Kot" ansieht, wird er es nicht in den Mund nehmen. Er benutzt es schließlich zum „beschmutzen" von Frauen.

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Homophobie oder Frauenhass haben etwas mit Selbstekel zu tun. Später entwickelt sich dieser Selbstekel zu Ekel gegenüber seiner Kinder. Sie sind aus dem „Kot" hervorgegangen.

Was soll man auch von einer Gesellschaft erwarten, wo ficken, eigentlich eine schöne Sache, auch gleichzeitig ein Wort ist, was zum Ausdruck bringen soll, dass man jemanden fertig gemacht, gefickt, hat?

Die gestörte Drohung „Fick niemals einen Ficker" habe ich auch schon mal gehört. Soll heißen, er will mich „ficken". In seinem Sprachgebrauch ist es etwas Negatives. Seine Frau hat er doch auch ständig gefickt.

Seine Kinder tun mir leid. Er wird sich vor ihnen ekeln. Sie sind aus der Frau hervorgekommen, die er „gefickt" hat und aus dem Sperma entstanden, welches einen Stellenwert wie Kot für ihn hat.

In dem kontroversen Film „A Serbian Film" geht es um eine Gesellschaft, die vom Staat regelrecht „gefickt" wird. Bereits, wenn das Kind auf die Welt kommt.

Wenn also Pöbelrapper wie „King" Bushido oder „Prince" Kay One „Ich Fick....etc.etc..." singen, sollte man sich Gedanken machen, wie sie zu ihren eigenen Familien stehen. Im Grunde werden auch die Eltern gleich mitbeleidigt, denn man ist auch ein Produkt von Sperma. Also Eltern, Frau und Kind werden im Grunde beleidigt, nur nicht die, die es treffen soll.

Hurensohn und Mutterficker sind Wörter, die aus dem Alltag der Pöbelrapper nicht wegzudenken sind. Wird schon seinen Grund haben.

Deutscher Rap scheint inzestverseucht

Wenn ein Nazi Rapper sowas über Migranten, Ausländer oder Flüchtlinge singt oder sagt, ist es sogar noch viel hohler. Der hat dann wohl das Prinzip seiner Ideologie nicht verstanden, aber um ehrlich zu sein hat Hitler am Ende des Krieges seine Familie ge*****.

Der Saft der Frau ist gut gegen Krebs und Sperma gut gegen Depressionen

Alles was existiert gehört auch zu Gottes Plan, sonst würde es nicht existieren, völlig egal wie irgendwelche heiligen Schriften interpretiert werden. Sie sind auch nur eine Auswahl von allen Evangelien. Wer sagt, dass sie, falls es einen Gott gibt, seinen Willen repräsentieren? Sie wurden von Menschen geschrieben, interpretiert und sind weitgehend fantastische Fabeln.

Schwul oder Transe. Alles was existiert hat eine Daseinsberechtigung. Ein Penis macht noch lange keinen Mann. Was sich im Kopf abspielt ist entscheidend. Und was sich in den meisten Köpfen der Männer abspielt, degradiert sie meist zurück in die Pubertät oder zum Kaffeetratsch. Wirklich männlich sind die Wenigsten.

Wenn mir eine Frau gefällt, ist es mir egal was unten rum los ist. Frau ist Frau. Bailey Jay würde ich nicht von der Bettkante stoßen.

Die Gesellschaft scheint bei all der Homophobie doch tief katholisch zu sein. Das 20ste Jahrhundert ist leider nur eine Zahl. Technischer Fortschritt führt nicht automatisch zu intellektuellem Fortschritt. Ganz im Gegenteil. Es scheint das Denken zu ersetzen oder fast unnötig zu machen. Ganz wie in dem Film Wall-E.

Nur weil es eine handvoll Menschen gibt, die Exoskelette herstellen könnten, heißt das noch lange nicht, dass der Rest der Menschheit auch damit umgehen könnte.

Pornos sind Blockbuster

Pornos sind ungefähr so real wie die Blockbuster im Kino. Man rennt ja auch nicht mit Superkräften ausgestattet los und ballert wild in der Gegend herum. Es ist gestellt. Wenn Männer damit nicht umgehen können, ist die Frau mit dem Falschen zusammen.

Soweit gesetzlich erlaubt, befürworte ich jede Art von Porno. Das heißt aber noch lange nicht, dass man auch alles, was man sieht tun müsste. Es ist pure Fantasie. Es ist gestellt für die Kamera. Pornos sollen stimulieren.

Auch hier wird übertrieben

Im Bett ist man sich nah. Man bekommt nicht die Bilder, die man in den Pornos zu sehen bekommt. Das Fühlen steht im Vordergrund, weniger das Visuelle. Die Regeln sind völlig anders. Pornos riechen nicht. Man muss sich nicht artikulieren, sondern ist den Bildern ausgeliefert. Viel Spielraum ist da nicht. Beim Sex will ich mir zumindest auch nicht dieses seltsame Gestöhne antun, wie es in Pornofilmen so üblich ist.

Die Haut ist leicht errötet. Der Atem ändert sich. Wird wärmer. Die Blicke ändern sich. Und viele subtile Kleinigkeiten. Mehr brauche ich nicht.

Public Disgrace

Wir leben in einer Gesellschaft des gegenseitigen Vorführens. Jeder führt jeden vor. Somit ist es ein fester Bestandteil des Fernsehens, Kinos und auch der Pornoindustrie. Tatsächlich mag ich die Reihe Public Disgrace, bei der sich Frauen selber vorführen und ausprobieren. Eine Sex Achterbahn.

In der Doku „Kink", die von James Franco produziert wurde, wird auf diesen Bereich eingegangen. Sie leben in einem sicheren Rahmen eine Fantasie aus. Deswegen sind sie aber trotzdem keine „Schlampen", oder mehr oder weniger Wert, als andere Frauen.

Sex ist ein Bedürfnis, wie Essen, Trinken oder auf die Toilette zu gehen. Sie hat viele Spielarten. Die romantische Frau will eine monogame Beziehung, aber es gibt auch Frauen, die an anderen Spielarten Interesse haben. Leider scheint die Gesellschaft nicht erwachsen genug zu sein, um damit umgehen zu können.

Frauen, völlig egal welcher Intellekt dahinter auch sein mag, werden von der Gesellschaft geächtet. Das zeigt welches Verhältnis die Gesellschaft, trotz Demokratie, zum Sex hat. Das Verhältnis scheint tief katholisch zu sein.

Nur weil eine Gesellschaft die „Plattform" Demokratie anbietet, heißt es nicht, dass die Menschen das auch leben. Es geht hier eher so zu wie in arabischen Ländern. Die Frau wird als Ware gesehen, sobald sie sich exhibitionistisch auslebt. Das Problem ist meiner Meinung nach nicht die Frau, sondern die Gegenseite, die das nicht toleriert.

Die Frau hat sich nicht zum sexuellen Objekt degradiert, sondern sie hat für einen bestimmten Zeitraum, oder für Gründe, die nur Sie was angehen, ihre Sexualität ausgelebt. Degradiert wird sie von Außen.

Die Gegenseite, die sich minütlich Pornos anschaut, degradiert sie mit Unverständnis und dabei ist die Gesellschaftsstruktur so aufgebaut, dass Pornos oder auch die Prostitution eine Existenzberechtigung haben. Warum also diese Ächtung? Angebot und Nachfrage. Die Männer wollen Pornos, die Frauen, die darin spielen aber nicht respektieren. Was hat Respekt mit Sex zu tun?

Ja. Auch ich projiziere meine Fantasie auf Bilder, Pornos oder Frauen. Nur ist MIR das bewusst. Es sind meine Projektionen. Das ist nicht das Problem der Frau. Schließlich wächst sie als „Erdbeerkuchen" auf.

Die Welt reagiert auf ihre körperlichen Reize. Warum sollte sie die nicht anwenden? Die Gesellschaft, die sie so dressiert hat, macht ihr schließlich aber doch einen Vorwurf daraus. Auch das sollte nicht ihr Problem sein.

Ist es aber. Jennifer Rostock. Der Song „Hengst". Top.

Der Mann wird aufgewertet. Die Frau wird wertlos. Da stimmt doch was nicht. Dabei geht es darum Erfahrungen zu sammeln und neue Spielarten kennen zu lernen. Die Gesellschaft ist und bleibt wohl eine Männerdomäne. Das Ding mit dem Sex muss angegangen werden, wenn sich das ändern soll. Meine Meinung.

Die Pornobranche ist eine einvernehmliche Gesellschaftsstruktur, nur nicht der Umgang mit den Frauen.

Die Geschichte von Jesus zeigt deutlich, dass es ein Bedürfnis danach, gibt Menschen zu ächten. Öffentlich vorzuführen. Sie öffentlich zu erniedrigen. Sie zu demütigen. Niemand, nicht mal die gläubigsten Christen, haben meiner Meinung nach von dieser Geschichte gelernt. Die Auswahl dieser Geschichte ist sicher kein Zufall. Sie ist essenziell.

Wir führen uns vor. Und wir mögen es zu sehen, wie andere Menschen erniedrigt werden. Formate wie die Gong Show, hierzulande Supertalent oder auch DSDS basieren auf diesen niederen Instinkten.

Die Frage ist also nicht, ob es diese Bedürfnisse gibt, sondern wie wir damit umgehen. Es herrscht eine gewaltige Doppelmoral. Die Menschen, die sich diesen Shows hingeben, können auch teilweise nicht abschätzen, was nach einem peinlichen Fernsehauftritt mit ihnen passieren wird.

Abgesehen davon sind das Shows, bei denen ausschließlich die Jury die Stars sind. Am Ende der Staffel gibt es zwar Gewinner, aber meist endet die Karriere auch mit der letzten Show. Da wo sie eigentlich anfangen sollte.

Das ist auch im Kino angekommen. Ob nun in „Scream" dieses Spiel mit dem öffentlichen Sterben ausgereizt wird oder auch später viel direkter bei „Saw 3D". Kevin Williamson, der auch für „The Faculty" oder „Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast" verantwortlich ist, hat das erkannt.

Man sieht es auch in den genannten Filmen. „Saw 3D", der einen Höhepunkt darstellt. Auch wenn es nicht von Kevin Williamson ist, ist vorerst der Abschluss, zumindest für das Kino.

Es ist ein Spiegel der Gesellschaft. Ja wir schauen uns auch solche Filme an, rennen aber nicht gleich los und zerstückeln aufgrund dessen andere Menschen. Solche Störungen waren meist vorher schon im Gehirn des Amokläufers vorhanden. Genau so verhält es sich auch mit Pornos. Es sind Fantasien.

Ich bin mit Büchern von Anais Nin oder Henry Miller aufgewachsen. Ich habe mir auch eher französische Liebesfilme angeschaut, als deutsche. Französische Liebesfilme sind wuchtiger und auch sehr viel ehrlicher. Sie halten die Kamera dahin, wo es wehtut. Liebe ist kein Bett voller Rosen.

Man muss bereit sein, durch die emotionale Hölle zu gehen. Wilde Nächte ist mein alltime Favorite. Es ist das Lebenswerk eines Mannes, der die Geschichte vor seinem realen Tot erzählt. Ein wahres und ehrliches Meisterwerk über die Liebe. Ganz ehrlich. Mit den Worten „Ich liebe Dich" klingt wie „Isch Liebe Disch" ist das ganze Thema schon dahin.

Da kommt den Frauen die Kotze hoch, auch wenn sie es nicht so zeigen. Ich glaube generell, dass Deutsch vielleicht nicht wirklich geeignet ist für romantische Worte. Das Vokabular ist jedenfalls eher wie ein Besuch in der Apotheke. Von so liebevollen Worten wie Fotze bis Pimmel. Es klingt einfach scheiße. Selbst im Englischen klingt das wenigstens noch irgendwie cool, aber auf Deutsch. Es gibt genügend Comedians, die sich darüber lustig machen.

FACEPALM

Mit Femen, was auch sehr gut zum Bereich Public Disgrace gehört, hatte ich zu Beginn auch meine Probleme. Muss man die Brüste zeigen, um seine Meinung zu vermitteln? Mittlerweile sage ich auch „Ja." Die Gesellschaft ist so strukturiert, dass sie sich nicht interessiert, wenn es nicht schockt.

Und sie weisen auch auf kontroverse Themen hin. Sie deuten eben mit der Brust in diese Richtung. Man redet darüber. Ohne ihre Aktionen, würde es keine Gespräche geben. Auch die Presse würde sich nicht für ein paar Mädels interessieren, die an einem abgegrenzten Ort gegen Putin oder sonst wen wettern.

Es ist immer die Gegenseite, die das Problem darstellt. Wie gesagt: Nur weil es eine Demokratie gibt, heißt das noch lange nicht, dass sie in den Köpfen angekommen ist.

Und nur weil es mal eine Emanzipationsbewegung gegeben hat, heißt das nicht, dass man auf halben Wege damit aufhören muss.

Es ist möglich sich einen Porno anzuschauen, später mit der Darstellerin im Kaffee zu sitzen und ein respektvolles oder angeregtes Gespräch zu führen, ohne beleidigend oder abwertend zu sein.

Die Figur James Bond ist vielleicht deswegen von allen Seiten so beliebt, weil er das Wesen der Frau immer respektiert, völlig egal, wie „kriminell" sie ist oder was er mit ihr macht. An eine Ächtung kann ich mich nicht erinnern.

Bond Girls könnte man viel nachsagen. Dummes Liebchen gehört jedenfalls nicht dazu. Sie gelten als sexy und intelligent und sie schlafen nicht mehr oder weniger mit Männern, als Bond mit Frauen.

Bond ist kein Neandertaler

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Fassen wir zusammen: „Fotze", das Geschlechtsteil einer Frau, gilt als eine Beleidigung. „Ich fick Dich" also Sex, ist eine Drohung. „Du Muschi", das Geschlechtsteil einer Frau, gilt als eine Herabwürdigung. Frauennamen vergeben, ist eine Abstufung des Konkurrenten. Die „nervige" Genderdiskussion. Schwule und vor allem Transen erleben anerkannte Diskriminierung.

Deutsche Rapmusik.

Und es soll hier anders sein?

Kopftücher und Burkas überall. Halt nur nicht sichtbar.

© Gabriel „Knight" Wolf

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