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Der "Deutschtürkische Hofnarr" - Du kommst hier net rein!

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"Ich habe nichts oder fast nichts erreicht."

sagte Ignatz Bubis in einem umstrittenen Interview. In dem Theaterstück von Rainer Werner Fassbinder "Der Müll, die Stadt und der Tod" erscheint die Figur des jüdischen Immobilienspekulanten, der eine vermeintliche Anspielung auf den damalig stattfindenden Frankfurter Häuserkampf anspielen sollte. Eine Provokation, auf die die jüdische Gemeinde erstmalig reagierte und meiner Meinung nach zu Recht! Das Theater wurde besetzt, bis erreicht wurde, dass das Stück nicht mehr gespielt wird!

Es hätte ebensogut ein deutscher Immobilienspekulant sein können oder vielleicht einfach ohne eine erkennbare Nationalität und es hätten trotzdem alle gewusst worum es geht: Immobilienspekulanten. Mit dem Zusatz "jüdisch" findet eine Stigmatisierung statt! Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum es so still um die Juden sind, trotz AfD Aufkommen.

Aufschluss hat mir ein Interview mit Michel Friedman mit der FAZ gegeben in dem er sagt.:
"Ich kam von der Schule zornbebend nach Hause, weil ein Mitschüler, den ich nicht hatte abschreiben lassen, mich als „Drecksjude" beschimpft hatte. Ich war stocksauer, mein Gesicht war wutverzerrt. Meine Mutter sagte, ich solle mir im Spiegel diesen Ausdruck ansehen. Dann sagte sie: „Denk daran, dass der Hassende vergifteter ist als der Gehasste."

Wenn die jüdische Gemeinde also reagiert, hat es Hand und Fuss! Doch zu Ignatz Bubis später nochmal.

Der jüdische Immobilienmakler und der deutschtürkische Hofnarr,

nur dass die Deutschtürken diese Rolle akzeptieren. Da will ein Satiriker in die Politik. (Serdar Somuncu) Da schreibt ein Katzenkrimiautor plötzlich ein Buch mit dem Titel "Umvolkung". Akif Pirincci (WTF) Da geht ein Kabaretist durch Berlin "Djangos Reise - Asül bei den Türken" um festzustellen, wie toll ER integriert ist! Da findet es ein Fernsehmoderator lustig, wenn er bei der Passkontrolle mit "Du kommst hier net rein!" empfangen wird. (Kaya Yanar)

Damit solche Gags zünden, müsste heutzutage noch ein "Wir sind das Volk!" davor...schliesslich ist er ja laut der neuesten braunen Wortkreation letztendlich auch nur ein "Passdeutscher!"
Habe ich irgendwen vergessen? Ja der offene Fussfetischist, der ständig auf seine deutsche Mudda anspielen muss. (Bülent Ceylan)

Aber es gibt nicht nur Hofnarren.

Ein deutschtürkischer Tatort Ermittler, der wie folgt beschrieben wird "Sein Türkisch ist schlecht; spricht man ihn auf seine türkischen Wurzeln an, macht er sich eher darüber lustig, anstatt sich mit seiner Herkunft auseinanderzusetzen. Cenk Batu reagiert oft emotional, sein Chef hingegen bleibt gelassen. " (Mehmet Kurtuluş) Quelle: Tatort-Fans.de

Dann doch lieber Schweigen. Warum sich lustig machen? Was ist mit dem Chef? Ich denke an den Film "Das Rettungsboot" von Alfred Hitchcock, der sich in Amerika die Kritik gefallen lassen musste, dass der deutsche Gefange zu intellektuell Überlegen dargestellt wurde.
Also doch ein Hoffnarr, halt nur im Kommissargewand!

Diese ständige Anbiederei!

Wir sind integriert. Ihr nicht! So funktioniert das also. Wenn jetzt also Deutschtürken brav zu Hofnarren werden, sind sie integriert?

Satiriker in der Politik?

Ach hört doch auf! Falstaff ist nicht Henry V. Und Henry V. entledigt sich diesen Verhaltensweisen, während seiner Transformation zum König! Denn er muss ernst genommen werden, um König zu sein. Henry V. und die Geschichte mit Falstaff ist zwar nur eine Nebenhandlung in dem Stück von Shakespeare, aber elementar.

Wenn jetzt auch noch Politiker auf den Satirezug aufspringen, ist das ein ganz klarer Rückschritt!
Mag sein, dass Hamlet den Wahnsinnigen mit Methode spielt, um sich zu schützen, aber letztendlich entledigt auch er sich dieser Rolle.

Satire ist Schutz!

Politik ist ohne Netz und doppelten Boden! Rückgrat ist gefragt!
Fraue Merkel kann auch nicht sagen: Es war alles nur ein Witz! Sie muss Verantwortung übernehmen, was sie auch tut! Satiriker haben das nicht nötig!

S(ch)ein oder nicht S(ch)ein? Das ist hier die Frage!

Ignatz Bubis, der sich eine deutsch jüdische Normalität wünschte sagte auch

"Wir sind fremd geblieben!"

© Gabriel "Knight" Wolf

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