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Ich hatte es satt, nur von Nachhaltigkeit zu reden: Jetzt verändere ich das Leben von hunderten Menschen

13/03/2017 16:12 CET | Aktualisiert 13/03/2017 16:39 CET
Fiona Rukschcio website

In einer Welt, die mit Elektroschrott, Billigklamotten und Plastikmüll überschwemmt wird, spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle.

Unser Konsumverhalten beschäftigt uns immer stärker und das auch völlig zu Recht. Denn Klimawandel, Umweltverschmutzung und menschenverachtende Arbeitsbedingungen in vielen Teilen der Welt sind nur einige der unmittelbaren Konsequenzen unserer Gier nach immer mehr.

Es müsste viel mehr getan werden - auf politischer sowie auf gesellschaftlicher Ebene.

Ich war auf unzähligen Kongressen und Tagungen, diskutierte stundenlang mit anderen Menschen, bis mir klar wurde: Das ändert einfach gar nichts! Nach vielen Jahren, in denen ich mich für das Thema interessierte, habe ich festgestellt, dass ich selbst nur Ideen konsumierte.

Ich hatte es satt nur rumzulabern und wollte endlich etwas machen, das tatsächlich die Welt ein Stück besser macht. Auf einer Veranstaltung zum Thema "Tauschen und Teilen" kam mir dann eine einleuchtende Idee: Ein "Tauschmobil".

Was steckt dahinter?

Das Tauschmobil sollte ein regelmäßiger Anlaufpunkt für Menschen werden, die ihren alten Krempel loswerden und dabei etwas Neues mit nach Hause nehmen möchten. Zunächst besorgte ich mir einen kleinen Lastwagen. Dann musste für mein Projekt nur noch ein fester Standort her.

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Und heute bin ich jeden Samstag bei Wind und Wetter von 09:30 - 15:30 auf dem Wochenmarkt in der Seelower Straße in Berlin. Jeder kann zu mir kommen und Gegenstände des alltäglichen Lebens bargeldlos tauschen.

Abgegeben werden können alle Gegenstände, die man bequem allein tragen kann und die in gutem Zustand sind:

Bücher, CDs, Spiele, Kleidung, Schmuck, Kindersachen, Küchenutensilien, Kunst und Künstlerbedarf, Musikinstrumente, kleine Elektrogeräte - eben all jene kleinen Dinge, die ungenutzt zuhause herum liegen, aber noch funktionsfähig und so schön sind, dass andere Freude daran finden.

Das Projekt lebt gerade von der Regelmäßigkeit. Die Menschen wissen inzwischen, wo sie mich finden und kommen zahlreich. Wenn ich mal im Urlaub bin, dann beschweren sie sich auch schon mal, dass ich nicht für sie da war.

Sie verlassen sich auf mich.

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So unkompliziert wie möglich

Die Philosophie hinter dem Tauschmobil soll so unkompliziert wie möglich sein. Wer etwas haben möchte, kann es mitnehmen. Wer etwas übrig hat, darf's herbringen. Ich will den Menschen helfen, sich von unnötigem Ballast zu befreien.

Denn wer viel hat, der hat auch viel Verantwortung.

Unsere Kunden kommen aus allen sozialen Schichten. Familien, die nach Kinderkleidung oder Spielzeug suchen, Studenten, die Bücher und CD's tauschen oder Obdachlose, die im Winter warme Klamotten brauchen.

Menschen, die viel zu viel und Menschen, die viel zu wenig haben - Sie treffen dort aufeinander, obwohl sie sonst nicht viel miteinander zu tun haben.

Zwar stand die soziale Umverteilung zu Beginn des Projekts nicht im Vordergrund, aber trotzdem habe ich das Gefühl, dass das ein immer wichtigerer Aspekt wird.

Die Sache mit dem moralischen Zeigefinger

Ich bin nicht naiv. Mir ist schon klar, dass ich damit nicht die Welt retten kann. Ich möchte auch nicht mit erhobenem Zeigefinger andere Leute belehren.

Ich will den Leuten zeigen, dass Konsum und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Wir müssen wieder lernen, bewusst auszusuchen, was wir brauchen. Wenn jemand zu mir kommt, fünf Sachen mitbringt und vier Sachen wieder mit nach Hause nimmt, dann ist das okay.

Auf jeden Fall besser, als wenn er diese Dinge neu kauft.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die Abstinenz predigen und in Wohnungen mit drei Möbelstücken wohnen - das halte ich für totalen Quatsch.

Doch wenn wir immer darauf warten, dass Andere etwas tun, dann wird sich die Welt nie verändern. Wir müssen den Machthabern auf dieser Welt aktiv zeigen, wie wir uns die Zukunft vorstellen.

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Deswegen stehe ich Samstag für Samstag auf diesem Wochenmarkt.

Um sichtbar zu sein.

Um Menschen zu erreichen, die von den Politikern dieses Landes nicht mehr erreicht werden.

Und um einen Bewusstseinswandel anzustoßen.

Das Tauschmobil ist vielleicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber viele Tropfen können den Stein auch abkühlen!

Es liegt in unserer Hand.

Lerne mehr über Nachhaltigkeit auf Electrify the World - a Nissan Mobility Initiative.

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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