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Minimalismus ist mehr, als eine entrümpelte Wohnung

09/05/2017 08:37 CEST | Aktualisiert 09/05/2017 08:37 CEST

Unsere Zeit der Superlativen...

Minimalismus ist in aller Munde. Trotzdem scheinen wir in einer Zeit der Superlativen zu leben: Reichte zu früheren Zeitpunkten ein normaler Kleiderschrank, darf es heute gleich die begehbare Kleiderkammer sein. Aus dem Badezimmer wird ein Wellnesstempel und statt des üblichen Fernsehgerätes am besten gleich eine kleine Heimkino-Anlage mit großem TV-Bildschirm, x-fachen Stereoboxen, ggf. dann auch noch Beamer, Leinwand etc..

Spannend wird es auch in der Küche: Hightech-Küchen mit allen erdenklichen technischen Geräten. Kaffee wird nicht gekocht, Kaffee wird zelebriert, Suppe und Nachtisch wird in irgendeinem elektronisch gesteuerten Superzauber-Gerät hergestellt. Backöfen, Kochfelder, Abzugshauben sind ausladend groß, zumindestens sehr schick und meistens auch super teuer.


Teure Küchen - billiges Essen?

Bei den vielen selbsterklärten Hobbyköchen, die diese schicken Küchen unbedingt benötigen, frage ich mich, wer eigentlich die ganzen Fertiggerichte kauft, die allerorten im Supermarkt zu finden sind? Maximal viele Geräte und dann nur minimal kochen, sowie mit den billigsten Nahrungsmitteln, ist es das, was heute „in" und üblich ist?


Es geht nicht um Askese - das richtige Maß finden

Bringen mir all die schicken Geräte wirklich Arbeitserleichterung und Freude?

Wieviel Aufwand musste ich denn betreiben, um dies oder das Gerät erstmal kaufen zu können: Arbeiten gehen, Geld verdienen, Produkte recherchieren, auswählen, kaufen, nach Hause tragen, Gerät kennenlernen, Bedienungsanleitung lesen...

Wohin räume ich denn dann all die Geräte?

Reicht die Größe der Küche für meinen Küchentechnik-Fuhrpark?

Ist es mir diese vollgestellte Fläche wert? Immerhin zahle ich ja auch diese Art der Wohnfläche: Entweder als Miete oder im Falle eines Eigenheims, an Kosten für Anschaffung und Unterhalt.

Wieviele dieser ganzen Küchen-Zaubermaschinen liegen eigentlich irgendwo in der hintersten Ecke des Schrankes oder im Keller? Und wie lange schon?

Sind die Dinge, die wir besitzen, der ganze zeitliche und finanzielle Aufwand, den wir für diesen Besitz betreiben, wirklich noch förderlich für das eigene Wohlbefinden?

Geht es manchmal nicht doch sehr viel einfacher?


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Wir kaufen oft nur Illusionen und ein Lebensgefühl

Wenn wir einmal ganz genau und ehrlich hinschauen und uns beobachten, fällt auf, dass wir eigentlich nicht die Dinge, sondern die damit verbundenen Illusionen und vorgegaukelte Lebensgefühle kaufen. Erst denken wir: "Juchuh, dieses eine tolle Gerät, das ist es...". Vorfreude, Zufriedenheit, Neugier breitet sich wohlig in uns aus. Aber ist dieses oder jenes Gerät erstmal einige Tage und Wochen alt, hat sich das Glücksgefühl verflüchtigt und wir wollen schon wieder etwas Neues. Aber dieses Neue ist dann auch nicht lange neu und dann schon wieder was kaufen? Wenn ja, was? Und wohin damit?


Was brauchen wir wirklich?

Minimalismus ist mehr als ein leergeräumter Schrank und mehr, als eine entrümpelte Wohnung. Minimalismus ist ein Prozess, sich von falschen Illusionen und kurzfristigen Einkaufs-Glücksgefühlen zu verabschieden. Minimalismus ist auch eine Auseinandersetzung mit uns selbst und der Frage, warum wir all das überflüssige Zeugs, die Illusionen und kurzfristigen Kauf-Glücksgefühle überhaupt benötigen. Was brauchen wir stattdessen wirklich? Und was fällt dir als erstes spontan dazu ein?

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Dieser Text erschien zuerst auf https://achtsame-lebenskunst.de

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