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Konsumfallen erkennen - Was zieht mir das Geld aus der Tasche?

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Doch wieder unnötig einkauft?

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Wer von uns kennt das nicht? Irgendwie doch wieder etwas gekauft, was eigentlich nicht hätte sein müssen. Doch wieder in die Konsumfalle getappt. Auch wer seinen Alltag achtsam gestaltet und einen minimalistischen Lebensstil hat, kann in diese Falle geraten.
Neulich hat nicht viel gefehlt, da wäre ich mitten hinein getappt in die Konsumfalle und hätte ich mir fast ein neues (gebrauchtes) Laptop gekauft. Wären nicht meine Umzugsvorbereitungen gewesen und damit wenig Zeit und auch nicht unbedingt das Geld, mich jetzt auch noch um ein anderes Laptop zu kümmern, hätte ich mir wohl tatsächlich ein neues Gerät gekauft. Aus jetziger Sicht wäre es schade gewesen, denn inzwischen läuft mein alter Laptop dank neuem Netzkabel und ersetzter fehlender Taste wieder gut. Meine Konsumfalle war meine Ungeduld mit dem zwischenzeitlich „zickenden" alten Gerät, mein Ärger darüber, dass der Laptop nicht mehr perfekt lief und ich überhaupt Geld investieren musste.

Natürlich hat jede/r andere Bereiche, in denen er oder sie schwach wird. Einige können kaum an einem Schuhgeschäft vorbei gehen, andere liebäugeln mit dem neuesten Smartphone, denken über das neue Sportgerät nach und vieles mehr. Auch die ganz persönlichen Gründe, weshalb die Konsumfalle zuschnappt, sind sehr unterschiedlich. Es gibt die berühmten Stress- und Frustkäufe, den Belohnungskauf, Gewohnheiten, soziale Zugehörigkeiten, usw. usw. - Die EC-Karte ist schnell gezückt, das Geld mindestens ebenso schnell vom Konto gebucht und irgendwann taucht es auf, dieses flaue Gefühl, dass dieser oder jener Kauf doch eigentlich nicht hätte sein müssen, das neue Teil doch nicht die erwarteten Verbesserungen bietet oder der Kontostand ins Wanken geraten ist. Aber sich nur darüber ärgern bringt nicht viel.

Konsumfallen konstruktiv nutzen

Wenn schon in die Konsumfalle gelaufen, dann lässt sich dieser Umstand auch konstruktiv nutzen. Wir können genau hinschauen, was da eigentlich genau passiert ist, in welcher Situation wir uns befunden haben, wie wir uns gefühlt haben und was vielleicht vorher gewesen ist. Nachfolgend einige Fragen, die helfen können, einen persönlich konstruktiven Umgang mit den großen und kleinen Konsumfallen zu finden:  
  • Gibt es vergleichbare Dinge, die mich immer wieder besonders ansprechen?
  • Gibt es vergleichbare Situationen, in denen ich immer wieder „schwach" werde?
  • Welche Sinne waren vor dem Kauf besonders aktiv? (z.B. besondere Gerüche, Sehen von schönen Dingen)
  • Was ist vor dem Kauf passiert?
  • Welche Hoffnungen, Träume, Wünsche verbinde ich mit dem Produkt?
  • Möchte ich mit dem Produkt „dazu gehören"? Wenn ja zum wem? Suche ich Anerkennung, Bewunderung, Aufmerksamkeit?
  • In welcher Stimmung habe ich mich vor und beim Kauf befunden? Wollte ich mich mit dem Kauf trösten, Frust abbauen, belohnen, unangenehme Gefühle verdrängen, Langweile übertünchen?
  • Erkenne ich Konsum-Ersatzhandlungen bei mir? (z.B. Ausgleich für stressigen Tag, Ärger mit Familie,...)
  • Was könnte mir statt dessen wirklich helfen? 
  • Was hätte ich wirklich gebraucht? Dieses Ding oder vielleicht etwas ganz anderes?

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.achtsame-lebenskunst.de