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Muslime sind die echten Feministen

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HIJAB
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Viele westliche Frauen haben eine gewisse Vorstellung davon, wie Feministen zu sein haben: unabhängige Frauen mit allen möglichen sexuellen Freiheiten. Aber das ist genau das Problem mit dem westlichen Feminismus.

Es geht nur um Sex und die Befreiung unserer Körper. Natürlich sind Themen wie Abtreibung und Verhütung ein Teil dieser Freiheit, aber in der heutigen Gesellschaft hat der Kampf einen anderen Ton angenommen.

Hippe Feministen-Kampagnen wie Free the Nipple ermutigen nur zu einem naiven, respektlosen Verhalten gegenüber unserer eigenen Körper, was dazu führt, dass alle anderen unsere Körper auch nicht mehr respektieren.

Wenn wir als Frauen respektiert und in allen unseren Bemühungen ernst genommen werden wollen, sollten wir nach anderen Vorbildern suchen - muslimische Frauen. Muslimische Frauen, genauso wie muslimische Männer, sehen jeden Körper als heiligen Tempel, vor allem den weiblichen Körper. Anstatt sich selbst zu präsentieren sollen sie bescheiden sein.

Wenn wir an moderne Feministen denken, sollten wir uns von den westlichen Trends fernhalten und uns dort umsehen, wo wir eigentlich das Gegenteil von dem erwarten, was wir suchen - bei den muslimischen Feministen.

Der Islam ist geprägt von der weiblichen Ermächtigung

Entgegen der westlichen Annahme ist der Islam geprägt von der weiblichen Ermächtigung. Im Koran, dem vom Propheten Muhammad geschriebenen Wort Gottes, werden Frauen und Männer als gleichwertig in ihren alltäglichen Aufgaben und Verantwortungen beschrieben.

Wenn es um Familie, Wohltätigkeit, Kinder, Sex und vieles mehr geht, haben eine Frau und ein Mann dieselben Pflichten und dieser Weg soll weiterhin verfolgt werden.

Die Frauen des frühen Islam haben diese Idee am Leben erhalten. Die erste muslimische Frau war Khadija, Mohammeds erste Frau. Ohne ihren Einfluss wäre der Islam heute vielleicht nicht so verbreitet.

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Khadija war eine Geschäftsfrau und besaß Land in den Arabia. Als Mohammed neue Offenbarungen erlebte, war es Khadija, die ihm versicherte, dass er nicht verrückt sei, sondern auserwählt.

Es war Khadija, die Mohammed dazu überredete, Gott und den Engeln zuzuhören, die versuchten, mit ihm zu kommunizieren und nicht ängstlich wegzurennen. Es war Khadija, die Muhammad unterstützte und ihm das Selbstbewusstsein gab, Gottes letztes Prophet zu werden.

Khadija, eine Frau, war die Kraft, die dem Islam zu seiner vollen Blüte verhalf. Nur dieses eine Beispiel gibt uns einen Eindruck, wie muslimische Frauen wirklich sind. Offen, engagiert, selbstbewusst und mutig, die Inbegriffe des Feminismus.

Ob eine Frau einen Hijab trägt, ist ihre eigene Entscheidung

Es ist also keine Überraschung, dass muslimische Frauen sich nach diesen bedeutenden weiblichen Persönlichkeiten richten. Muslimische Mädchen lassen sich von solchen kraftvollen Instanzen leiten in dieser gruseligen, patriarchalen Gesellschaft.

Diese modernen Frauen haben keine Angst davon, für ihren Gauben gegen den Strom zu schwimmen, wenn sie zum Beispiel den Hijab tragen, um ihre religiöse Zugehörigkeit zu zeigen.

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Hijab nennt sich das Kopftuch islamischer Frauen, und nein, es sollte ihnen nicht von ihren Vätern und Männern aufgezwungen werden. Ob eine Frau einen Hijab trägt, ist ihre eigene Entscheidung.

Vor allem diese Idee präsentiert den Feminismus im Westen. Der ganze Druck, den die westliche Gesellschaft auf uns ausübt, weil wir so und so aussehen müssen.

Wir müssen lange, glänzende Haare haben, einen dünnen, aber trotzdem kurvigen Körper, ein makelloses Gesicht - Frauen gehen durch die Hölle dafür.

Wir ergeben uns dem Druck, von dem wir eigentlich glauben, befreit worden zu sein. Wir unterdrücken unsere natürliche Weiblichkeit mit den ständigen Sorgen darüber, wie wir für andere aussehen.

Wir haben nicht den Mut, um uns gegen diese gesellschaftliche Kritik zu wehren und zu sagen: „Mein Körper soll nicht angestarrt werden."

Als Frau fordere ich den Respekt für meine Person ein, nicht meinen Körper

Viele muslimische Frauen versuchen genau das zu erreichen. So befreien sie sich vom allttäglich Druck. Sie haben den Mut zu sagen: "Hey, ich bin kein Lustobjekt, als Frau fordere ich den Respekt für meine Person ein, nicht meinen Körper."

Sie haben sowohl die Kraft, sie selbst zu befreien, als auch, die westlichen Normen abzulehnen.

Und sie bekommen keine Aufmerksamkeit, weil sie ihre Körper zeigen, sondern weil sie sich selbst zeigen. Muslimische Frauen werden ungeachtet ihrer Ästhetik respektiert. Sie werden in ihren Communitys ernst genommen.

Sollte so nicht Feminismus sein? Sollten Frauen nicht ständigen Respekt erleben und verdienen sie es nicht, dass man ihnen zuhört, ohne blöde Kommentare oder Kritik an unseren Körpern und unserem Aussehen? Ich glaube, die Antwort ist ja.

In der muslimisch-westlichen Community und sogar in Teilen der größeren muslimischen Welt werden bescheidene Frauen respektiert und um ihren Rat gebeten, egal ob mit Hijab oder ohne, ungeachtet dessen, was die Medien uns versuchen, zu vermitteln.

Free the Nipple wird den Frauen keinen Respekt verschaffen

Vor ein paar Wochen besuchte ich eine Vorlesung über den Feminismus im Islam. Das hat die Gedanken in meinem Kopf wieder aufgemischt. Die Rednerin war eine muslimische Frau im Kopftuch.

Sie hat so leidenschaftlich gesprochen, dass jeder Mensch im Raum, Mann und Frau, keine andere Wahl hatte, als sich in ihren Worten wiederzufinden.

Nach kurzen 90 Minuten konnte ich nicht anders, als an unsere Free-the-Nipple-Gruppe zu denken, die einen trendy Feminismus präsentiert und dass manche Trends einfach sterben müssen.

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Ich habe gemerkt, dass wir dazu konditioniert worden sind, dass westliche Frauen frei sind und muslimische unterdrückt, aber das erscheint mir verkehrt. Ich habe endlich verstanden, wer wirklich von einer patriarchalen Gesellschaft unterdrückt wird - und das sind wir.

Frauen, die einen Hijab tragen, haben sich von dem männlichen und gesellschaftlichen, urteilenden Blick befreit. Die Frauen von Free the Nipple haben es nicht. Sie stecken tief in einer männlichen Welt und glauben, dieser Trend wird ihnen Respekt verschaffen.

Deswegen bitte ich meine Free-the-Nipple-Kolleginnen, einen Blick auf unsere muslimischen Schwestern zu werfen und mit ihnen gemeinsam einen Feminismus zu kreieren, der den weiblichen Körper als Tempel und nicht als Spielzeug betrachtet.

Lasst uns den Feminismus in einem anderen Licht betrachten - mithilfe von Bescheidenheit und dem Mut, uns selbst zu akzeptieren. Wir sollten uns mit den muslimischen Feministen dieser Welt zusammenschließen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost US und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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