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So geht es bei "Die Höhle der Löwen" hinter den Kulissen zu

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DIE HOEHLE DER LOEWEN
dpa
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Ich war mit meinem Startup im September 2015 in der Vox-Sendung „Höhle der Löwen". Der Dreh hat großen Spaß gemacht. Doch die Sendung hat mich am Ende doch ziemlich überrascht.

Ich hätte nie damit gerechnet, dass die Produktionsfirma durch den Schnitt unseren Auftritt komplett in eine andere Richtung drehen kann. Denn wir bekamen beim Dreh ziemlich gutes Feedback - in der Sendung kam es aber rüber wie ein Totalverriss unserer Geschäftsidee.

Trotzdem würde ich jederzeit wieder teilnehmen - und es auch jedem empfehlen.

Aber von vorn. 2013 habe ich mit meinem Schulfreund Tobias das Startup Spottster gegründet. Spottster ist ein Merkzettel fürs Online-Shopping. Du siehst ein Produkt im Internet, das du kaufen willst. Aber zu dem angebotenen Preis ist es dir zu teuer. Mit Spottster kannst du es markieren und bekommst einen Hinweis, sobald das Produkt billiger zu haben ist.

Zur "Höhle der Löwen" sind wir - so blöd es klingt - durch einen Zufall gekommen. Ich habe auf einer Startup-Veranstaltung einen Mitarbeiter der Produktionsfirma kennengelernt.

Wenig später hat er uns eingeladen in der ersten Staffel der Startup-Show aufzutreten. Damals war das Format noch ganz neu und Vox durfte nur ganz grob andeuten, wie genau die Sendung abläuft.

Wir hatten deshalb die Sorge, dass das Ganze so eine Art eine Gaming-Show wird. Also haben wir abgesagt.

Dann lief die erste Staffel und wir haben gesehen, dass es eine seriöse Sendung ist.

Nach Ende der ersten Staffel fragte die Produktion wieder an - und wie sagten zu.

Höhle der Löwen ist abgesichert wie ein Hochsicherheitstrakt

Für die Bewerbung mussten wir zuerst ein Video drehen. Die Produzenten wollten sehen, ob wir unsere Idee auch vor der Kamera gut präsentieren können. Das ist uns gelungen - deshalb lud uns die Produktionsfirma wenig später nach Köln ein.

(Der Text geht nach dem Video weiter.)

Höhle der Löwen: Gynäkologe will Investoren von einer skurrilen Erfindung überzeugen

Es folgte ein voll gepackter Tag im Studio. Erst hatten wir ein Betreuungsgespräch, in dem auch ein Coach dabeisaß. Da haben die Experten gecheckt, ob wir auch kaufmännische Fragen beantworten können. Erstaunlich viele Teilnehmer der Show haben nämlich so gut wie gar keinen wirtschaftlichen Background.

Man muss vor den Löwen aber jede Zahl nennen können, wenn man danach gefragt wird. Ich habe aber das Gefühl, dass niemand nachprüft, ob die Zahlen stimmen.

Mehr zum Thema: "Höhle der Löwen"-Investor Frank Thelen macht überraschendes Geständnis

In dem Gespräch haben uns die Mitarbeiter eingebläut, was unsere Aufgabe sein wird und was wir auf keinen Fall machen dürfen.

Ganz wichtig war dem Sender, dass wir im Studio immer auf der Markierung stehen bleiben. Auf die Löwen zugehen dürfen die Bewerber nur dann, wenn sie ihnen ein Produkt überreichen wollen.

Und ganz wichtig: Die Löwen dürfen nur als "Löwen" angesprochen werden - nicht anders. Ich habe sie ein paar Mal im Scherz "Mietzekatzen" genannt. Das ist gar nicht gut angekommen und wurde rausgeschnitten.

Das ganze Gelände ist abgesichert wie ein Hochsicherheitstrakt, geschützt und abgeschottet von der Außenwelt. Die Mitarbeiter achten extrem drauf, dass keine Unbefugten reinkommen. Mitarbeiter haben uns Geschichten von Reportern erzählt, die den Müll durchwühlt haben, um zu erfahren, welche Startups in der Sendung sind.

Der Auftritt vor den Löwen

Nach den Außenaufnahmen, in denen wir unser Startup vorstellen sollten, ging dann das Warten auf den Pitch vor den Löwen los. Die Gründer vor uns waren über eine Stunde drin. Es zog sich.

Ich war vor dem Auftritt vor den Löwen nervöser als vor einem normalen Pitch, auch wenn ich das schon öfter gemacht habe. Das ganze Setting, ja, der ganze Tag, ist darauf ausgelegt, dass man nervös wird. Überall sind Kameras. Man fühlt sich ständig beobachtet.

Der erste Satz vor den Löwen ist immer vorgegeben: Wir mussten sagen, wer wir sind und wie viele Anteile wir für welchen Betrag bieten.

Wir wollten 500.000 Euro für 12 Prozent an unserem Startup.

Eigentlich hatten wir ein super Gefühl bei dem Pitch, auch wenn kein Löwe investiert hat. Wir haben von allen Löwen super Feedback bekommen.

Und Frank Thelen hat den anderen erklärt, wie Online-Startups funktionieren und weshalb unsere Bewertung nicht zu hoch ist. Er hat dann gesagt, er könne nicht investieren, weil er an einem Konkurrenzprodukt beteiligt ist, an Zen Shopping.

Dazu muss man sagen, dass das Konzept ein ganz anderes ist als unseres.

Thelen hat in der Sendung auch gesagt, dass Zen Shopping bald nach Deutschland kommen würde. Aber ich hatte den Eindruck, dass die amerikanischen Gründer davon gar nichts wussten. Die hatten sich nicht mal alle Domains gesichert, denn die gehören zu großen Teilen uns.

Aufgenommen haben wir unseren Pitch im März, ausgestrahlt wurde die Sendung dann im September.

Wir haben erst zehn Tage davor erfahren, wann genau. Das macht es schwierig, darauf vorbereitet zu sein. Die Sendung bringt total viel Aufmerksamkeit. Das überlastet die Server und es kommen wahnsinnig viele Presseanfragen.

"Als wir die Sendung dann gesehen habe, sind wir aus allen Wolken gefallen."

Dann die Überraschung: Den Pitch, der aus unserer Sicht eigentlich gut lief, mit produktivem Feedback, wurde ganz anders inszeniert: Unser ganzer Auftritt wurde mit geschickten Schnitten auf die Aussage von Frank Thelen gedreht, dass er uns keinen Erfolg wünscht, weil er in die Konkurrenz investiert ist. Und dass wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht hätten, weil wir das nicht wussten.

Das wäre ein fataler Fehler von uns gewesen. Von seinem Zuspruch für uns und unser Produkt war nichts mehr zu sehen.

Das Publikum hat ihm hinterher dafür in den Kommentaren zur Sendung die Hölle heiß gemacht. Das Publikum ist nämlich generell auf der Seite der Startups.

Auch unsere Bewertung war den Löwen zu hoch.

Mehr zum Thema: Höhle der Löwen: Gynäkologe will Investoren von einer skurrilen Erfindung überzeugen

Thelens Erklärung, weshalb die Bewertung dennoch gerechtfertigt sei, wurde komplett rausgeschnitten. Stattdessen haben sie nur eine Aufnahme eingeblendet in der er skeptisch guckt, so als wäre er auch der Meinung, dass wir zu viel Geld wollen.

Ein weiteres Highlight war auch die Stimme aus dem Off, die behauptet, dass wir ohne Invest in sechs Monaten pleite wären. Dabei haben wir das nie gesagt oder irgendwelche Zahlen vorgelegt, die darauf hindeuten würden.

Das war frei erfunden.

"So was kann wirklich geschäftsschädigend sein. Da ist dem Sender seine Verantwortung glaube ich nicht bewusst."

Teile unserer Familien haben uns danach sogar angerufen und sich Sorgen gemacht. Wir haben auch Briefe von zwei Zuschauern erhalten, die uns 1000 Euro im Monat überweisen wollten, damit wir weitermachen können.

Die Briefe haben wir eingerahmt und in unserem Büro aufgehängt. Das Angebot haben wir natürlich nicht angenommen, aber es hat uns sehr gerührt.

Wenn es nicht spannend genug ist, schneidet Vox es eben extrem zurecht

In Summe muss man, um ausgestrahlt zu werden, definitiv interessant sein - als Invest, als Verriss oder als hoch emotionales Beispiel für irgendwas.

Wenn nichts davon zutrifft, strahlt Vox den Pitch entweder gar nicht aus, oder schneidet den Pitch so, dass er in eines dieser Raster fällt. Das Publikum will nun mal was sehen.

Für uns hat sich „Die Höhle der Löwen" trotzdem gelohnt.

Nach der Sendung ist der Unternehmer Jochen Schweizer auf uns zugekommen und hat gesagt, dass er an unser Geschäftsmodell glaubt.

Wir haben aber nicht nur wegen dem Jochen Schweizer Investment von der Sendung profitiert. Der Effekt ist wirklich grandios und so viel größer und besser als jedes Marketing.

Die Reichweite der Show ist riesig und auch wenn man eventuell einen drüberkriegt: Das Publikum steht immer auf der Seite der Gründer.

Ich kann nur jedem Startup empfehlen: Bewerbt euch!

Der Beitrag wurde aufgezeichnet von Katharina Schneider.

Spottster geht es heute als Unternehmen gut. Das Startup hat insgesamt 13 Mitarbeiter in Hamburg. Spottster hat mehr als 200.000 User und beim Gründerfestival Bits & Pretzels in München gerade den Pitch für eine Privataudienz mit Virgin-Gründer und Milliardär Sir Richard Branson gewonnen.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.

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