Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Frederic Todenhöfer Headshot

Die Demontage des IS

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TODENHOEFER
dpa
Drucken

Ich begleite meinen Vater nun seit über vier Jahren in Kriegs- und Krisengebiete dieser Welt. Warum? Weil er stets den nachfolgenden und für ihn fundamentalen Grundsatz beherzigt: Gehe an die Orte, über die du schreibst, und spricht dort mit allen beteiligten Konfliktparteien. Diese publizistische Überzeugung teile ich mit meinem Vater.

So waren wir in Syrien bei Vertretern von fast allen wichtigen Rebellengruppen. Wir haben mehrmals mit Präsident Assad gesprochen, waren in Flüchtlingslagern, Krankenhäusern, Gefängnissen und schließlich auch im Islamischen Staat.

Letztere Reise war bislang unsere gefährlichste Unternehmung. Doch war sie das große Risiko wert. Mein Vater hat seither Hunderte Millionen von Menschen weltweit über den IS aufklären können. Keiner ist mit diesen Terroristen dabei härter und informierter ins Gericht gegangen als er.

Unser Dokumentarfilm "Inside IS", der heute Abend auf Phoenix (um 21:30 Uhr) TV-Premiere feiert, zeigt jenes Filmmaterial, welches ich während unserer Reise durch den IS gefilmt habe. Diese Reportage ist letztendlich eine umfassende Demontage der wohl gefährlichsten Terrororganisation unserer Zeit.

IS ist eine anti-islamische Terrororganisation

Ideologien kann man nicht besiegen indem man ihre Vertreter bombardiert und dabei den Tod tausender unschuldiger Zivilisten billigend in Kauf nimmt, man muss sie widerlegen und entlarven. Mit der Hilfe von Shaykh Hamza Yusuf, einem der einflussreichsten westlichen Islam-Gelehrten, wird der IS in der Doku als das entlarvt, was er wirklich ist, eine anti-islamische Terrororganisation.

Shayk Hamza ist übrigens wegen seiner unermüdlichen Gegnerschaft zum IS, die Nummer eins auf deren "Todesliste westlicher Gelehrten". Wer die Doku gesehen hat, versteht warum der IS so über ihn denkt.

Einigen Kritikern und Neidern meines Vaters wird manches in diesem Film natürlich wieder nicht passen. Doch das ist in Ordnung und stört mich nicht. Sollen sie es doch besser machen und selbst in den IS reisen.

Anders als die 'üblichen Verdächtigen', hatte mein Vater im Fall von Afghanistan, dem Irak und im Syrienkonflikt mit seinen Einschätzungen und Analysen stets recht. Die Zeit, nicht die Zeitung, hat meinem Vater leider recht gegeben.

Das die Kritik manchmal sehr heuchlerisch daher kommt, kann aber wohl auch an der Eifersucht einiger Journalisten liegen, die nicht wahrhaben wollen, dass mein Vater authentischer über die schrecklichen Konflikte unserer Zeit urteilen kann als sie es je vermögen.

Im Büro von Präsident Assad zum Beispiel, lag ein Stapel von Anfragen deutscher Medienvertreter und Sendeanstalten. Alle wollten unbedingt ein Interview mit ihm führen. Ich habe einige der Anschreiben selber gelesen, Präsident Assad zeigte sie uns.

Mein Vater musste sich Vorwürfe anhören

Es ist schon sehr befremdlich, dass genau diese Journalisten später meinen Vater dafür kritisierten, den syrischen Machthaber interviewt zu haben. Wie könne man dem nur solch eine Plattform geben, war noch der höflichste Vorwurf, den mein Vater zu hören bekam.

Anfang 2014 war ein renommierter Journalist einer großen deutschen Tageszeitung mit IS-Kämpfern im Kontakt über das Internet. Sie tauschten Chatnachrichten aus bis es ihnen von der IS-Führung verboten wurde. Der IS beschloss nur noch mit uns zu kommunizieren, warum auch immer.

Als dem Journalisten der Zeitung seine Interviewwünsche daher nicht erfüllt werden konnten, veröffentlichte er wenigstens die paar belanglosen Zeilen, die er mit den Terroristen ausgetauscht hatte. Gerade dieser Journalist kritisierte später natürlich dann meinen Vater dafür, dass er IS-Kämpfer vor Ort interviewte.

Wir leben in einer bisweilen scheinheiligen Welt. Aus diesem Grund ist der Film "Inside IS" ein wichtiges Zeitdokument. Wenn wir unsere Feinde in die Knie zwingen wollen, dann müssen wir sie kennen. Und wenn wir sie kennen und demaskiert haben, dann werden wir die richtigen Strategien identifizieren können, um sie zu besiegen.

Dieser Film soll diesem Zweck dienen und ein Weckruf sein. Denn die militarisierte Anti-Terror-Strategie der letzten 14 Jahre war ein komplettes Desaster. Wenn unsere Politiker und Schreibtisch-Strategen so weiter machen wie bisher, wird es garantiert nicht besser. Im Gegenteil.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

„ISIS hat nichts mit dem Islam zu tun" - Ein Experte findet klare Worte

Lesenswert: