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Kommt nach Schockbildern bald Plain Packaging?

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ECIGARETTES
diego_cervo via Getty Images
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Seit dem 20. Mai sind Schockbilder auf Zigarettenschachteln nun Realität in Deutschland. Es wird noch einige Wochen dauern, bis wirklich alle verkauften Schachteln die Schockbilder zeigen werden und es stellt sich die Frage, ob paternalistische Politiker sich dann endlich zurücklehnen und sagen, dass sie die Wahl- und Genussfreiheit der Bürger genügend eingeschränkt haben oder immer weiter machen werden und Deutschlands bisher guten vorletzten Platz auf dem Nanny State Index nicht tolerieren werden und für mehr Bevormundung kämpfen werden.

Bereits jetzt werden Stimmen laut, dass man dem australischen Vorbild folgen solle und sogenanntes Plain Packaging einführen solle, also den Abdruck von Marken und Logos gänzlich verbietet und alle Schachteln in einem uniformen Olivgrün normiert.
Wissenschaftler und Politiker erhoffen sich, durch Plain Packaging die Anzahl der Raucher in Deutschland zu verringern. Doch Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass diese Maßnahme ihr eigenes Ziel verfehlt.

Die Hoffnung, dass solche grünen Schachteln die Raucherprävalenz verringert ist auf der paternalistischen Annahme basiert, dass Raucher mehrfarbigen Zigarettenschachteln einfach nicht widerstehen können und eine einfarbige Schachtel ohne Branding deutlich weniger verlockend sei.

Es gibt allerdings wenig Evidenz, die diese Annahme beweist. Die European Public Health Association schrieb zum Beispiel in einer Studie, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Branding und dem Eintrittsalter von Rauchern gäbe.

Plain Packaging erhöht den Anteil gefälschter und geschmuggelter Zigaretten

Noch deutlicher sind die Daten aus Australien. Die Ökonomen Sinclair Davidson und Ashton de Silva fanden in einer ökonometrischen Studie heraus, dass es keinen empirischen Beweis gäbe, der zeigt, dass Plain Packaging in Australien zu verringerten Tabakausgaben je Haushalt geführt habe. Es gibt sogar Anzeichen dafür, dass sich die Tabakausgaben je Haushalt erhöht haben.

Dies könnte durch den erhöhten Anteil gefälschter und geschmuggelter Zigaretten erklärt werden. Fälschungen sind in einem Land mit Plain Packaging deutlich schwerer zu erkennen und machen es daher einfacher als vermeintliche originale verkauft zu werden.
Seit der Einführung von Plain Packaging hat sich die Anzahl der beschlagnahmten Fälschungen in Australien um 60% erhöht.

Die britische Sun berichtete sogar, dass asiatische Zigarettenschmuggler sich bereits auf Plain Packaging in Europa freuen, da dies neue Schmuggelmöglichkeiten und Absatzmärkte für sie bedeute. Gut für den Schmuggler - Schlecht für die Verbraucher, die deutlich minderwertige und teilweise gefährliche Produkte konsumieren.

Elektronische Zigaretten könnten die negativen Auswirkungen von Tabakkonsum deutlich verringern

Ironischerweise stemmen sich die Organisationen, die Zigaretten am liebsten verbieten würden, auch gleichzeitig gegen neue Alternativen wie elektronische Zigaretten. Selbst Public Health England hat eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass elektronische Zigaretten um 95% weniger gesundheitsgefährdend sind als herkömmliche Zigaretten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), einer der Motoren hinter Plain Packaging, hat zum Beispiel ihre Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen, Gesetze zu beschließen, die den Zugang zu elektronischen Zigaretten erschweren.

Eine Studie der Cornell University fand heraus, dass je höher das gesetzliche Mindestalter für elektronische Zigaretten sei, umso höher ist die Raucherrate unter Jugendlichen.

Elektronische Zigaretten könnten also die negativen Auswirkungen von Tabakkonsum deutlich verringern, Lebensqualität verbessern und Gesundheitskosten senken.

Wenn die Gesundheitslobby lediglich an der Linderung von gesundheitsschädlichen Effekten des Rauchen interessiert wäre, sollte sie wenigstens vorsichtig innovative und weniger schädliche Konzepte, wie elektronische Zigaretten unterstützen und nicht behindern. Es fühlt sich aber oft so an, als ob es um eine komplette Abschaffung aller Laster ginge und die Ermächtigung der Gesundheitspolitik, sämtliche Entscheidungen für den Bürger treffen zu dürfen- Also eine komplette Entmündigung des Bürgers.

Den Trend des Nanny-Staats stoppen

Anstelle der paternalistischen Politik aus angelsächsischen Ländern wie Australien, England oder Kanada nachzueifern, sollten deutsche Politiker und Verbraucherschützer die Entscheidung beim Bürger lassen, was für jemanden gesund ist und worauf man lieber verzichten möchte.

Neue Initiativen aus der Zivilgesellschaft, wie zum Beispiel eine Kampagne des Prometheus Instituts oder die der Students For Liberty zeigen, dass sich eine neue Welle an Widerstand gegen Paternalismus und Bevormundung in Deutschland sammelt.

Wenn der Trend des Nanny-Staats nicht gestoppt wird, werden sich viele an Supermärkte in der DDR erinnert fühlen: Nicht viel, alles sieht gleich aus, nichts schmeckt und man selber kann nicht entschieden, was in die Regale kommt.

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