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Kommt aus Brüssel bald das Verbot des elektrischen Händetrockners?

18/11/2017 11:22 CET | Aktualisiert 18/11/2017 11:22 CET
Asawin_Klabma via Getty Images

Technische Innovationen die beim Energiesparen helfen, haben mittlerweile sogar unsere Badezimmer erreicht. Hierzu zählt auch die technische Evolution von modernen Händetrockner. Die allerersten Händetrockner, die immer noch in vielen Kneipen oder Restaurants zu finden sind, waren energieaufwändig und haben nicht viel dazu beigetragen unsere Hände wirklich zu trocknen. Doch in den letzten Jahren wurde der Markt mit besseren Produkten bereichert: Heutzutage trocknen automatische Trockner unsere Hände in weniger als 10 Sekunden, ohne die bisher enormen Papiermengen zu verwenden.

Für Kneipen, Restaurants und Flughäfen war der Übergang zu automatischen Händetrocknern betriebswirtschaftlich sinnvoll: Minimale Stromkosten und keinen Aufwand mehr durch das Austauschen von hunderten Kilos an Papier.

In den letzten Jahren haben wir jedoch eine wachsende Skepsis gegenüber automatischen Händetrocknern gesehen. Artikel mit dem Titel "Einen Dyson Händetrockner benutzen ist als ob man eine Viren-Bombe im Badezimmer loslässt" oder "Der Dyson Airblade verbreitet Mikroben 1300 mal schneller als Papierservietten" haben die Idee verbreitet, dass diese Trockner in der Tat "gefährlich" seien.

Diese Skepsis und koordinierte Lobbyarbeit der herkömmlichen Papierindustrie sorgen dafür, dass sich momentan sogar die EU Kommission mit diesem Thema und dem möglichen Verbot von elektrischen Händetrocknern beschäftigt.

Im Fall des Artikels von ARS Technica UK ist die Qualität der Forschungsarbeit nicht nur fragwürdig, sondern es fehlt ihr eindeutig an einer glaubwürdigen Botschaft. Während der Titel darauf hindeutet, dass automatische Trockner buchstäblich "Virusbomben" seien, kommt der Artikel selber zum Schluss: "Es wird mehr wissenschaftliche Forschung benötigt, um festzustellen, ob die Leistung von automatischen Trocknern tatsächlich zur Verbreitung von Viren beiträgt." Dies zeigt wie teilweise Mythen durch schockierende Schlagzeilen verbreitet werden, die den eigentlichen Inhalt von Studien nicht widerspiegeln.

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Es gibt mehrere Studien, die die Idee der "Virusbombe" widerlegen. Forschungsergebnisse, die im Jahr 2000 im "Journal of Microbiology" veröffentlicht wurden, fanden keinen signifikanten Unterschied in der Anzahl an Mikroorganismen nach dem Händetrocknen mit warmer Luft im Vergleich zu Papierhandtüchern. Eine andere Studie, die im selben Jahr von der Mayo Clinic durchgeführt wurde, fand auch keinen signifikanten Unterschied in der Eliminierung von Bakterien zwischen Papierhandtüchern und Heißlufttrocknern:

"Diese Daten zeigen keine statistisch signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit von vier verschiedenen manuellen Trocknungsmethoden, um Bakterien von den gewaschenen Händen zu entfernen."

Im April 2009 wurden in einem Artikel in dem Rundschreiben des Pharmazeutischen Mikrobiologie-Forums mehrere Forschungsprojekte zu Papierhandtüchern und Lufttrocknern untersucht. Es wurde festgestellt, dass automatische Trockner nicht weniger hygienisch sind als herkömmliches Händetrocknen mit Papierhandtüchern. Andere Studien, wie die des Nationalen Gesundheitsinstituts der Vereinigten Staaten, zeigen, dass der Unterschied nicht signifikant ist und dass es in erster Linie wichtig ist, sich die Hände gut zu waschen. Es ist logisch, dass gut gewaschene Hände ein geringeres Risiko in Bezug auf die mikrobielle Verbreitung darstellen als schmutzige Hände in einem Lufttrockner.

Sogar die amerikanische Serie "Myth Busters" kam zu Schluss, dass, wenn die Hände gut gewaschen wurden, es kein Problem bei der Verbreitung von Mikroben gibt.

Skeptiker von automatischen Händetrocknern bringen häufig das "Schlechte Luft" Argument an und weisen damit darauf hin, dass die eingezogene Luft, die dann wieder vom Gebläse ausgestossen wird verschmutzt sei. Dies ist ebenfalls wenig überzeugend, weil moderne Schwebstofffilter mehr als 99 Prozent der Bakterien und Mikroorganismen in der Luft entfernen. Daher verwenden automatische Trockner saubere Luft und keine "schmutzige" Luft.

Glücklicherweise gibt es gesellschaftliche Bestrebungen den täglichen Energie- und Wasserverbrauch zu reduzieren. Technische Innovationen, wie zum Beispiel elektrische Händetrockner helfen dabei. Nun stellt sich die Frage, ob es immer noch angebracht ist, große Papiermengen im Badezimmer zu verwenden, wenn grünere Lösungen existieren.

Das Für und Wider beider Technologien sollte von gastronomischen Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und Flughäfen getroffen werden. Es wäre schade für Fortschritt und Umwelt, wenn die Einzelinteressen der Papierindustrie dem hygienischen und einfachen Händetrocknen ein Ende bereiten würden.

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