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Australien feiert 5 Jahre Plain Packaging - Aber gibt es wirklich Grund zur Freude?

02/12/2017 16:20 CET | Aktualisiert 02/12/2017 16:20 CET
KatarzynaBialasiewicz via Getty Images

Am 1. Dezember 2012 trat in Australien das weltweit erste Gesetz zu marken-freien Einheitsverpackungen für Zigaretten (Plain Packaging) in Kraft. Die australische Regierung erhoffte sich durch die Verschleierung von Marken den Tabakkonsum weniger attraktiv zu gestalten und damit nachhaltig die Raucherrate zu verringern.

Viele Gesundheitsexperten feierten und feiern weiterhin Plain Packaging als eine wichtige Säule zur Bekämpfung von nicht-übertragbaren Krankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von eindeutigen Beweisen für die Effektivität von Plain Packaging. Daraufhin folgten mit Frankreich, Irland und Großbritannien gleich drei europäische Länder dem australischen Beispiel und verbannten Marken von Zigarettenschachteln.

Wenn man sich die Statistik des australischen Statistikamtes anschaut, sieht es auch so aus als ob Plain Packaging einen Rückgang der Raucherquote herbeigeführt hat. Während vor der Einführung noch 16.1% geraucht haben ging dies auf 14.5% im Jahr 2015 zurück. Diese Zahlen beziehen sich allerdings lediglich auf offizielle Verkaufszahlen und beinhalten keine eigentlichen Verbrauchszahlen.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt daher die australische Criminal Intelligence Commission (ACIC), die stichprobenartig die Abwässer von Haushalten untersucht hat. Diese Untersuchung kam zum Ergebnis, dass Tabakkonsum in Australien ansteigt. Als die Leiterin der ACIC zu der Diskrepanz ihrer und der Daten des Statistikamtes befragt wurde, wies sie darauf hin, dass die ACIC-Daten auch den Schwarzmarkt einberechnen, während die andere Studie lediglich die legal-verkauften Zigaretten messen würde.

Eine wissenschaftliche Studie des Melbourner Ökonomieprofessors Sinclair Davidson kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Er sieht keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Einführung von Plain Packaging und verringertem Rauchen. Es zeigte sich sogar, dass die Rate der rauchenden Jugendlichen seit 2012 gestiegen sei.

Steuererhöhungen und Plain Packaging hatten also wirklich einen senkenden Einfluss auf den Verkauf von legalen und versteuerten Zigaretten. Dadurch, dass Einheitsverpackungen aber deutlich einfacher zu fälschen sind und Zigaretten teurer wurden, haben sich mindestens 10% des Tabakkonsums in Richtung Schwarzmarkt verschoben. Der Schaden für den australischen Staatshaushalt liegt in Milliardenhöhe, der Schaden für Raucher, die deutlich minderwertige gefälschte Zigaretten rauchen wohl noch höher.

Bei indonesischen Schmugglerbanden sollen wohl die Korken geknallt haben als nach Australien auch Großbritannien die Einheitsverpackungen angekündigt hatte.

Eine repräsentative Umfrage durch Nanos ergab, dass die Mehrheit der befragten Kanadier nicht an die Effektivität von Einheitsverpackungen glauben. Eine richtige Annahme, die durch harte Daten bestätigt wird.

Trotz dieser Datenlage und einer mehrheitlichen Skepsis gegenüber Plain Packaging steht das Thema weiterhin ganz oben auf der Agenda von Gesundheitsfunktionären weltweit. Während Mediziner, WHO und Gesundheitspolitiker die Einführung von Plain Packaging auch in Deutschland fordern, sollte Politik und Gesellschaft bewusst sein, dass das australische Experiment gescheitert ist und lediglich das organisierte Verbrechen wirklich etwas von dieser Politikmaßnahme hat.

Das ständige Anzweifeln von vorherrschenden Meinungen ist ein wichtiger Entdeckungsprozess in Wissenschaft und Gesellschaft. Nur wenn man über den eigenen Schatten springen kann und sich Fehler eingesteht kann man einen besseren Kurs einschlagen. Es wäre an der Zeit, dass die internationale Gesundheitslobby das Scheitern von Plain Packaging zugibt, Politik wieder Evidenz folgt und damit aufhört Daten und Fakten zu ignorieren.

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