BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Franziska Kiefl Headshot

Um aus der Wohnungsnot der Menschen Profit zu schlagen, machen Unternehmen vor nichts mehr halt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DEMOLITION
Sergei Karpukhin / Reuters
Drucken

Auf dem Münchner Wohnungsmarkt gelten offenbar keine Regeln mehr: Die Mietpreise grenzen an Wucher und selbst denkmalgeschützte Häuser sind geldgierigen Miethaien nicht mehr heilig.

Das zeigt ein Beispiel aus dem Münchner Stadtteil Giesing. Dort ließ ein Bauherr am vergangenen Freitag ein 177 Jahre altes Handwerkshäuschen einreißen - vermutlich um ein neues Wohnhaus auf dem Grundstück zu bauen. Illegal, aber was soll's.

In München lohnt es sich, ein denkmalgeschützes Haus abzureißen

In München kann man mit Wohnungsvermietung so viel Profit machen, dass Strafen egal werden. An den Mietspiegel hält sich nämlich keiner mehr.

So ist laut Statista München mit durchschnittlich 17,07 Euro Nettomiete pro Quadratmeter und Monat bei Neuvermietungen mit Abstand die teuerste Großstadt Deutschlands - gefolgt von Frankfurt mit nur 13,48 Euro und Stuttgart mit 13,15 Euro.

Hamburg schneidet im Statista-Vergleich noch am günstigsten ab. Hier zahlt man - im Vergleich zu München - süße 11,47 Euro pro Quadratmeter und Monat.

Mehr zum Thema: Diese Zahlen aus Berlin zeigen das ganze Scheitern der Mietpreisbremse

Immer noch nicht billig, doch ein Mietpreis, bei dem es sich wohl nicht lohnen dürfte, ein denkmalgeschütztes Haus abzureißen. Anders in Giesing. Da hat der Bauherr am vergangenen Freitag wohl genau kalkuliert, dass seine Mieteinnahmen durch einen Neubau früher oder später die Bußgelder decken würden.

Der Mietmarkt hat versagt

Nachdem schon am Vortag die Bagger anrückten, gingen Giesinger Anwohner auf die Barrikaden. Sie riefen die Polizei, die den Abriss noch stoppen konnte - zumindest für 24 Stunden.

Denn allen Drohungen der Gesetzeshüter zum Trotz, machten die Bagger und Abrissfahrzeuge am nächsten Tag das altehrwürdige Gebäude "innerhalb von 20 Minuten dem Erdboden gleich", berichtet die SZ.

Heilig war diesem Bauherrn in seiner Geldgier wohl gar nichts mehr.

Ein Beispiel, das zeigt: in München läuft etwas gewaltig schief. Wenn Straftaten begangen werden, um am Ende noch Profit aus ihnen zu ziehen, dann hat der Mietmarkt versagt.

Doch die bayerische Metropole war noch nicht immer so teuer. Laut "Süddeutscher Zeitung" ("SZ") sind die Mietpreise in München in den vergangenen 22 Jahren um ganze 70 Prozent gestiegen.

2017-09-07-1504783952-2794140-CopyofHuffPost3.png
Hartz IV, Wohnungsnot, Armut: Viele Menschen in Deutschland sind betroffen - hier sind ihre Geschichten

Niemand hält sich an den Mietspiegel

2017-09-07-1504783952-2794140-CopyofHuffPost3.png
Hartz IV, Wohnungsnot, Armut: Viele Menschen in Deutschland sind betroffen - hier sind ihre Geschichten

Vorgesehen ist dieser Mietwucher eigentlich nicht: Dem Münchner Mietspiegel zufolge dürfte man beispielsweise für eine Wohnung bis 40 Quadratmeter je nach Baujahr und Lage nur 12 bis 14 Euro pro Quadratmeter und Monat verlangen.

Daran hält sich jedoch kaum einer. Für ein Apartement dieser Größe lassen sich Münchner Vermieter schon mal 25 Euro pro Quadratmeter bezahlen.

Wie das möglich ist, ist ganz einfach: Auch wenn es für jede Stadt einen Mietspiegel gibt, regelt sich der Wohnungsmarkt de facto nach dem Angebot und Nachfrage-Prinzip. Denn sind Menschen bereit, eine übertrieben hohe Miete für ein Wohnobjekt zu zahlen, handelt der Vermieter auch legal, wenn er diese Mietsumme verlangt.

In München ist die Wohnungsnot so groß, dass der Geldbeutel dementsprechend weit aufgemacht wird.

Die Großstadt lockt natürlich mit einigen Arbeitsplätzen. Deshalb kommen viele Menschen dorthin. Weil es aber in München zu wenig Wohnraum gibt, finden viele von ihnen keine Unterkunft. Die Folge: In München sind selbst die Obdachlosenheime überfüllt.

Mehr zum Thema: "Sie bewerfen mich mit Flaschen": In München leben über 7000 Obdachlose - eine Begegnung mit einem, der den Mut nicht verliert

Wer also eine Wohnung findet und sie sich leisten kann, der zögert meist auch nicht lange. So bleibt vielen Mietern gar keine andere Wahl, als die übertriebenen Preise zu zahlen.

Angebot: Gemeinsam schöner leben. Mit dem Social-Media-Portal "Nebenan.de" könnt ihr euch mit euren Nachbarn online absprechen.

Hier könnt ihr euch bei Nebenan.de kostenlos anmelden



Es gibt Hoffnung

Hoffnung gibt es jedoch für den Münchner Mietmarkt.

Denn Aktionen, wie der illegale Abriss des denkmalgeschützten Hauses in Giesing, bleiben nicht ungestraft. Um den Miethai in die Schranken zu weisen, fordert das Landesamt für Denkmalpflege nun einen exakten Nachbau des Gebäudes, wie die "SZ" berichtet.

Aus den Plänen, aus dem Grundstück möglichst viel Gewinn zu schlagen, wird wohl also nichts. Schließlich prägen Geschichte und Kultur das Stadtbild Münchens.

Und eines ist sicher: Wenn Kulturgut in der Stadt verloren geht, dann geht auch ihr Charme verloren.

Und spätestens dann lässt sich selbst in München keine Ausrede mehr für die enormen Mietpreise finden.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');