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Ich wollte zur Hautkrebsvorsorge - doch mein Arzt sagte mir nur, was er an mir verschönern würde

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SKIN DOCTOR
Zinkevych via Getty Images
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Viele Leute denken, Ärzte verdienen genug Geld. Ich auch. Ein Dermatologe im schönen Münchner Stadtteil Schwabing wohl allemal.

Vor allem, wenn er dann noch Lippen aufspritzt, Cellulite behandelt und Gesichter strafft, wie mein Arzt.

Bei dem Angebot schien mir mein Anliegen auf einmal total banal. Denn ich wollte einfach nur zur Hautkrebs-Vorsorge.

Die Schickimicki-Praxis verließ ich jedoch mit der Schock-Diagnose Akne, einigen Pröbchen sündhaft teurer Pflegeprodukte und einem Selbstwertgefühl, das unterirdischer nicht hätte sein können.

"Mit einer speziellen Laserbehandlung bekommen Sie das wieder in den Griff"

Eigentlich wollte ich nur einem fachkundigen Auge mein besonders schwarzes Muttermal zeigen, um das ich mich ernsthaft gesorgt hatte.

Das Muttermal erwies sich als harmlos. Herausgekommen ist aber der Albtraum aller Frauen und Mädchen: Akne.

Kaum betrat ich das Sprechzimmer, bekam ich auch schon die Diagnose gestellt:

"Sie haben Akne, das wissen Sie? Aber keine Sorge, wir können Ihnen da eine spezielle Laserbehandlung anbieten, mit der Sie das in den Griff bekommen. Und ich empfehlen Ihnen eine besondere Pflegeserie. Damit hätten Sie bald wieder Ihre schöne Haut zurück."

Mein Arzt versuchte mich damit wohl zu beruhigen - unwissend, dass mein Studentenbudget gerade mal für die Drogerie ausreicht.

Aus dem dringenden Bedürfnis heraus, mich sofort mit Cremes, Waschgel und Pickel-Masken auszustatten, stapfte ich also sofort in den nächstbesten dm-Markt.

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Ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen und irgendwie betrogen. Ich selbst hatte vorher nie das Gefühl, besonders unreine Haut, geschweige denn Akne zu haben.

Sehe ich wirklich so schlimm aus?

Aber ein Arzt muss es ja wissen, oder?

Vielleicht nicht immer. Ich erinnerte mich an meinen ersten Hautarztbesuch vor drei Jahren zurück. Damals musste ein Muttermal an meiner Brust entfernt werden.

Obwohl ich gerade mal 17 war, wurden mir im Wartezimmer Flyer zu Brustvergrößerungen, Lippenfüller und Botoxbehandlungen überreicht.

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Damals fand ich es merkwürdig. Heute finde ich es dreist und gefährlich. Bei einem harmlosen Arztbesuch wird jungen Frauen so suggeriert, sie sollten mal über eine Schönheits-Op nachdenken. Wenn der Geldbeutel dann nicht ganz so groß ist, tut es auch für's Erste ein 200 Euro Gesichtspflege-Set.

Selbst eine Patientin, die mit großem Selbstbewusstsein gesegnet ist, fragt sich da doch unweigerlich: "Sehe ich wirklich so schlimm aus?"

Mir war es das einfach nicht wert

Die Antwort ist wohl meistens: nein.

Auch wenn die ominösen Vorschläge meiner Hautärzte oft unter dem Deckmantel der Gesundheit erfolgten - ich bin mir ziemlich sicher, sie wollten mir nur etwas verkaufen.

Zu dieser Einsicht kam ich, als ich mit einem Korb voller Pflegeprodukte an der dm-Kasse stand und überschlug, was mich das alles kosten würde. Das Geld konnte ich genauso gut in einen schönen Restaurantbesuch investieren. Oder dreimal zu Mc Donald's.

Mehr zum Thema: An den Mann, der mir geraten hat, mich mit Säure zu übergießen

So oder so - mir war es das einfach nicht wert.

Und so nahm ich mir in dem Moment fest vor, mir mein positives Körpergefühl nie wieder von jemandem wegnehmen zu lassen.

Schon gar nicht von Medizinern, denen die psychische und finanzielle Gesundheit ihrer Patienten offensichtlich egal ist - solange sie daran verdienen können.

Von Franziska Kiefl, Mitglied im Blogteam

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