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Liebes O2-Team, ich hatte mit dem schlimmsten Service gerechnet, doch auf diesen Horror war ich nicht vorbereitet

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O2
Adam Berry/Getty Images
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Liebes O2-Team,

eure Angebote mögen ja zu den günstigsten Deutschlands gehören. Aber als ich gestern eine eurer Filialen aufgesucht habe, um mich beraten zu lassen, da traf mich trotzdem der Schlag.

Dass ihr Kundenbetreuung nicht erfunden habt, das hört man ja mittlerweile aus allen Ecken. Aber dass ihr noch weniger Wert darauf legt, mit euren Produkten Gewinn zu erzielen, das hat mich dann doch überrascht.

Zumindest, nachdem mich gestern einer eurer Mitarbeiter aus dem Laden geworfen hat - zusammen mit einer eher ungewöhnlichen Bitte.

Doch das war nur das krachende Ende einer von Anfang an sehr belasteten Beziehung mit dem Internetanbieter, von dem ich mich heute so betrogen fühle.

Wir wollten doch nur das perfekte Netflix & Chill - Erlebnis

Das dunkle Kapitel begann vor ungefähr einem Monat. Da bezogen mein Freund und ich unsere erste gemeinsame Wohnung. Nach einem ausgiebigen Ikea-Shoppingtrip, der uns finanziell fast in die Privatinsolvenz trieb, suchten wir hoch motiviert einen O2-Shop in der Münchner Innenstadt auf.

Zum perfekten Wohnerlebnis fehlte noch ein DSL-Anschluss. Schließlich sahen wir uns schon bald auf unserer neu erstandenen Couchlandschaft kuschelnd Netflix schauen.

Doch dieses Glück sollte uns noch lange verwehrt bleiben.

Der Vertragsabschluss ging ganz schnell - und erstaunlicherweise auch direkt im Shop. Der Techniker dagegen, der unsere Leitung legen sollte, kam überhaupt nicht schnell.

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Das ganze dauerte 21 Tage. In einer Zeit, in der wir Daten in Sekundenschnelle um die Welt schicken, dauerte es 21 Tage, einem Haushalt das Geschenk des Wlans zu geben. Alleine das fanden mein Freund und ich schon höchst bemerkenswert.

Als dann der lang ersehnte Techniker endlich Zeit für uns fand, wunderte er sich bereits, warum uns der vertraglich zugesicherte Router noch nicht zugeschickt wurde. Da waren wir dann schon zu dritt.

Naja, Fehler können immer passieren, dachte ich mir und beschloss, dem so unschlagbar günstigen O2 noch eine Chance zu geben.

Liebes O2 - ich fühlte mich betrogen

Ich suchte am nächsten Tag eine Filiale auf, wo mir ein zugegeben sehr netter Herr höflich erklärte, er habe keine Möglichkeit, den Verbleib des Göttergeräts nachzuverfolgen.

Hilfsbereit, nur leider hilflos. Er riet mir am Ende, die Hotline zu kontaktieren.

Gesagt, getan. An den den darauffolgenden Tagen wählte ich die Nummer, hing eine Stunde lang in der Leitung fest und wurde dann mit den freundlichen Worten der Bandansage aufgefordert, "zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anzurufen", da kein "Mitarbeiter verfügbar sei".

Mittlerweile konnte ich dem Ganzen nicht mehr so viel Vertrauen schenken. Ich fühlte mich betrogen und stürmte leicht angesäuert mit meinem Freund an der einen und dem Bürgerlichen Gesetzbuch in der anderen Hand noch einmal die O2-Filiale in der Münchner Innenstadt.

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Diesmal erwartete mich dort ein anderer Mitarbeiter - diesmal nicht nur hilflos, sondern auch ganz und gar nicht hilfsbereit.

Ich schilderte ihm noch einmal unseren Fall. Wiederum riet er mir, die Hotline zu kontaktieren.

Mein Freund - noch die Warteschleifen-Überbrückungsmusik in den Ohren - fand das ganz und gar nicht lustig. Er machte deutlich, dass wir genau das nicht mehr vorhaben.

"Kündigen Sie doch einfach wieder"

Daraufhin fand der O2-Filialmitarbeiter einen ganz anderen Lösungsansatz, bei dem es jedem Unternehmensberater wohl kalt den Rücken runtergelaufen wäre.

"Kündigen Sie doch einfach wieder und gehen Sie zu einem anderen Anbieter" , empfahl er uns. "Ich hätte das alles nicht mitgemacht, ich hätte an Ihrer Stelle gleich gekündigt."

Wow. Dass viele Kunden über den Mobilfunk- und Internetanbieter schimpfen, das war mir ja bewusst. Aber dass selbst der Mitarbeiter seinen Laden nur so semi-vertrauenswürdig findet und nicht mal seinen eigenen Kunden weiterempfiehlt, das fanden wir dann schon etwas kurios.

Dennoch, beim Gedanken an die Warteschleifen-Überbrückungsmusik schien uns sein Vorschlag durchaus sinnvoll. Wir gingen in die Filiale eines anderen Anbieters, ließen uns beraten und ein neues Angebot unterbreiten.

Am Ende brannte mir jedoch noch eine Frage auf der Zunge: Was würde denn dieser Internetanbieter tun, wenn der versprochene Router nicht ankommen und sich mein ultimatives Netflix and Chill-Erlebnis auf unbestimmte Zeit verschieben würde?

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"Normalerweise hat jede Filiale eines jeden Anbieters in einem solchen Fall Leihgeräte - das ist Gang und Gäbe."

Na wenigstens ein Licht im Dunkeln.

Wann ich jetzt meinen nächsten Serienmarathon starten kann, weiß ich zwar immernoch nicht, gelernt habe ich jedoch eine Sache fürs Leben:

Günstig und gut sind eben doch zwei verschiedene Dinge. Und manchmal lohnt es sich vielleicht, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen - und dafür etwas weniger Ärger zu haben.

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