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Das ist mein Weg zu einer schmerzfreien Geburt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SCHWANGER
evgenyatamanenko via Getty Images
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Wie kommt man eigentlich darauf, zu denken, dass eine Geburt sanft, einfach und sogar ohne Schmerzen sein kann? Ich kann mir gut vorstellen, dass ich mit diesem Thema polarisiere und viele verschiedene Gedanken hervorrufe. "Das ist absoluter Unsinn, soll sie erstmal ihr erstes Kind bekommen und dann reden wir weiter." denken vielleicht Mütter, die bereits eine Geburt hinter sich haben.

"Das ist der größte Quatsch, den ich je gehört habe. Das kann gar nicht sein", denken vielleicht diejenigen, die zufällig über den Artikel gestolpert sind. "Das wäre ja der Hammer, wenn sie Recht hat!" denken sich wahrscheinlich alle, die sich wünschen, dass es möglich ist. Egal, was du gerade denkst. Ob du mich für verrückt hältst, neugierig bist oder vielleicht am liebsten schon wütend wegklicken möchtest. Lies die nächsten Zeilen und dann entscheide einfach für dich, ob du mich bei meinem Experiment begleiten möchtest :-)

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Stell dir einmal folgende Geschichte vor: Von klein auf an erzählen dir alle Menschen um dich herum, wie gefährlich Hunde sind. Sie beißen, fallen Menschen (und vor allem kleine Kinder) an und man sollte ihnen immer aus dem Weg gehen. Egal ob Freunde, Familie, Bücher oder Filme. Alle berichten dir immer und immer wieder von der Gefahr, die von Hunden ausgeht.

Da du gut behütet in deinem Zuhause aufwächst, triffst du die ersten Jahre erst einmal keinen Hund - Gott sei Dank. Nach einigen Jahren - sagen wir einmal du bist 7 Jahre alt - ist es dann aber so weit. Mitten auf der Straße kommt dir eine Familie mit Hund entgegen. Was meinst du wohl, wie du und vor allem dein Körper nach all den Geschichten reagieren? Du hast Angst... und zwar so richtig!

Dein Körper erstarrt, Schweißperlen zeigen sich auf deiner Stirn und dein Herz rast. Jetzt läuft der Hund auch noch schneller und schaut dich sogar an. Dein Verstand schaltet sich sofort ein und sagt: "Oh mein Gott. Alle hatten Recht! Schau nur, wie er zum Angriff ansetzt. Gleich ist er bei dir und wird dich beißen. Lauf lieber schnell weg. Ansonsten passiert genau das, wovor dich alle gewarnt haben."

Da du 7 Jahre alt bist, fängst du wahrscheinlich direkt an, zu weinen. Das macht dich natürlich noch spannender für den Hund, der jetzt noch ein Stück näher auf dich zukommt. Dir ist klar: Das wars jetzt! Gerade so schaffst du es noch, schreiend davon zu stürmen. Der Hund (den das natürlich total erschrickt) bellt dir hinterher und ehe du dich versiehst hast du dir deine eigenen Beweise für die Geschichte erschaffen, die dir immer erzählt wurde. Hunde sind gemeingefährlich.

Wir erleben das, was wir glauben.

Worauf möchte ich hinaus? Wir erleben das, was wir glauben. Wenn wir unserem Verstand immer und immer wieder ein und dieselbe Geschichte erzählen, dann wird er sie natürlich glauben und genau die Dinge wahrnehmen, die diese Geschichte unterstützen. Für alle anderen Informationen ist er gar nicht offen.

Zurück zum Hundebeispiel. Wenn wir uns Hunde nur lang genug immer wieder als Bestien vorstellen, wie sollen wir denn da entspannt und locker bleiben, wenn wir einem begegnen? Da könnte der liebste Hund vor dir stehen, der wahrscheinlich einfach nur neugierig ist oder dich ohne eine Reaktion deinerseits komplett ignorieren würde. Du könntest es gar nicht sehen. Für deinen Verstand war von vornherein klar, dass da eine riesige Gefahr auf dich zukommt, egal ob das stimmt, oder nicht.

Wir sind darauf geschult erst einmal alles zu glauben, was man uns erzählt.

An dieser Stelle würde ich zu gern einen Blick auf unser Schulsystem werfen. Das würde aber zu einem ganzen Roman führen. Nur so viel: Es wird uns jedenfalls nicht beigebracht, Dinge zu hinterfragen. Aus Geschichten, die wir hören, lesen und sehen werden Glaubenssätze und Überzeugungen. Diese sorgen dafür, dass wir mit sehr großer Wahrscheinlichkeit genau das erleben werden, was wir glauben - vor allem, wenn es uns Angst macht.

Glaubenssätze und Überzeugungen zur Geburt

Kommen wir also endlich zum Geburts-Thema. Ich möchte gern meine Erfahrung mit dir teilen. Mir wurde bereits als Kind, dann als Jungendliche und auch als Erwachsene immer von allen Seiten erzählt, wie schmerzhaft und qualvoll diese Geburts-Stunden sind. Mir hat nie jemand davon berichtet, dass es eine total natürliche und sanfte Erfahrung war, an die man sich gern zurück erinnert.

Zugegeben, die meisten sagen noch dazu, dass sie sich irgendwann nicht mehr an die Schmerzen erinnern konnten. Immer mehr sagen aber auch, dass es bei einem Kind bleibt - so etwas wollen sie nie wieder erleben. Sehr motivierend.

Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass mein Körper in ein paar Wochen bei der Geburt genau wie der des siebenjährigen Kindes (das dem Hund gegenüber steht, der angeblich so gemeingefährlich ist) reagiert? Aus meiner Sicht, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 100%, dass ich genau das erleben werde, was mir immer alle gesagt haben. Sobald mir klar ist "Ohje, jetzt geht es los!" stellt mein Körper sich auf "Achtung, es folgen die schlimmsten Stunden und qualvollsten Momente deines Lebens!" ein. Mein Körper verkrampft.

Das ganze Zeugs mit dem Atmen und Kreisen vergesse ich bestimmt direkt am Anfang und auch wenn die Hebamme mich erst freundlich, dann immer bestimmter daran erinnert, hilft es nicht wirklich. Ich werde das alles irgendwie nur überstehen wollen. Da mein Körper durch die Angst regelrecht erstarrt ist, kommt alles (was die Natur sich ziemlich genial ausgedacht hat) irgendwie nicht so richtig in Gang.

Es tut weh, es zieht sich ewig, auch die Schmerzmittel helfen alle irgendwie nach einiger Zeit nicht mehr und warum wollte ich noch einmal ein Kind? Während ich alles in Frage stelle und genau das erlebe, von dem mir alle erzählt haben, kommt dann Gott sei Dank irgendwann doch das Baby auf die Welt.

Ich werde allen Frauen, egal ob schwanger oder nicht (gefragt und ungefragt) irgendwann in den nächsten Jahren davon berichten, wie schmerzhaft und qualvoll es war. Vielleicht haben die Frauen, die ich treffen werde, Glück und ich werde direkt im Anschluss berichten, dass es sich aber gelohnt hat.

Hypnobirthing

Puh. Fühlst du den Stress beim Lesen gerade genauso wie ich beim Schreiben? Falls ja, habe ich gute Nachrichten. Mir ist direkt am Anfang meiner Schwangerschaft ein Buch von Marie F. Morgan (Hypnobirthing) in die Hände gefallen, welches all meine Glaubenssätze und Überzeugungen zur Geburt komplett in Frage gestellt haben. Ich werde dir in den nächsten Beiträgen nach und nach berichten, was mich wachgerüttelt hat.

Das Buch war quasi der gute Freund, der sich in der Hundegeschichte neben mich (als 7-Jährige) gestellt hat und gesagt hat "Schau mal hin. Vielleicht ist es ganz anders, als alle sagen. Warum sollte jeder Hund gefährlich sein? Schau mal, da ist doch direkt ein Kind neben dem Hund. Das spielt sogar mit ihm."

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Auf einmal konnte ich sehen, was ich vorher nicht für möglich gehalten hatte. Da ich weder weinte noch wegrannte, kam der Hund nicht auf mich zu und bellte auch nicht. Ich sah wie er sogar liebevoll und friedlich mit dem Kind spielte. Er ging samt Familie und dazugehörigem Kind einfach an mir vorbei. Auf einmal hatte ich meine Geschichte, die ich mein Leben lang geglaubt hatte, einfach umgeschrieben...

Ich möchte in erster Linie für mich ganz persönlich meine Geschichte und Glaubenssätze rund um das Thema Geburt umschreiben.

Da ich fest daran glaube, dass es funktionieren kann, möchte ich euch mitnehmen und euch inspirieren. Lasst uns gemeinsam neue Glaubenssätze zu diesem Thema aufstellen. Im nächsten Beitrag werfen wir erstmal einen Blick darauf, was sich die Natur eigentlich beim Geburtsvorgang gedacht hat.

Soviel bereits vorab: Habt ihr schon mal von einer Kuh, einer Stute oder einem anderen Säugetier gehört, gelesen oder gesehen, wie es sich qualvoll durch die Geburt kämpft? Warum sollten wir Menschen die einzigen Säugetiere sein, die bei der Geburt leiden und scheinbar höllische Schmerzen erleiden? :-)

Die Autorin betreibt den Blog EinfacheGeburt.de

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