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Warum Intuition für uns Mamis so wichtig ist

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"Mami, ich weiß, dass wir ab und zu zum Arzt müssen, oder die Hebamme kommt. Ich weiß auch, dass du dich gern mit anderen Mamis triffst, oder wir bei der Familie sind. Es geht aber so schnell, dass dich die Meinungen der anderen verwirren, statt dich zu stärken... dabei bist du doch die einzige, die weiß was ich brauche! Du weißt es immer, dein Bauchgefühl sagt es dir, denn ich kann ja noch nicht sprechen. Bleib bei dir und deinem Gefühl, die anderen haben doch alle ganz andere Kinder und Erfahrungen. Da ist es doch eher Zufall, wenn es auf mich passt. Du musst nicht perfekt sein! Du bist toll, wie du bist! Hör einfach immer wieder in dich rein und du wirst alles genau so richtig machen, wie es für dich und mich passt! Und wenn du es mal gar nicht weiß, frag mich! Ich zeige es dir... ohne Worte und auf meine Art! Ich liebe dich!"
(Dein kleiner Schatz)

Erkenne deine Intuition und kenne deinen Verstand

Deine Intuition ist die Fähigkeit, Dinge per Gefühl in ihrem Kern zu erfassen und das ziemlich schnell. Manche Menschen sprechen von Bauchgefühl, Instinkt, andere von innerer Stimme oder auch von Eingebung. Um deine Intuition zu erkennen, lass uns erst einmal einen Blick auf deinen Verstand werfen.

Dieser hat Zugang zu all deinen Erfahrungen, all deinem Wissen und ist eigentlich den ganzen Tag damit beschäftigt, sich viele Gedanken zu machen und alles, was ihm in den Weg kommt zu bewerten. Beide haben das gleiche Ziel: Sie wollen die für dich richtige Entscheidung finden. Ihr Unterschied liegt in der Sprache, die sie benutzen.

Dein Verstand nutzt deine Gedanken. Deine Intuition nutzt meistens Bilder, Symbole oder Gefühle, die plötzlich aus dem Nichts kommen - so scheint es jedenfalls. Wir sind gewohnt, unseren Gedanken zu folgen - schließlich machen wir uns den ganzen Tag extra welche.

Je mehr wir bewusst denken, desto weniger fallen uns die unbewussten Botschaften auf. Achte also einfach mal auf alles, was du nicht bewusst denkst. Manchmal kommt dir eine bestimmte Person auf einmal in den Sinn, oder ein Lied. Das alles sind Wegweiser, die dich leiten können.

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Kurzes Beispiel von mir: Wenn ich bei einem Thema nicht weiter komme und keine Antworten auf meine Fragen finde, dann kommt mir meistens von jetzt auf gleich eine ganze bestimmte Person in den Kopf.

Rufe ich sie an, gibt es in unserem Gespräch meistens irgendeinen Denkanstoß, der mich weiter bringt. Oft treffe ich aber auch im Alltag auf einmal einen Menschen, der scheinbar genau die richtige Antwort für mich hat. Das alles hat jetzt weniger mit Hokuspokus zu tun, als es vielleicht erst einmal klingt.

Du bist nur viel offener für genau diese Botschaften, weil dein Unterbewusstsein sie ja eh schon kennt. Das ist ähnlich wie mit den schwangeren Frauen, die man auf einmal überall sieht, wenn man selbst einen Kinderwunsch hat oder gerade schwanger ist.

Verstand oder Intuition? Immer dem guten Gefühl nachgehen...

Wie kannst du jetzt unterscheiden, wer da mit dir spricht? Wenn du deinen Intuitionsmuskel erst wieder trainieren musst, gibt es einen guten Indikator, wie du beides unterscheiden kannst. Deine Intuition fühlt sich immer gut und richtig an. Dein Verstand (der ja eh schon wild durcheinander denkt), fühlt sich hingegen eher unangenehm und manchmal auch beklemmend an. Nehmen wir mal das heiß diskutierte Impfthema als Beispiel.

Keine Angst, ich werde nicht inhaltlich einsteigen. Dieses Thema ist nur so passend, weil es ziemlich schwarz-weiß in Deutschland diskutiert wird und wenn man sich damit beschäftigt auch noch unzählige Graustufen hinzukommen. Der Verstand hat also richtig viel zu tun und am Ende bleiben zwei bis drei Möglichkeiten für dich und dein Kind übrig.

Wenn du diese jetzt mal auf dich wirken lässt, bekommst du ganz sicher ein angenehmes Gefühl bei einer der Möglichkeiten. Nur ist es vielleicht genau die, von der du (dein Verstand) es nicht gedacht hättest - probiere es mal aus.

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Die gute Nachricht ist, das Gefühl wird immer stärker, je mehr du deinen Intuitionsmuskel trainierst. Bei mir ist es so, dass sich meistens eine richtige Erleichterung einstellt, wenn ich die intuitiven Botschaften erhalte. Also immer schön da entlang gehen, wo es sich gut anfühlt.

Warum wir es als Mama und Papa mit der Intuition manchmal so schwer haben...

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber vor der Geburt meines Sohnes hatte ich einen richtig guten Zugang zu meiner Intuition und es war leicht für mich, sie zu erkennen. Seit der Geburt muss ich jedoch beinahe täglich darum kämpfen, dass ich sie wahrnehmen kann. Woran liegt das?

Je vertrauter uns eine Situation ist, desto sicherer sind wir und ist vor allem unserer Verstand auch. Beispielsweise im Job. Ich bin hauptberuflich für (gute) Kommunikation innerhalb eines Unternehmens verantwortlich. Das habe ich studiert, habe schon einige Jahre Berufserfahrung und mir macht das alles auch noch Spaß.

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Da erschüttert mich so leicht nichts und ich kann in beruflichen Situationen immer darauf achten, was meine Intuition mir sagt. Mein Verstand kann sich hier meistens mit "kenn ich", oder "weiß ich, wie ich damit umgehen muss" zurücklehnen.

Mama und Papa zu werden und zu sein ist Anfangs eine völlige Ausnahmesituation, bleibt aber auch ein Leben lang ein sich ständig ändernder Prozess. "Kenn ich" und "kann ich" sagt sich der Verstand dann bestenfalls beim zweiten oder dritten Kind, aber grundsätzlich haben wir es ein leben Lang mit immer wieder neuen unbekannten Situationen zu tun.

Ich habe für mich nach der Geburt irgendwann gemerkt, dass ich einfach andauernd unsicher bin und sobald eine Sache klappt, kommen zwei neue dazu, die ich erst wieder lernen darf. Also kurz gesagt: Unser Verstand ackert auf Hochtouren. Bewertet alles vor- und rückwärts und falls noch Zeit bleibt, verfällt er in grübelnde Gedanken. Kein Wunder also, dass wir Schwierigkeiten haben, unsere Intuition zu hören.

Experten, Familie, andere Mamis und viele viele Ratgeber...

Bei mir war es so, dass ich Anfangs allen Terminen beim Arzt, der Hebamme oder mit anderen Mamis entgegengefiebert habe. Von ihren Meinungen habe ich mir all die Antworten erhofft, um meine Unsicherheit zu verbannen. Aber genau das Gegenteil ist passiert. Ich war danach immer viel unsicherer als vorher, habe mir ständig Vorwürfe gemacht und hatte viele Ängste, alles falsch zu machen.

Am schlimmsten waren für mich die Bewertungen, vor allem die der Ärztin und der Hebamme. "Zu groß.", "Zu klein.", "Zu langsam.", "Zu schnell.", "Oh, der bekommt mal Probleme mit der Haut.", "Das Köpfchen müsste er aber schon längst halten können." Kennst du sicher auch zu gut.

Mein Verstand hat in diesen Situationen, in denen ich eh schon überfordert war (weil alles ständig neu war), auch noch total viel Futter von außen bekommen. Darüber musste er sich natürlich erstmal Gedanken machen. Alles wollte schließlich genau durchdacht, bewertet und begrübelt werden. Keine Chance also für meine Intuition.

Lass dich inspirieren, aber lass dich nicht verrückt machen

Wo ist der Ausgang und Richtung Intuition? Wenn du dir darüber bewusst bist, dass dein Verstand auf Hochtouren ackert und durch deine Unsicherheit (die völlig normal ist) den lieben langen Tag vor sich hinrödelt, dann hast du eigentlich schon alles getan, was wichtig ist.

Du kannst dich ganz aktiv dafür entscheiden, deine Intuition wahr zu nehmen. Es ist, als würdest du den Scheinwerfer auf deiner Bühne vom Verstand auf die Intuition richten. Dann kannst du wahrnehmen, was deine Intuition dir an Bilder, oder Gefühlen schickt.

Es gibt eine Frage, die mir in allen Situationen hilft, den Scheinwerfer immer wieder auf meine Intuition zu richten:

"Fühlt sich das, was ich da höre oder lese, für mich stimmig an?"

Dadurch bin ich sofort im Gefühl. Du kannst dich also von allem, was für dich passt, inspirieren lassen und alles, was nicht passt, beiseite lassen. Ich weiß, dass ist leichter gesagt, als getan. Aber wir haben ja auch ein Leben lang Zeit zum üben 🙂

Die Autorin betreibt den Podcast "Einfach Mami - Dein Podcast für mehr Achtsamkeit und Intuition im Mamialltag"

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