BLOG

Es wird nicht nur ein Baby geboren, sondern auch eine Mami

22/02/2017 13:41 CET | Aktualisiert 22/02/2017 13:41 CET
Nadezhda1906 via Getty Images

Gute zehn Monate sind wir mit dem Wunder in unserem Bauch beschäftigt und auch danach geht es ja ehrlich gesagt rund um die Uhr um unseren kleinen Schatz. Aber mindestens ein genauso großes Wunder passiert mit und in uns.

Wir werden im wahrsten Sinne des Wortes neu geboren. Als Mami... Bisher warst du: Tochter, Frau, Freundin, Kollegin, Tante,... und jetzt bist du Mama. Eine komplett neue Rolle.

Mein Baby... Du entdeckst die Welt, ich das Mamasein...

Weißt du, warum mir so richtig wohlig bei diesem Gedanken wird? Weil ich auf einmal - wenn ich so richtig in diesen Gedanken reingehe - bereit bin, mir all die Liebe, Geduld, Neugier und Ausdauer entgegen zu bringen, die ich meinem Baby entgegen bringe.

Oft will ich perfekt sein, schon alles können und Geduld habe ich mit mir am aller wenigsten. Bis mir wieder einfällt, dass auch ich neu als Mami auf diese Welt gekommen bin.

Dabei bin ich genauso hilflos, genauso neugierig, genauso überfordert, genauso mit Freude erfüllt wie mein Baby. Nur habe ich kaum Zeit, mir darüber bewusst zu werden. Ich lade dich deshalb aus tiefstem Herzen ein, diesen Gedanken einmal auf dich wirken zu lassen. Schau dir am besten direkt mal dein kleines Wunder an (oder denk an das Wunder in deinem Bauch).

Ich schaue meinen kleinen Schatz auch gerade an: Alles, was er sieht, sieht es zum ersten Mal. Alles, was er berührt, berührt er zum ersten Mal. Alles was er trinkt und isst, wird er zum ersten Mal schmecken und riechen.

Alles was er fühlt, wird er zum ersten Mal fühlen. Bisher kennt mein Baby kein Glück, keine Angst, keine Freude und keine Traurigkeit. Das alles kommt erst nach und nach und es wird ihn wahrscheinlich umhauen...

... genau wie mich. Diese Freude, wenn ich all das zum ersten Mal beobachten darfst, die haut mich um. Diese Verzweiflung, wenn ich gerade (mal wieder) nicht weiter weiß, macht mich wahnsinnig.

Diese Traurigkeit, wenn ich das erste Mal die großen Kullertränen sehe, so eine tiefes Mitgefühl kannte ich noch nicht. Dieses Glück, wenn ich daran denke, was für ein Wunder mein Körper da vollbracht hat und das alles einfach gut gegangen ist.

Diese Angst, etwas falsch zu machen, oder noch schlimmer... etwas kaputt zu machen, die kannte ich so noch gar nicht. Diese Hilflosigkeit, dass ich einfach so viele Dinge nicht weiß und die Befürchtung, dass ich sie wahrscheinlich nie wissen werde... die kann ich oft gar nicht aushalten. Alles passiert genau wie bei meinem kleinen Baby zum ersten Mal.

Tausende Gemeinsamkeiten und ein Unterschied

Während ich das hier so schreibe wird mir immer mehr bewusst, wie wertvoll dieser Gedanke ist. Denn er wirkt in gleich zwei machtvolle Richtungen. Einmal hilft er, dass ich mit mir als Mama liebevoller, geduldiger und achtsamer umgehe.

Er hilft aber auch, dass ich noch mehr Mitgefühl und Verständnis für meinen kleinen Sohn aufbringen kann. Manchmal fällt es mir zum Beispiel total schwer, seine Ungeduld auszuhalten. Am liebsten möchte er stehen, bevor er sitzen kann. Laufen, bevor er sich drehen kann.

Wenn ich mich dann daran erinnere, dass ich selbst so oft ungeduldig bin als Mama, weil ich auch alles schon können möchte, dann werde ich auf einmal ruhig. Und ich verstehe... ich verstehe viel besser, wie er sich fühlt, denn ich fühle oft das gleiche.

Wir haben so viel gemeinsam: Mein Baby hat Entwicklungssprünge und auch ich als Mama kann auf einmal von heute auf morgen das unterschiedliche Weinen erkennen. Mein Baby weint manchmal einfach aus dem Grund, dass ihm alles zu viel ist in dieser Welt.

Auch ich weine, weil mir manchmal alles zu viel ist in dieser neuen Mamawelt. Egal wo mein Baby hinschaut, alles ist neu und unbekannt - die Welt wird erst nach und nach vertraut. Egal wo ich hinschaue: Auf einmal scheint alles wieder unbekannt und auch ich darf meine Welt noch einmal ganz neu entdecken.

Nur in einer Sache, da unterscheiden wir uns: Ich denke und mein Baby fühlt einfach. Mein Sohn lässt sich auf alles ein, was kommt. Fühlt alle Emotionen, die das Leben so bereit hält. Er macht sich (noch) keine Gedanken. Er gibt nie auf und versucht auch zum einhundertsten Mal, sich zu drehen.

Er wird es schaffen, nur weiß er es nicht. Er lacht, wenn er glücklich ist. Er weint, wenn es ihm nicht gut geht, oder er mit mir kommunizieren möchte. Und ich? Ich denke. Ich grüble und ich bewerte. Denn im Gegensatz zu meinem kleinen Schatz habe ich bereits viele Erfahrungen gemacht und meine das Leben zu kennen.

Ich bin in der gleichen Situation wie mein kleiner Sohn, aber ich erwarte so oft von mir, dass ich das alles beim ersten (oder wenn ich ganz großzügig bin, beim zweiten) Mal schaffe. ich erwarte von mir, dass ich funktioniere. Dass ich mich dabei auch noch gut fühle und sowieso dass eigentlich alles ist wie vorher. Kennst du das?

Sei überwältigt, sei liebevoll und fühle einfach

Lass es nochmal auf dich wirken: Es wird nicht nur ein Baby geboren, sondern auch eine Mami. Du bist genauso ein großes Wunder, wie dein kleiner Schatz. Du bist ganz neu in der Mamiwelt, musst erstmal ankommen, dich zurecht finden. Dann beginnst du alle Dinge langsam zu lernen... erst noch unsicher, dann immer selbstbewusster.

Immer dann, wenn dir alles vertraut vorkommt, ändert sich die ganze Welt wieder. Es ist fast zu 100% so, wie bei deinem Baby. Also sei genauso liebevoll zu dir, wie zu deinem Baby. Sei genauso geduldig mit dir, wie mit deinem Baby.

Staune über dich, so wie du über dein Baby staunst. Verzeihe dir, so wie du deinem Kind verzeihst, wenn mal etwas nicht so läuft, wie geplant. Genau wie dein Baby wirst du alles behutsam lernen. Du wirst nicht aufgeben (dir bleibt ja auch nichts anderes übrig), auch wenn es hunderte Anläufe braucht und irgendwann wirst du immer sicherer.

Andersherum funktioniert der Gedanke natürlich genauso. Falls du einmal zweifelst, dich die Ungeduld mit deinem Baby fast wahnsinnig macht, du nicht weiter weißt oder auch mal am liebsten ganz aufgeben willst. Genau dann erinnere dich daran, dass dein Baby genauso neu in dieser Welt ist, wie du in deiner Mamiwelt.

Alles ist manchmal zu viel, so wie es dir zu viel ist. Manchmal ist dein Bauchwunder ungeduldig und verzweifelt, so wie auch du ungeduldig und verzweifelt bist. Aber ganz oft kannst du die Freude spüren und irgendwann auch sehen, die Freude, die auch du als Mama empfindest.

Die Autorin hat Einfach Mami ins Leben gerufen und betreibt den Podcast "Einfach Mami - Dein Podcast für mehr Achtsamkeit und Intuition im Mamialltag"

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.