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Wortwahl Brexit. Schuld am Wahlergebnis?

01/07/2016 11:56 CEST | Aktualisiert 02/07/2017 11:12 CEST
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Francesco Massara, Professor für Marketing und internationales Business der Toulouse

Business School kommentiert:

Psychologisch gesehen ist es sehr sinnvoll sich auf das Wort „Brexit" zu konzentrieren. Das

Wort Brexit, kürzlich auch als Verb benutzt (to Brexit or not to Brexit) ist mittlerweile zu einem

gängigen Begriff geworden.

Es hat sich gezeigt, dass Wörter eine enorme psychologische Kraft entwickeln können und

dass eine bestimmte Wortwahl Entscheidungen beeinflussen kann. In einer durchgeführten

Studie kam man zu den Erkenntnissen, dass der Gebrauch von Metaphern die Haltung von

Menschen zu sozialen sowie politischen Themen gänzlich verändern kann. Wenn das Wort

„Kriminalität" zum Beispiel als „Biest" bezeichnet wird, welches die Gemeinschaft ausplündert,

sind die Menschen für die Durchsetzung von härteren Maßnahmen. Wenn von einem Virus

die Rede ist, einer infizierten Stadt, sind sie eher geneigt, das Problem mit sozialen Reformen

zu behandeln.

Der Gebrauch des Wortes BrExit kann also einen psychologischen Effekt gehabt haben. Leute

wählen, wenn sie die Wahl haben die vorgegebene Grundeinstellung (default option). Es ist

wie mit der Organspende. Ist die Organentnahme grundsätzlich erlaubt, ist die Spenderquote

viel höher, als wenn sie grundsätzlich nicht erlaubt ist und sich willige Spender mit einem

Ausweis aktiv als solche melden müssen.

Aus psychologischer Sicht gehen wir davon aus, dass der starke und legitimierte Gebrauch

des Wortes Brexit unterbewusst die Denkweise der Wähler beeinflusst hat. Das würde die

große Enttäuschung der Briten erklären, aus Brexit wird „Bregret" (Bedauern). Es gibt sogar

schon Spekulationen, basierend auf Google-Suche-Statistiken, dass Leute gar nicht mehr

wissen, warum sie eigentlich für einen Brexit gewählt haben.

Es bleibt die Frage, ob ein anderes Framing der Kampagne, rund um das Wort BrEntrance die

Ergebnisse geändert hätte.

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